Bastard (2011)

Bastard Poster
Nicht mehr im Kino.
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Filmhandlung und Hintergrund

Bastard: Handwerklich erstklassiger Psychothriller über eine Kriminalpsychologin, die das Verschwinden eines neunjährigen Jungens aufzuklären versucht.

Schon seit Tagen ist der neunjährige Nikolas verschwunden. Als sich der 13-jährige Schulkamerad Leon bei dessen Eltern meldet, schwant ihnen Böses. Tatsächlich offenbart sich der noch nicht einmal strafmündige Bursche als eiskalt agierender Kindesentführer. Er zwingt das Paar zu einem perfiden Psychospiel, auf das sich die Erwachsenen notgedrungen einlassen. Davon erfährt die Kriminalpsychologin Meinert und versucht, aus Leon sowie dessen gleichaltriger Komplizin Mathilda den Aufenthaltsort des Opfers herauszubekommen.

Eine Kriminalpsychologin versucht das Verschwinden eines neunjährigen Jungens aufzuklären. Handwerklich erstklassiger Psychothriller, in dem Carsten Unger souverän mit Genrekonventionen spielt.

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Kritiken und Bewertungen

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    Der neunjährige Nikolas ist spurlos verschwunden, sein Fußball-Kumpel sucht seitdem den Kontakt zur Familie. Der Polizeipsychologin erscheint das sehr auffällig und sie ahnt, dass zwischen dem Jungen und der Familie eine Verbindung bestehen muss. Der Psychothriller BASTARD schraubt seine Spannung mit vielen überraschenden Wendungen in die Höhe. Er zeichnet das Bild eines Jungen, der auf der Suche nach sich selbst ist und kein Mittel ungenutzt lässt, um seine Herkunft zu erfahren. Die zwischenmenschlichen Verwicklungen werden geschickt inszeniert, voller dramatischer Kraft, ohne pathetisch zu sein. Die opulente Ausstattung und eine virtuose Kamera mit spannender Farbästhetik verschaffen dem Thriller ausdrucksstarke Bilder. Regisseur Carsten Unger gelingt es überzeugend, die psychische Verfassung jeder einzelnen Figur herauszuarbeiten und damit auch ein schlüssiges Stück Gesellschaftskritik anzubringen. Insgesamt ein geglückter Versuch, mit wesentlichen Elementen zeitgemäß das Genre des Psychothrillers in Deutschland wiederzubeleben.

    Jurybegründung:

    Der Junge Niklas ist verschwunden. Seine Mutter erhält ein Video, das erschreckende Bilder zeigt. Auf der Suche nach dem Täter kommt die Polizei nicht weiter. Die Fallanalytikerin Claudia Meinert wird tätig und entdeckt erstaunliche Zusammenhänge.
    Die Geschichte wird im Genre eines Thrillers erzählt und hält den Zuschauer tatsächlich nahezu über den gesamten Film in Atem. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Leon, ein 13jähriger Schüler, hochbegabt, verschlossen und unnahbar, Mathilda, seine Klassenkameradin, die sich lasziv gibt, hinter ihrer Maske aber ein vereinsamtes Kind ist, das seine alkoholkranke Mutter unterstützen muss und Anja Heine, die Mutter des verschwundenen Niklas, die sich gegenüber Leon besonders abweisend und auffällig schroff verhält.
    Dem Film gelingt es, das Geflecht der gegenseitigen Abhängigkeiten und Verletzungen nach und nach aufzuzeigen, ohne dabei die Spannung aufzuheben oder den Faden zu verlieren. Der Zuschauer wird genregemäß im Ungewissen gelassen, während die Protagonisten ihr Geheimnis für sich behalten. Die Zuspitzung erfolgt fast unerwartet und weist jedem von ihnen sein Schicksal zu. Dabei kommt es zu bemerkenswerten inszenatorischen Höhepunkten, die auch die hervorragenden darstellerischen Leistungen der beiden jungen Schauspieler Markus Krojer und Antonia Lingemann hervorheben. In ihrer pubertären Problematik sind sie radikal und erschrecken durch ihre Gefühlskälte, die sie überzeugend in ihre Rolle einbringen.
    Auch wenn Konstruktion und Dramaturgie meistens überzeugen, ebenso wie Martina Gedeck, die in der Rolle der Claudia Meinert als deus ex machina die Handlung vorantreibt, gibt es vereinzelt Längen und Drehbuchschwächen, die der Gesamtwirkung des Films allerdings nichts anhaben können. Insgesamt bleibt der Eindruck eines überzeugenden Films, der als Beitrag zum Genre des Psychothrillers im deutschen Kinofilm selten zu sehen ist und gerade deshalb als wichtig und hoffnungsvoll bezeichnet werden muss.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Der Psychothriller um zwei strafunmündige Kindesentführer eröffnete die Hofer Filmtage und zieht fulminant alle Genre-Register.

