Brokeback Mountain (2005)

Brokeback Mountain Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Brokeback Mountain: Ang Lees in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneter Western über zwei Cowboys, deren Liebe zueinander zum Scheitern verurteilt ist.

In den frühen 60er Jahren verdingen sich der Ranch-Gehilfe Ennis Del Mar (Heath Ledger) und der texanische Rodeo-Cowboy Jack Twist (Jake Gyllenhaal) den Sommer als Schafhüter für einen reichen Rancher. In der weiten Einsamkeit der Berge von Wyoming kommen sich die beiden näher, als es die Konvention der Zeit gestatten, und können auch dann nicht voneinander lassen, als jeder für sich versucht, als Ehemann mit Familie glücklich zu werden.

Vielleicht bedarf es der fremden Perspektive, aber niemand mit der möglichen Ausnahme des Briten Sam Mendes analysiert amerikanische Befindlichkeiten im Augenblick treffender und anrührender als der Taiwanese Ang Lee (“Der Eissturm”). Nach dem Goldenen Löwen und dem Golden Globe ist für den Regisseur nun auch der Oscar sicher.

Einen Sommer lang schützen der schweigsame Ranch-Helfer Ennis Del Mar und der texanische Rodeo-Cowboy Jack Twist in den Bergen von Wyoming Schafe vor wilden Tieren und Dieben, teilen den harten Alltag bei Tag und Nacht in der Natur. Bald realisieren sie, es ist mehr als nur der Job, der sie verbindet: eine Liebe gegen alle Konventionen. Auch wenn sich ihre Wege trennen, jeder von ihnen eine Familie gründet, die Leidenschaft flammt wieder auf. Über Jahrzehnte hinweg treffen sie sich regelmäßig. Doch die Probleme bewältigen sie nie so richtig.

Hoch oben auf dem Brokeback Mountain hüten sie einen Sommer lang Schafe, Ennis Del Mar und Jack Twist. Abgeschnitten von der Außenwelt verlieben die Cowboys sich ineinander, verbringen glückliche Wochen. Zurück im harten Alltag des bigotten US-Herzlandes müssen die beiden jedoch einsehen, dass ihre Verbindung keine Chance hat. So gehen sie getrennte Wege, gründen Familien, bekommen Kinder, treffen sich über Jahre hinweg heimlich immer wieder – und scheitern tragisch am in der Verfassung verankerten pursuit of happiness…

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Im klassischen Western wird allerhöchstens als harte Männerfreundschaft gezeigt, was „Brokeback Mountain“ als das ausspricht, was es ist: Liebe. Dabei ist Ang Lees Film kein Western im strengen Sinn, es geht um Cowboys im 20. Jahrhundert, und es geht um die Liebe, die sich über die Jahrzehnte des Lebens von Ennis und Jack fortsetzt.
    Die Liebe entspringt der leidenschaftlichen Geilheit in der Einsamkeit der Berge und sie entwickelt sich unaufgeregt und ohne großes Aufheben. Leise und langsam und ganz selbstverständlich zeigt Ang Lee die Gefühle der Männer füreinander in Situationen, kaum in Emotionen. Dafür sind die Männer zu wortkarg, ganz wie es sich für Cowboys gehört.

    Nur dass eben Ennis und Jack in den Bergen Wyomings Schafe gegen die Coyoten hüten und nicht einen Rindertreck gegen Indianer verteidigen müssen. Der klassische Western ist in die Jahre 1963ff übersetzt, und er hat dabei seinen Charakter verändert.
    Obwohl der Film nicht auf die Gefühle der Männer füreinander kapriziert, ist es die Liebe, die die Geschichte trägt, Jahr für Jahr immer weiter. Doch auch das ist nicht ganz richtig: Es ist kein Liebesmelodram, keine Alles-oder-nichts-Liebe; Ennis und Jack sind verheiratet, und sie lieben ihre Familien. Ihre Liebe zueinander spielt im Bereich des Konjunktivs. Und nur ab und zu lässt sie sich verwirklichen, bei Ausflügen heraus aus der Gesellschaft, in der sie leben; alle paar Monate treffen sie sich in der Wildnis, um dann wieder zurückzukehren in die wirkliche Welt, und sich weiter nacheinander zu sehnen.

    Der Film, der sich über Jahrzehnte spannt, basiert auf einer Kurzgeschichte von Annie Proulx – der epische Verlauf einerseits und die Handlung in alltäglichen Kleinigkeiten andererseits erhalten die strukturelle Spannung von „Brokeback Mountain“. In diesem Bogen lässt Lee seinen Figuren sich viel Raum zur Entfaltung: sie wirken echt, so echt wie das Leben; und schließlich ist es die Struktur menschlichen Lebens, die der Film übernimmt, Ereignisse, die aufeinander aufbauen, ohne zu etwas zu führen, Variationen über ein Grundthema, die sich nicht zu einer harmonischen Coda fortführen lassen.

    Jack und Ennis kämpfen nicht für ihre Liebe: Sie wissen um die Vergeblichkeit, auch wenn sie von einer Ranch träumen, auf der sie beide wohnen und arbeiten können. Besonders Ennis – mehr und mehr begibt sich der Film auf die Seite seiner Sichtweise – weiß, dass man Dinge, die man nicht ändern kann, akzeptieren muss. Ihre Liebe ist unmöglich, und nur punktuell lässt sie sich frei verwirklichen – und vielleicht deshalb währt sie so lange.

