Aaltra (2004)

Aaltra Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (0)
  1. Ø 0
Kritikerwertung (1)
  1. Ø 3.5

Filmhandlung und Hintergrund

Aaltra: Skurril schwarzhumoriges Rollstuhl-Road-Movie und sarkastischer Behindertenfilm mit Gastauftritt von Aki Kaurismäki.

Tag für Tag pendelt Monsieur Vives (Gustave Kervern) mit dem Wagen in die Stadt, und jedes mal gerät er dabei mit einem Faulpelz von Landmann (Benoît Delepine) und dessen Traktor aneinander. An einem Tag, der nicht der seine ist, gerät Vives mit dem Bauern in einen handfesten Streit. Beide landen erst unter dem Trecker und dann im Rollstuhl – der Beginn einer seltsamen Freundschaft.

Mann beißt Hund”-Regisseur Benoît Poelvoorde und Aki Kaurismäki haben Gastauftritte in diesem knochentrockenen Stück Schwarzen Humors aus Belgien.

Zwei verfeindete Nachbarn landen nach einer Prügelei unter der Ladeklappe eines Traktoranhängers für immer querschnittgelähmt im Krankenhaus. Sie trampen nach Finnland, um die Herstellerfirma “Aaltra” um Schadenersatz anzugehen und erleben auf ihrer Odyssee Mitleid, Aggressionen und Ignoranz, die sie durch ihr anarchistisches Verhalten selbst herausfordern.

Ben und Gus, Nachbarn an einer Landstraße im Norden Frankreichs, haben ein Problem: Sie können sich auf den Tod nicht ausstehen. Als sie während einer Prügelei unter die Ladeklappe eines Traktoranhängers geraten, werden sie so schwer verletzt, dass beide querschnittgelähmt im Rollstuhl landen. Nach Selbstmordversuchen entscheidet jeder für sich, nach Finnland zu trampen, um Aaltra, die Herstellerfirma des Anhängers, zu verklagen. Auf ihrem Weg dorthin stoßen sie neben Aggression und Ignoranz auch auf viel Mitleid, das sie schamlos ausnützen.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

So werten die User (0)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (1 Stimmen)
5
 
0 Stimmen
4
 
1 Stimme
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

  • Zwei Männer, die aufgrund eines tragischen Unfalls zu Rollstuhlfahrern werden. Und kaum jemand wird wirklich Mitleid mit ihnen empfinden. Warum? „Aaltra“ räumt auf ziemlich unterhaltsame Weise ein „Muss“ aus dem Weg. Das „Muss“, Rollstuhlfahrer als arme Opfer zu sehen, denen man natürlich Hilfe leisten muss, weil sie es ja alleine gar nicht schaffen können.

    Können sie nicht? Können sie doch! Die beiden übellaunigen Nachbarn jedenfalls haben ihren Spaß mit dem aufgesetzten Wohltätertum der Menschen um sie herum. Sie nutzen diese Hilfsbereitschaft rigoros aus. Wird ihnen der kleine Finger gereicht, nehmen sie gleich den ganzen Arm. Wer ihnen mit ratloser Unsicherheit begegnet, wird kurzerhand ausgenommen, wer lacht, angepöbelt. Jede Reaktion löst eine Gegenreaktion aus.

    Sie begegnen der Welt selbstbewusst und unverschämt und damit nicht anders als manche ihrer Zeitgenossen. Schließlich wird hier keine naive Weltsicht gefördert. Neo-Nazis, rassistische Witze, Beleidigungen und Ignoranz sind ebenso an der Tagesordnung, wie – ehrliche und aufgesetzte – Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Offenheit. Fest steht, die beiden kennen ihr Ziel und alle Mittel, das zu erreichen, sind ihnen recht. Und auch wenn sie stehlen, saufen, fressen und sich prügeln, man kann nicht umhin, diese lakonischen Helden immer mehr ins Herz zu schließen.

    In grobkörnigem Schwarz-Weiß und mit skurrilem und teilweise makaberem Humor wird dieses Rollstuhl-Road-Movie erzählt. Man sollte außerdem damit rechnen, mit absurden Situationen konfrontiert zu werden, zu denen weder eine Erklärung noch eine Auflösung angeboten wird. Am ehesten erinnert „Aaltra“ dabei an die Filme von Aki Kaurismäki, der hier ganz und gar nicht zufällig einen Kurzauftritt als Aaltra-Chef absolviert.

    Fazit: Rollstuhl-Road-Movie mit widerspenstigen Helden und skurrilem Humor.
  • Skurril schwarzhumoriges Rollstuhl-Road-Movie und sarkastischer Behindertenfilm mit Gastauftritt von Aki Kaurismäki.

    In Zeiten sozialpolitischer Überkorrektheit Behinderte als Zielscheibe von Spott anzugehen, erfordert Mut und ist im Rollstuhl-Road-Movie der beiden Regisseure, Autoren und Hauptdarsteller Benoit Delépine und Gustave de Kerven mit ebenso scharfen Attacken auf “Normalos” verbunden.

    Zwei herzlich verfeindete Nachbarn im Weizengürtel Nordostfrankreichs landen nach einer Prügelei unter der Ladeklappe eines Traktoranhängers für immer querschnittgelähmt im Krankenhaus. Selbstmordversuche scheitern. Sie trampen nach Finnland, um die Herstellerfirma “Aaltra” um Schadenersatz in Millionenhöhe anzugehen und erleben auf ihrer Odyssee kurzfristiges Mitleid, Aggressionen und Ignoranz, die sie durch ihr anarchistisches Verhalten selbst herausfordern. In Finnland toben sie durch die falsche Firma (“Varta”), bis sie “Aaltra” als Behinderten-Werkstatt ausmachen, bei der sie Arbeit finden. Die namenlos bleibenden Rollstuhlfahrer sind, so der dramaturgische Widerhaken des Films, brachiale Dickköpfe, die Leute anmachen, Kindern das Essen stehlen und Mitleid weidlich ausnutzen. Andererseits wird die verkrampfte Haltung der “Normalos” gegenüber Behinderten deutlich, wenn der Film mit versteckter Kamera entsetzte Reaktionen einfängt; die

    Gleichgültigkeit holländischer Touristen führt dazu, dass die Männer, am Strand “vergessen”, bald bis zum Hals im Wasser stehen.

    Erzählt ist das Ganze in grobkörnigem Schwarzweiß, fast in

    Stummfilmästhetik, mit Minimaldialog, improvisierten Szenen und an Jaques Tatis Monsieur Hulot erinnernden absurden Szeneneinfällen (am Tresen einer Kneipe sind nur die Hände der Männer zu sehen, die nach Biergläsern greifen). Zu den Gästen der Rollstuhl-Rallye zählen Motocross-Weltmeister Joel Robert, der diese Don Quixote und Sancho Pansa des Rollstuhls verscheucht, und der Aktionskünstler Noel Godin, der sie anstachelt. Als “Aaltra”-Chef hat Aki Kaurismäki (“Der Mann ohne Vergangenheit”) den besten Satz des Films. Als die Krüppel bei ihm auftauchen, kommentiert er: “Sie kennen mein Material wohl gut?” Für Freunde schwarzen Humors und Programmkinos eine Perle. ger.

Darsteller und Crew

Kommentare