45 Years (2015)

45 Years Poster
Nicht mehr im Kino.
Userwertung (6)
  1. Ø 4.8
Kritikerwertung (2)
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Filmhandlung und Hintergrund

45 Years: Kluges Drama um ein Paar, das kurz vor seinem 45. Hochzeitstag steht und mit Erinnerungen, verpassten Chancen konfrontiert wird.

Kate (Charlotte Rampling) und Geoff (Tom Courtenay)  stecken mitten in den Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten anlässlich ihres bevorstehenden 45. Hochzeittages. Am kommenden Samstag ist es soweit, und das Fest zum freudigen Jubiläum soll dementsprechend groß ausfallen. Viele Leute sind eingeladen zu der Veranstaltung und so müssen sich Kate und Geoff um einige Dinge kümmern. Ganz unangebracht kommt da eine Meldung, die das Leben der beiden mitten in dieser stressigen Phase auf den Kopf zu stellen droht. Nach mehr als 50 Jahren wurde der Leichnam von Geoffs alter Liebe Katya gefunden. 1962 hatten die beiden eine gemeinsame Bergtour in den Schweizer Alpen unternommen, bei dem seine damalige Partnerin tödlich verunglückt ist. In dem Eis der Gletscher hat sie die Zeit überdauert und wurde nun entdeckt. Die Neuigkeit löst bei Kate und Geoff unterschiedliche Reaktionen aus. Geoff beginnt sich in der Folge zunehmend abzukapseln und versinkt in Nostalgie. Er denkt zurück an seine frühere Beziehung zu Katya, gibt sich vollkommen seinen Erinnerungen hin, die ihn 50 Jahre zurück schicken. Immer stärker wird die Distanz, die sich dadurch zu seiner Frau Kate aufbaut. Und auch an ihr geht die Meldung vom Auffinden von Katyas Leiche nicht spurlos vorbei. Sie spürt die zunehmende Entfremdung von ihrem Mann und gleichzeitig, wie in ihr Eifersucht auf Geoffs Vergangenheit und Ängste um die gemeinsame Zukunft zunehmend ihre Gedanken bestimmen. Als Geoff sich mit der Frage beschäftigt, ob er in die Schweiz fliegen soll, um Katya noch einmal zu sehen, droht die brodelnde Krise zwischen dem Ehepaar zu eskalieren.

Videos und Bilder

Auf DVD & Blu-ray (1)

Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    Kate und Geoff sind seit 45 Jahren verheiratet. Alles ist eingespielt, zwischen ihnen herrscht blindes Verständnis. Doch dann, kurz vor ihrem Hochzeitstag, den sie gemeinsam mit Freunden begehen möchten, erhält Geoff einen Brief aus der Schweiz. Dort wurde aus dem Gletschereis die Leiche einer Frau geborgen. Es handelt sich um Katya, mit der Geoff vor 50 Jahren zusammen war. Und plötzlich scheint alles anders. Geoff wirkt abweisend, grübelt, sinniert über das Leben, überlegt, in die Schweiz zu fahren. Kate wiederum will sich ablenken mit der peniblen Planung der Party. Doch immer mehr beginnt sie, Fragen über Katya zu stellen. Wie sie aussah, wie sie war, wie sehr Geoff sie geliebt hat. Und mit jeder Frage wird Kate unsicherer. Nach und nach entblättert sie Wahrheiten über Geoff, die ihr 45 Jahre lang verborgen geblieben waren. Und die sie hinterfragen lassen, wie gut sie Geoff überhaupt kennt. Andrew Haighs 45 YEARS gleicht einem ruhigen Gewässer, in dessen Untiefe ein Aufruhr der Gefühle verborgen ist. Es ist eine der großen Stärken des Drehbuchs und der Schauspielführung, das Unausgesprochene zwischen den Zeilen und die Zwischentöne der sich so nahen Seelen sicht- und fühlbar zu machen. Die britischen Schauspielgrößen Charlotte Rampling und Tom Courtenay lassen keinen Zweifel daran, dass sie zu den Besten ihrer Generation gehören. Tom Courtenay als Geoff, der mit einer Mischung aus Wehmut und immer wieder aufkeimendem Widerspruchsgeist auf sein Leben zurückblickt, um schließlich den Kampf um seine Liebe aufzunehmen. Und Charlotte Rampling als Kate, die von der ersten Minute an eine bodenständige Kraft und Stärke verkörpert. Eine Stärke, die sie nach und nach zu verlieren scheint und damit den Boden unter den Füßen. Auch Szenenbild, Setting und Kameraführung sind dafür verantwortlich, dass man Teil dieser Beziehung wird. Das Haus wirkt wie ein lebender organischer Teil der Beziehung selbst. Die 45 Jahre stecken in jeder Teekanne, in jedem Porzellanteller, in jeder Holzdiele. Und doch hält es beide Figuren auch gefangen in diesem Kammerspiel. Kraftvoll und ganz natürlich tragen Rampling und Courtenay die Szenen, bis zu dem überraschenden und abrupten letzten Bild, das Schlussstrich oder Neubeginn symbolisieren kann. 45 YEARS ist britisches Schauspielkino vom Allerfeinsten und eine feine nuancierte Beziehungsstudie. Ein ruhig erzähltes Meisterwerk mit unbändiger Kraft.

