A Most Wanted Man (2014)

A Most Wanted Man Poster
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Kritikerwertung (4)
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Filmhandlung und Hintergrund

A Most Wanted Man: Letzte Hauptrolle des verstorbenen Philip Seymour Hoffman als deutscher Anti-Terror-Agent in einem Top-Thriller nach John Le Carrés Bestseller.

Der russisch-tschetschenische von Folter gezeichnete Issa Karpow fordert bei einer Hamburger Bank das im Schließfach liegende illegale Vermögen seines Vaters ein und sucht Kontakt zur islamischen Gemeinde. Günther Bachmann, Leiter einer halb offiziellen deutschen Anti-Terrorismus-Einheit, will durch den Fremden die Hintermänner eines islamistischen Finanznetzes, das Al Kaida zuarbeitet, entlarven. Dazu braucht er Zeit. Die lassen ihm aber weder CIA und noch andere deutsche konkurrierende Geheimdienste.

Ein Anti-Terror-Experte hofft in Hamburg, an Al-Kaida-Hintermänner heranzukommen, wird aber vom CIA ausgespielt. Atmosphärisch dichter, intensiver Agententhriller nach einer Vorlage von Bestsellerautor John Le Carré.

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    Der junge Muslim Issa flüchtet ohne Papiere nach Deutschland. Er findet Unterschlupf in der Islamischen Gemeinde, wo man ihm die junge, engagierte Menschenrechtsanwältin Annabel vorstellt. Mit ihrer Hilfe versucht er an sein Erbe, das "unreine" Mafiavermögen seines Vaters, zu gelangen. Als Moslem gerät er ins Visier der Geheimdienste und bietet das perfekte Feindbild. Der idealistische Agent Günther Bachmann, grandios gespielt von Philip Seymour Hoffmann, will Issa helfen und ihn aus der Schusslinie ziehen. Doch auch die CIA hat die Spur aufgenommen. Ein Kampf der Mächte um den angeblichen Terroristen beginnt. Der niederländische Regisseur Anton Corbiijn erzählt ruhig und unaufgeregt und entpricht damit ganz dem Stil der Vorlage des berühmten Autors John Le Carré. Auch ohne große Actionszenen gelingt es ihm, immer mehr Spannung aufzubauen, wobei insbesondere durch die Szenerei der Hamburger Hinterhöfen eine eigentümlich mysteriöse Atmosphäre geschaffen wird. Das internationale Schauspieler-Ensemble - neben Philipp Seymour Hoffman in einer seiner letzten Rollen, Robin Wright und Willem Dafoe ist auch Nina Hoss lobenswert hervorzuheben - überzeugt mit minimalistischem Minenspiel und durchweg stimmigen Figuren. Bis zum Schluss lässt die deutsch-britische Koproduktion den Zuschauer im Unklaren und fordert hohe Aufmerksamkeit für seine verrätselte und komplexe Geschichte. Ein weiterer kluger Spionagethriller nach einer Vorlage John Le Carrés, der alle Genreerwartungen vollends erfüllt.

    Jurybegründung:

    Die ehrbare Hansestadt Hamburg ist Tummelplatz nationaler und internationaler Geheimdienste, die nicht nur gefährliche Terroristen jagen, sondern sich auch gegenseitig belauern und ins Handwerk pfuschen. Dieser Ausgangspunkt der Geschichte erscheint absolut glaubhaft nach der Hysterie des Terror-Anschlags am 11. September, dessen Attentäter zum Teil aus Hamburg kamen, sowie nach den jüngsten NSA-Enthüllungen. Und wer sollte es besser wissen als der Altmeister John le Carré, der in seinem 2008 erschienenen Roman "A Most Wanted Man" (dt.: "Marionetten") eine überzeugende Szenerie des allgemeinen Verdachts und des skrupellosen Spiels der verschiedenen Dienste entwirft, in dem alle handelnden Personen letztendlich fremdbestimmte Marionetten sind.

    Der niederländische Regisseur Anton Corbijn hat diese Geschichte packend und souverän verfilmt und bleibt dem Stil der Vorlage treu. Die Genre-Erwartungen werden gut bedient, obwohl der Film weniger auf äußere Action denn auf Charakterzeichnung und Atmosphäre setzt. Locations und Ausstattung betonen den Kontrast zwischen der kühlen Eleganz der Machtzentralen und den nächtlich dunklen Straßen und Hinterhöfen, in denen ein Großteil der Handlung stattfindet. In diesen Szenen ist die Handkamera den Protagonisten dicht auf den Fersen und zieht den Zuschauer in das Geschehen hinein. Insgesamt zeichnet sich Benoit Delhommes Bildgestaltung aber durch gedämpfte, düstere Farben aus, wobei die gekonnte Ausleuchtung interessante Akzente setzt. Dieser Look lässt Hamburg herbstlich kalt und nass erscheinen und trägt wesentlich zur melancholisch-mysteriösen Stimmung des Thrillers bei. Die von Herbert Grönemeyer komponierte Filmmusik unterstreicht diese Atmosphäre, treibt aber gleichzeitig die Handlung voran.