    Geschickt hat Carsten Unger sein Erstlingswerk um ein finsteres Geheimnis gestrickt und daraus in ausdrucksstarken Kinobildern einen stimmungsvollen Kriminalthriller ausgearbeitet, der stilsicher und elegant zwei noch nicht strafmündige Teenager als eiskalte Engel ein perfides “Funny Games”-Machtspiel ausüben lässt, das sich auch als (Familien)Drama entpuppt, in dem die Suche nach Liebe und Identität eine skrupellose Tat auslöst. Zwar konstruiert Unger nach eigenem Drehbuch sein komplexes Szenario höchst spekulativ, hält einen aber mit einer perfekt-professionellen Umsetzung und fabelhaften Schauspielern in Atem. Neben zwei starken Nachwuchsakteuren überzeugt Martina Gedeck als Kriminalpsychologin, Thomas Thieme und Hanns Zischler veredeln Nebenrollen.

    Denn sie wissen nicht, was sie tun: Der hochbegabte Schüler Leon (Markus Krojer aus “Wer früher stirbt, ist länger tot”) hat den neunjährigen Nikolas entführt und plant seine Ermordung, die gleichaltrige Schulkameradin Mathilda (Antonia Lingemann) will als Komplizin bei der Schandtat dabei sein. Als sich Leon bei den Eltern des Vermissten einschleicht, um mit dem verstörten Ehepaar im Wissen um seine Straffreiheit ein perfides Spiel zu treiben, schaltet sich Fallanalystin Claudia Meinert (Gedeck) ein, in der Hoffnung, dadurch den Aufenthaltsort des Opfers zu erfahren.

    Nur vordergründig handelt es sich dabei um einen Kriminalfall. Aus dem Psychospiel entspringt ein handwerklich gefällig-glatter, spannender Thriller, der auch den Horror vor einer dämonischen Jugend kennt sowie handfeste Kritik an der Gesellschaft, die sie hervorbringt. Auch wenn er sich damit recht viel auf einmal aufhalst, ist Unger mutiges Spielfilmdebüt der gelungene Versuch, großes Kino zu inszenieren.

    Mag sein Werk auch so manipulativ sein wie die beiden Protagonisten – ein Junge ohne Name und Herkunft und ein Mädchen, das als laszive Lolita ihren verlorenen Vater sucht: Das Gesamtbild überzeugt, ein Gesellschaftsgemälde der forciert düsteren Art, das in menschliche Abgründe taucht und dramatisch von Schuld und der Sehnsucht nach Geborgenheit erzählt. Die Gier, geliebt zu werden, gebiert Monster, die für ein wenig Zuneigung sogar töten würden. Großen Anteil an der Seelen-Erforschung hat auch die fabelhafte Musik der Techno/Trance-Veteranen Stevie B-Zet und Ralf Hildenbeutel, die dem souveränen Debüt viel Atmosphäre verleihen. tk.

Darsteller und Crew

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