Blue Valentine (2010)

Blue Valentine Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (2)
  1. Ø 5
Kritikerwertung (2)
  1. Ø 3.5

Filmhandlung und Hintergrund

Blue Valentine: Independentdrama, in dem Ryan Gosling und Michelle Williams eine hervorragende Performance geben als Paar, das alle Stationen einer Beziehung durchlebt, das Frischverliebtsein, Routine und aufkommende Probleme und Trennung.

Nach sechs gemeinsamen Jahren ist die Ehe zwischen Dean und Cindy am Ende. Aus der Leidenschaft ist Gewöhnung und Ernüchterung geworden, aus jugendlicher Leichtigkeit Schwere des Alltags. Sie will beruflich als Medizinerin etwas erreichen, er hat jegliche berufliche Ambitionen aufgegeben. Die Streitereien um Geld und Kind zermürben. Wie es dazu kam, wissen beide nicht. Deans verrückte Idee, in einem futuristischen Love Motel, der kaputten Beziehung neues Feuer einzuhauchen, endet im Desaster.

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Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Derek Cianfrance wollte eine klassische Liebesgeschichte für die heutige Zuschauergeneration drehen, eine Geschichte von Treffen, sich Verlieben, Heiraten, Kinderkriegen, von emotionaler Distanzierung bis zur Trennung – was bei Dean und Cindy nicht immer in genau dieser Reihenfolge inszeniert, weder in der Geschichte ihrer Beziehung noch im Handlungsfortgang, wie der Film diese Lovestory erzählt.

    Es beginnt mit dem Landhaus, in dem Dean, Cindy und die fünfjährige Tochter Frankie wohnen; es beginnt mit der Suche nach dem Familienhund. Frankie ist traurig, Dean tröstet sie, Cindy ist gedanklich abwesend. Sowieso reagiert sie eher genervt, wenn Dean und Cindy Spaß haben und spielen: Wir sind Tiger! – und sie wecken Mama. Wir sind Leoparden! – und sie essen ohne Löffel und Teller direkt von der Tischplatte. Sie haben Spaß; aber Cindy hat die Arbeit, sie wird saubermachen müssen, zusätzlich zu ihrem Nachtdienst im Krankenhaus...

    Es passt nicht mehr zwischen Dean und Cindy, das ist klar; und Dean gebärdet sich mehr und mehr wie ein Kind, das spielen will, einfach, um das alte, vergangene Feeling zwischen ihm und Cindy wieder herzustellen. Denn einst war alles anders, und in einer ganz anderen Geschichte aus lang vergangenen Zeiten erzählt der Film davon: Mit denselben Protagonisten zu einem ganz anderen Zeitpunkt ihres Lebens, als sie sich anders gefühlt haben und anders miteinander umgegangen sind.

    Dean aus der Arbeiterklasse hat einen Job als Möbelpacker, da lernt er Cindy kennen. Kann Liebe auf den ersten Blick möglich sein? In jugendlicher Forschheit und Unverfrorenheit sucht er den Kontakt zu ihr, und tatsächlich kommen sie sich näher: Wie sie im Bus einen Witz erzählt, wie er auf der Straße auf einer Ukulele spielt und besonders schräg singt, damit sie einen schönen Stepptanz hinlegen kann: Der Beginn der Beziehung ist geprägt von Spiel, von Unernst, von Witz und Spaß. Von dem Wissen um die Unverbindlichkeit, denn beide sind jung, beide wollen noch viel ausprobieren; sie steht in ihrem Medizinstudium, er hat noch keine richtige Arbeit...

    Das Ende und der Beginn einer Liebe zeigt Cianfrance, er ist nah dran an seinen Figuren, die er miteinander und gegeneinander positioniert; Ryan Gosling und Michelle Williams spielen sie in diesen ganz verschiedenen Lebensstadien als ganz verschiedene Menschen, als Figuren, die sich unterschiedlich entwickelt haben. Cindy will weiterkommen, sucht das Fortschreiten und hat es in der Beziehung zu Dean offenbar nicht gefunden. Dean merkt die Distanz und will sie aufheben mit Spaß und Witz und Spiel – was den Graben freilich nur weiter vergrößert. Er hat keine Ambitionen und nimmt doch gern das Heft in die Hand, bucht eine Nacht in einem Love-Motel. Der Cupid’s Room ist belegt, sie nehmen das Zukunfts-Zimmer, eine lächerliche Installation von futurisiertem drehendem Bett, billiges Science-Fiction-Ambiente für die Liebesnacht – die gründlich daneben geht, weil das Paar in der Vergangenheit steckt und eine Zukunft will, die ihre Gegenwart nicht mehr hergeben kann.