    Im hochkarätigen internationalen Schauspieler-Ensemble ragt Philip Seymour Hoffman heraus, der in seiner letzten Rolle - mit starkem deutschen Akzent - den Agenten Günther Bachmann spielt, den Leiter einer halboffiziellen deutschen Antiterror-Einheit. Kettenrauchend, Kaffee und Whisky in sich hineinkippend, gibt er den Spion der alten Schule, der in der Welt herumgekommen ist, Erfolge und Misserfolge zu verzeichnen hatte und sich darüber eine sehr eigene Sicht der Welt und seines Berufes zulegte. Den terror-verdächtigen Issa Karpow möchte er als Köder benutzen, um an die großen Fische, die Finanziers des internationalen Terrorismus, heranzukommen, denen er schon lange auf der Spur ist. Dazu muss er den Bankier Tommy Brue, der das Vermögen von Issas Vater verwaltet, und die idealistische Menschenrechtsanwältin Annabel Richter, die für Issas Aufenthalt streitet, für seine Zwecke instrumentalisieren. Vor allem braucht er dafür aber Zeit, die ihm die anderen deutschen Dienste und die CIA-Agentin Martha Sullivan nicht geben wollen. Sie setzen auf den kurzfristigen Erfolg und nutzen ihrerseits Günther Bachmann als Köder, um Issa Karpow festzunehmen. Alle wollen aus politischen oder persönlichen Motiven die Welt "besser" oder "sicherer" gestalten, alle haben ihre Tricks und ihre Schwächen, und alle spielen mit verdeckten Karten.

    Das findet seine Entsprechung im minimalistischen Spiel der Darsteller. Neben Philip Seymour Hoffman, Willem Dafoe, Rachel McAdams und Robin Wright überzeugt die erste Garde der deutschen Schauspieler in kleinen und kleinsten Rollen. Neben Nina Hoss als Günther Bachmanns Assistentin sind dies u. a. Daniel Brühl (der wortlos und mit Kopfhörern im Ohr Monitore beobachtet), Kostja Ullmann, Martin Wuttke, Rainer Bock und Herbert Grönemeyer. Sie verleihen den Figuren Kontur und halten die komplexe Geschichte mit ihren vielen Verästelungen und Ränkespielen bis zum Schluss spannend.

    A MOST WANTED MAN ist ein kluger Agententhriller aus dem klassischen Repertoire John le Carrés, der die Geheimdienstarbeit entmystifiziert und die Methoden des "Kriegs gegen den Terror" und moralische Grundsätze ausbalanciert, der aber vor allem von der ersten bis zur letzten Minute packend unterhält.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Ruhig erzählter, aber spannender Spionage-Thriller mit einem überragenden Philip Seymour Hoffman.
  • Der unvergessliche Philip Seymour Hoffman in einer seiner letzten Rollen als deutscher Spion in der fesselnden Adaption des John Le Carré-Thrillers “Marionetten”.

    Einen passenderen Zeitpunkt für Anton Corbijns dritten Film nach “Control” und “The American” könnte es eigentlich nicht geben. Wie in der Realität intrigiert auch auf der Leinwand ein Geheimdienst gegen den anderen, funkt die CIA den deutschen Kollegen kräftig ins Geschäft. Zentrum des düsteren Spionage-Thrillers ist Hamburg, für die Amerikaner der unheilige Ort, an dem die “Todespiloten” die 9/11-Anschläge planten und wo man wohl auch heute niemandem trauen darf. Genau da taucht der dubiose Flüchtling Issa Karpov auf, ein von Folter gezeichneter Ex-Tschetschenien-Kämpfer, meldet bei einer renommierten Bank Ansprüche auf das illegal erworbene Vermögen seines nicht ganz sauberen russischen Vaters an und knüpft Kontakt zur islamischen Gemeinde. Schnell will der US-Geheimdienst zugreifen. Dabei hat Günther Bachmann, Leiter einer halboffiziellen deutschen Antiterrorismus-Einheit, ganz andere Pläne, will den Fremden als Köder benutzen, um über einen moslemischen Führer ein islamistisches Finanznetz auszuheben. Dazu braucht er aber Zeit, die ihm weder andere deutsche Dienste noch die CIA lassen. Karpov wird zum “most wanted man”.

