Balzac und die kleine chinesische Schneiderin (2002)

Originaltitel: Balzac et la petite tailleuse chinoise
Balzac und die kleine chinesische Schneiderin Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Balzac und die kleine chinesische Schneiderin: Die Poetische Liebesgeschichte aus der Spätphase der chinesischen Kulturrevolution beschwört die Kraft der Literatur und Poesie.

In den frühen 70ern feiert die Jugend der westlichen Welt neue Freiheiten. Doch im China der späten, aber immer noch omnipräsenten Kulturrevolution müssen zwei junge Männer büßen, dass sie Söhne unbequemer Intellektueller sind: In ländlicher Provinz unter Ausschluss aller Vergnügungen leisten sie Erntehilfe bis zum Erbrechen. Für Abwechslung sorgt die junge Seamstress, stolze Besitzerin einer ganzen Kiste verbotener Westliteratur und leider Analphabetin. Ein für beide Seiten fruchtbares Joint Venture nimmt seinen Lauf.

Eigene Erinnerungen an seine Jugend im Maoismus verarbeitet der heute in Frankreich lebende, chinesische Regisseur Dai Sijie in diesem vor prachtvollen Landschaftskulissen mit augenzwinkerndem Humor inszenierten romantischen Drama.

China, 1971, kurz nach der Kulturrevolution. Nach Abschluss der Oberschule sollen die Freunde Ma und Luo durch revolutionäre Bauern und die Arbeit auf deren Feldern umerzogen werden. Dort verfallen sie dem Charme eines wissbegierigen jungen Mädchens, das weder lesen noch schreiben kann. Ein heimlich beschaffter Roman von Balzac öffnet ihnen den Weg zu ihrem Herzen.

Weil im China des Jahres 1971 die Kulturrevolution tobt und Feld- statt Kopfarbeit angesagt ist, finden sich die Oberschul-Absolventen Luo und Ma nicht auf der Uni, sondern in einem Umerziehungslager in den Bergen wieder. Dort lernen die beiden eine wissbegierige Schneiderin kennen und lieben, deren Herz Luo mit dem Vorlesen eines Balzac-Romans erobert. Zusammen erleben die drei trotz aller Mühen eine wunderbare Zeit voller süßer und gefährlicher Geheimnisse, die schließlich durch den Bau eines Staudamms beendet wird.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Literatur und Film – eine gelungene Allianz in Dai Sijies Verfilmung des eigenen semibiografischen Bestsellers. Vor imposanter Landschaftskulisse spielt diese unterhaltsame Dreiecksgeschichte in Zeiten der chinesischen Kulturrevolution. Zwei junge Städter werden zur Umerziehung aufs Land geschickt, verlieben sich in eine Dorfschönheit, die sie durch das Vorlesen verbotener Bücher neugierig auf ein eigenständiges Leben machen. Der Erfolg des im Herbst 2001 erschienenen Romans (bisher fast 300000 verkaufte Exemplare) sollte dem Kinobesuch Auftrieb geben.

    Kein rotes Fahnenmeer oder begeistert geschwungene Mao-Bibeln versinnbildlichen hier die Kulturrevolution, sondern die Erfahrung des Einzelnen, der das System zur Schaffung eines neuen Menschentyps ad absurdum führt. Als der 17jährige Ma und der 18jährige Luo 1971 zu “Entintellektualisierung” in einem einsamen Bergdorf landen, müssen sie zur geistigen und körperlichen Ertüchtigung in der Kupfermine und auf Feldern malochen. Sie sind zwei von 20 Millionen, die diese Umerziehung durchmachen. Bücher gelten als Feind der Revolution, jegliche westliche Kultur als Dekadenz. Dennoch ist die Kunst der Strohhalm, an dem sie sich klammern. Die Lektüre verbotener europäischer Bücher macht ihnen das Leben etwas erträglicher. Bald verlieben sich die Jungs in die hübsche und wissbegierige “kleine Schneiderin” (Zhou Xun aus “Suzhou River” und “Beijing Bicycle”), Luo gewinnt ihre Zuneigung durch intensives Vorlesen eines Balzac-Romans. Die zarte Liebe zerbricht, als er für drei Monate in die Stadt zum kranken Vater muss und das Mädchen unter medizinisch riskanten Umständen einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lässt.

    Regisseur Dai Sijie, selbst wegen seiner bourgeoisen Herkunft vier Jahre in einem Umerziehungslager, erzählt von der Wirkung großer Politik im Mikrokosmos einer ruralen Gesellschaft und spart dabei nicht an grotesken Szenen zwischen bäuerlichen Analphabeten und gebildeten Städtern. So kann Ma seine Violine nur vor der sinnlosen Zerstörung retten, indem er behauptet, die klassische Sonate, die er spielt, heiße “Mozart ist mit seinen Gedanken immer beim Großen Vorsitzenden Mao”, worauf er die Einheimischen mit dieser “revolutionären” Musik erfreuen darf. Manchmal sieht sich das Duo im Auftrag des Dorfvorstehers in der nächsten größeren Ortschaft einen nordkoreanischen Film an, den sie dann der gespannt lauschenden Bevölkerung fantasiereich vortragen.

    Der in Frankreich lebende Dai Sijie mischt subtil Gesellschaftsporträt und bittersüßer Romanze, es geht weniger um Härten der Kulturrevolution, als um Liebe und Freundschaft zwischen völlig unterschiedlichen Menschen und deren subversive Versuche, das kommunistische System mit seiner Überwachung zu überlisten und sich nur vordergründig anzupassen. So ist der Aufbruch der jungen Frau in ein selbstbestimmtes Leben am Ende gleichzeitig auch ein Liebesbekenntnis an die Kraft der Veränderung durch das geschriebene Wort, eine Ode an die Literatur und ihren Sieg über die Diktatur. Wenn Ma, inzwischen erfolgreicher Violonist im französischen Exil, nach 20 Jahren zurückkehrt, seinen damaligen Leidensgenossen trifft und sich auf die Suche nach der kleinen Schneiderin macht, schlägt Dai Sijie den Bogen zum China der Gegenwart, ganz besonders zum ökologisch umstrittenen Drei-Schluchten-Staudamm am Yangze. Bei dieser – von Jean Marie Dreujou wunderbar fotografierten – Reise durch die Erinnerung wechseln sich Heiterkeit und Melodramatik ab, ohne die Leichtigkeit der Narration zu stören. Der französisch produzierte Film wurde zwar in China gedreht, steht aber noch immer unter Aufführungsverbot. mk.

Darsteller und Crew

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