    Auf geradezu faszinierende Weise entwickeln sich die Charaktere über die Jahre, nehmen die vergangenen Ereignisse in sich auf und richten ihre Handlungen nach den Erfahrungen aus, die wir als Zuschauer – zumindest zum Teil – miterleben durften. Kontrastierend zu dieser Fortentwicklung der Filmfiguren im Film verharrt die Umgebung der Figuren in der Zeit. Tatsächlich sieht es im ländlichen Amerika auch heute noch so aus, wie der Film das Wyoming der 60er Jahre beschreibt. Die alten Pickup-Trucks, die leicht heruntergekommenen Gebäude, die Kneipen, letztendlich auch die Grundeinstellung der Gesellschaft: all das ändert sich im Lauf des Films kaum und nur in Details, wenn mal ein neuer Fernseher in einer Wohnung steht, oder wenn aus der Jukebox modernere Popmusik klingt. Dieser Gesellschaft stehen Ennis und Jack gegenüber, tatsächlich so etwas wie Outlaws. Also doch ein Western, nur dass hier das Kämpfen für ein Ideal nicht mehr lohnt.

    Fazit: Der Gewinner des Goldenen Löwen zeigt die Liebe, als wäre sie echt.
  • Der Cowboy am Lagerfeuer, der ultimative Mythos amerikanischer Männlichkeit. An den wagt sich Ang Lee mit seinem herausragenden Wettbewerbsbeitrag in Venedig heran. Einen Sommer lang schützen zwei junge Männer am “Brokeback Mountain” Schafe vor wilden Tieren und Dieben, teilen den harten Alltag bei Tag und Nacht in der Natur. Bald realisieren sie, es ist mehr als nur der Job, der sie verbindet: Eine Liebe gegen alle Konventionen, die trotz Trennung und Ehe ein Leben lang dauert.

    Ang Lee ist nicht zu toppen. Wenn der erst seit den 80er Jahren in USA lebende Taiwanese seinen unbestechlichen Blick auf die westliche Gesellschaft wirft, findet er schnell die Schwachpunkte, nicht umsonst brachte ihm sein düsteres Porträt der Nixon-Ära “Eissturm” den Ritterschlag der Filmkritik. “Brokeback Mountain”, basierend auf einer Kurzgeschichte von Pulitzer-Preisträgerin Annie Proulx, geht noch einen Schritt weiter, kratzt am Cowboy-Image, dem Urbild von Virilität, legendär durch Western und Marlboro-Werbung. Da trotzt der Mann den Unbillen der Natur, und versinnbildlicht auf dem Rücken der Pferde Freiheit. Keine Freiheit, sondern Arbeit suchen in Wyoming des Jahre 1963 der schweigsame Ranch-Helfer Ennis Del Mar und der texanische Rodeo-Cowboy Jack Twist. Über Monate erledigen sie ihren Knochenjob und schützen die Schafherde eines reichen Farmers in der Einsamkeit der Berge bei karger Bohnenkost. Ihre Zukunft planen sie wie jeder andere – feste Arbeit, Heirat, Familie. Und dann kommt es zwischen den beiden Männern, die sich nicht als Homosexuelle empfinden, zur Intimität. Auch wenn sich ihre Wege trennen, jeder von ihnen eine Familie gründet, die Leidenschaft flammt wieder auf, obwohl in den 60er Jahren gleichgeschlechtliche Liebe noch als Teufelswerk galt. Über Jahrzehnte hinweg treffen sie sich regelmäßig. Eine lebenslange Beziehung mit Problemen, eine Tragödie über Treue und Vertrauen, Freundschaft und Liebe.

    Immer wieder zeigt Ang Lee die Schwierigkeiten, den mangelnden Mut del Mars, der nicht aus seiner Haut herauskann und jede gemeinsame Perspektive zurückweist. Zu stark ist die gesellschaftliche Repression, die Angst vor Ausgrenzung. Ang Lee erzählt von der Komplexität dieser Verbindung, konfrontiert die Verantwortung und die Gefühle den Partnerinnen und Kindern gegenüber mit der Wucht des Begehrens und der verborgenen Sehnsucht nach gegenseitiger Zuneigung und Zusammensein. Im Spannungsfeld von Routine, Verzweiflung und zitterndem Lebenshunger bewegen sich die Protagonisten in ihrer Patchwork-Identität, Männerexistenzen eingeschlossen im Panzer traditioneller Geschlechtsmuster. Menschen, denen die Wirklichkeit keine Zukunft für Träume lässt. Nie wird der Film sentimental, dafür sorgt nicht nur die intelligente Inszenierung, sondern vor allem die überzeugenden Darsteller – Heath Ledger in verkapselten Sprödigkeit und Jake Gyllenhaal in unberechenbarer Lebenslust. Wie steinerne Zeugen des Schicksalspiels wirken die Berge in ihrer unantastbaren Schönheit und Ruhe, die Natur, in der die beiden durchatmen, sie selbst sein können. Nach dem Schwertkämpfer-Märchen “Tiger & Dragon” ein neuer Geniestreich von Ang Lee. Ein Meisterwerk, das die Venedig-Jury mit Edgar Reitz ganz oben auf ihre Agenda setzen sollte. mk.

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