    In von Benoit Delhomme eingefangenen grauen, manchmal wackeligen Hamburgbildern spielt der größte Teil des melancholischen Thrillers. Der grandiose Philip Seymour Hoffman gibt als ständig rauchenden und Whisky-saufenden Bachmann einen zynischen Spion alter Schule, der cool die smarten neumodischen Agenten deklassiert. Weit weg vom James-Bond-Glamour durchstreift er die dunklen Ecken der Hansestadt, dominiert das doppelte Katz-und-Maus-Spiel schauspielerisch in allen Nuancen, auch wenn Nina Hoss als seine rechte Hand, Rachel McAdams als Menschenrechtsanwältin, Robin Wright als CIA-Schlange und Willem Dafoe als zwielichtiger Bankier beachtliche Performances liefern. Die packende Adaption von Le Carrés Roman aus dem Jahr 2008 muss natürlich mit einem Rückschlag für den enden, der in seiner Strategie das Ganze sieht und nicht nur kurzfristigen Erfolg. Im akribisch wie ein Puzzle aufgebauten Plot bleibt es in der allgemeinen Paranoia trotzdem schwierig, die einzelnen Teile zuzuordnen. Mag die Atmosphäre weniger intensiv sein als in Tomas Alfredsons “Dame, König, As, Spion” über den britischen Auslandsgeheimdienst, “A Most Wanted Man” ist bestes Kino vom alten Schlag, entmystifiziert Geheimdienstarbeit als undankbaren Job, setzt weniger auf Action denn auf Charakterzeichnung. Niemand ist wirklich gut oder wirklich böse. Herbert Grönemeyer sorgte nicht nur für den Soundtrack, sondern übernahm auch eine kleine Rolle. mk.
  • Ein Jahrzehnt, nachdem der Terrorist Mohammed Atta in Hamburg die Anschläge vom 11. September vorbereitete, sind die Geheimdienste immer noch in Aufruhr wegen ihres damaligen Versagens. In dieser Atmosphäre der Angst vor neuen Terroristen und gegenseitigen Rivalität spielt der Agententhriller "A Most Wanted Man", der auf dem gleichnamigen Roman von John le Carré (deutscher Titel: "Marionetten") basiert. Der niederländische Regisseur Anton Corbijn ("Control", "The American") taucht mit der spannenden Geschichte tief in das Labyrinth des zeitgenössischen Agentenmilieus ein. Der im Februar 2014 verstorbene Philip Seymour Hoffman spielt in seinem letzten vollendeten Film einen einsamen Wolf in Gestalt des deutschen Agenten Bachmann.

    Bachmann ist eine schillernde Gestalt, die es geschickt versteht, Leute unter Druck zu setzen. Er und seine Leute haben schon länger den islamischen Wohltäter Abdullah im Visier. Vielleicht spendet er auch einer Organisation Geld, die nicht nur friedliche Zwecke verfolgt. Da kommt ihnen ein Lockvogel wie Issa Karpov gerade recht: Der gefolterte und traumatisierte Mann, der im islamischen Glauben Halt sucht, soll ihm sein Erbe vermachen. Im Gegenzug verspricht Bachmann Issas Anwältin, dass er unbehelligt in Deutschland leben kann. Fiele Issa anderen Agenten in die Hände, würde er sofort des Landes verwiesen.

    Hoffman spielt den emsigen, hochintelligenten Spion hervorragend als einsamen, misstrauischen Menschen, der ganz in seiner Arbeit aufgeht. Mit seiner kleinen Truppe – darunter die von Nina Hoss gespielte Erna Frey – macht er den großen Diensten Konkurrenz. Im Gegensatz zu ihnen schaut er meistens etwas genauer hinter die Fassade der Dinge und passt seine Mittel besser an. Aber er benutzt einen Unschuldigen – und das macht ihn ebenso zur tragischen Figur, wie seine eigene Unfreiheit im Dickicht des Agentenuniversums. Der stets auch etwas melancholische Film stellt infrage, ob der Aktionismus der Geheimdienste die Welt wirklich sicherer macht, wie es die Agenten gerne behaupten.

    Fazit: Der in Hamburg angesiedelte Agententhriller "A Most Wanted Man" bezieht seine Spannung aus einem Klima des Argwohns, in dem ein einsamer deutscher Spion die Strippen zieht: Es ist die letzte große Rolle des unvergesslichen Philip Seymour Hoffman.
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