    Es steckt bittere Komik im Ende dieser Beziehung, im Elend des Zwischenmenschlichen; und es steckt Tragik in ihrem leichten, lockeren Beginn: die Lieblosigkeit in der Ehe von Cindys Eltern drückt sich in täglichen Demütigungen aus, und Cindys vorherige Beziehung zu einem anderen trägt ungeahnte Früchte: Sie ist schwanger... die innere Qual, die das bereitet, zeigt sich in der langen Szene beim Abtreibungsarzt, während draußen im Warteraum Ryan – nicht der Vater, aber der aktuelle Freund – zwischen Bangen und Hoffen dasitzt; ohne zu wissen, worum er bangt, wofür er hofft.

    „Blue Valentine“ stellt raffiniert die Vergangenheit und die Gegenwart einer Liebesbeziehung gegenüber, eine Zukunft wird es so wohl nicht geben können. Das ist eine einfache Geschichte – aber emotional inszeniert, dramaturgisch geschickt erzählt, mit Sinn für die bestmögliche Art, von einem Ende zu erzählen, in dem immer auch ein Stück vom Anfang enthalten ist. Wenn sich auch alles zum Schlechten gewendet hat.

    Fazit: Das Ende und der Beginn einer Liebesbeziehung ineinander verschachtelt erzählt: „Blue Valentine“ ist eine ungewöhnlich erzählte, aber ganz normale Liebesgeschichte – ein emotionaler, ein schöner Film.
  • Amerikanisches Independentkino mit Starbesetzung über das Suchen, Finden und Verlieren der Liebe und die Verwundbarkeit großer Gefühle im Alltag.

    Elf Jahre voller Höhen und Tiefen dauerte es bis zum Startschuss für diese moderne Beziehungsanalyse. Aber die Verzögerungen haben sich gelohnt, Derek Cianfrance liefert genau den Film ab, den er machen wollte. In Rückblenden rollt er die Geschichte einer großen Liebe auf. Nach sechs Jahren ist die Ehe von Dean und Cindy kaputt, der zermürbende Streit ums Geld, Tochter Frankie und mangelnde Ambition des Mannes haben die Leidenschaft erstickt. Ganz langsam und fast unbemerkt. Vorbei die zärtliche Zeit, als es zwischen dem Umzugshelfer und Musiker und der Medizinstudentin noch knisterte. Der impulsive Typ, der ihr nächtens auf der Straße ein Ständchen mit der Ukulele brachte und sich auch schon mal für sie zusammen schlagen ließ, ist heute ein beruflicher Loser, träge und ungepflegt, und dem Alkohol nicht abgeneigt. Seine skurrile Idee, in einem futuristischen Love-Motel noch einmal die einstige Magie zwischen ihnen aufleben zu lassen, führt ins Desaster.

    In sich verschachtelten Zeitebenen und in Parallelmontagen stellt Cianfrance Gegenwart und Vergangenheit gegeneinander, Romantik und sexuelle Lust gegen Frust und Routine und ähnelt dabei François Ozons “5 x 2″ und dessen umgekehrter Reihenfolge von der Scheidung bis zum Kennenlernen. Das Aufstöbern von Erinnerungen macht die Jetztzeit und das Auseinanderdriften von Lebensentwürfen noch trister. Einen Vergleich mit Ingmar Bergmans “Szenen einer Ehe” muss “Blue Valentine” nicht fürchten. Wo Nähe ist, reibt man sich wund. Überragend in dieser Versuchsanordnung: Michelle Williams und Ryan Gosling. Die Vergangenheitsszenen wurden auf Super-16-mm mit Handkamera gedreht, um eine lockere Stimmung von Freiheit und Jugendlichkeit zu schaffen, für die Gegenwartsgeschichte waren zwei feste Digitalkameras im Einsatz, Teleobjektive sorgen für eine klaustrophobische Atmosphäre. Zwei Menschen in Verzweiflung gefangen.

    mk.

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