    Jurybegründung:

    Einen Liebesfilm zu erzählen, in dem nicht junge "knackige", sondern reifere und erfahrenere Menschen zu sehen sind, ist an sich schon verdienstvoll. Andrew Haigh ist jedoch zudem noch ein brillanter Schauspieler-Film gelungen. Charlotte Rampling und Tom Courtenay spielen das Ehepaar Kate und Geoff Mercer mit beeindruckender Intensität und psychologischer Genauigkeit. Diese beiden erfahrenen Schauspieler zu führen, ist gewiss keine leichte Aufgabe. Dem Regisseur gelingt dies bravourös. Den Darstellern wird viel Raum und Zeit gelassen, um ihre Figuren zu entfalten. Sehr langsam bewegt sich entsprechend die Handlung voran. Die ist alles andere als uninteressant und perfekt auf eine Liebesgeschichte mit älteren Menschen zugeschnitten. Denn die plötzliche Nachricht, dass die erste große Liebe Geoffs tiefgefroren in den Schweizer Alpen gefunden wurde, wo sie vor mehr als 50 Jahren ums Leben kam, eröffnet mehrere lebensphilosophische Dimensionen. Narrativ entwickelt der Film daraus zwei Handlungsstränge: Geoff wird an seine Jugend und ein traumatisches Erlebnis erinnert. Dazu ist der Drang, in die Schweiz zu fliegen, um die ehemalige Liebe zu sehen, die noch so jung aussieht wie damals, groß. Kate beginnt daraufhin ihre Ehe infrage zu stellen, weil sie Zweifel daran bekommt, ob sie die wichtigste Frau im Leben Geoffs ist. Je mehr sie den Eindruck hat, dass Geoff die Nachricht allzu sehr mitnimmt, umso stärker wird ihre Angst, nur die zweite Wahl gewesen zu sein. Eine Angst, die fast krankhafte Züge annimmt.
    Der Film erzählt langsam und kunstvoll, gerade weil er vieles nicht ausformuliert, sondern mehr in die Gesichter der Protagonisten einschreibt. Kunstvoll ist vor allem die metaphorische Verwendung des Klimawandels. Denn das Schmelzen des Eises ist der Grund, weswegen Geoffs alte Liebe Katya in den Alpen gefunden wurde. Geoff beginnt sich mit dem Thema zu beschäftigen und in einem Buch liest er, dass der Klimawandel seit langer Zeit ignoriert wird und mittlerweile nicht mehr rückgängig zu machen ist. Wurde in der Ehe auch lange Zeit etwas totgeschwiegen? Muss mit dem nun nicht mehr zu verleugnenden Wissen ein Neuanfang her, eine große Transformation, wie es in der Klimadebatte unter anderem gefordert wird? Das Paar fasst tatsächlich diesen Entschluss. Doch werden sie auch für einen Neuanfang in der Lage sein? Der Schluss des Films lässt auch dies offen, wenn Geoff und Kate auf ihrem Fest miteinander tanzen und wir in Kates resp. Ramplings Gesicht den Kampf mit dem Zweifel sehen. 45 YEARS bietet eine bis ins letzte Detail liebevolle Ausstattung, perfekt geschriebene Dialoge und ein Fest der Schauspielkunst, das man nicht verpassen sollte.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Kluges Drama um ein Paar, das kurz vor seinem 45. Hochzeitstag steht und mit Erinnerungen, verpassten Chancen konfrontiert wird.

    Echter als der dritte Film des 42-jährigen Briten Andrew Haigh kann sich Kino kaum anfühlen. Authentischer. Wahrhaftiger. Jedes noch so kleine Detail stimmt in der unauffälligen Mittelklassewelt von Geoff und Kate Mercer, ein Paar, das kurz vor der Feier seines 45-jährigen Jubiläums steht, zwei Menschen, die einander so gut kennen, wie es zwei Menschen nur können, die einander vertrauen und aneinander gewöhnt sind. Und nun erreicht sie ein Brief. Und der stellt alles auf den Kopf und in Frage, ohne dass sich wirklich etwas merklich verändern würde, bis zur erschütternden allerletzten Szene, die einen trifft wie ein Schlag. Was steht in dem Brief? Er ist so harmlos, wie nur möglich scheint: Geoff wird von den Behörden informiert, dass die Leiche einer ehemaligen Freundin von ihm gefunden wurde, mehr als 50 Jahre nach einem Bergunfall in den Schweizer Alpen, eingefroren in ewigem Eis. Eigentlich kein Problem: Kate wusste von dem Vorfall, es geschah, bevor sie einander kennenlernten. Und doch nagt es an ihr. Sie beginnt ihren Mann anders zu sehen, anders zu verstehen, und sie ist auf einmal nicht mehr sicher, ob sie ihn wirklich kennt.

    “45 Years” ist natürlich in erster Linie ein Schauspielerfilm. Und auf was für wunderbare Schauspieler Andrew Haigh zugreifen kann. Nicht von ungefähr hat er zwei Ikonen ausgewählt: Tom Courtenay ist untrennbar verbunden mit dem Neuen Britischen Sozialkino der Sechzigerjahre mit Hauptrollen in “Die Einsamkeit des Langstreckenläufers” oder “Geliebter Spinner“, Charlotte Rampling ist seit “Der Nachtportier” die zeitlose Diva des englischen Films. Aber hier, in diesem Film, sind sie einfach nur Geoff und Kate, zwei Menschen, die so eng miteinander verbunden sind, dass sie gar nicht realisieren, dass sie einander schon lange nicht mehr lieben. Ganz unauffällig erzählt Haigh seine Geschichte, lange nicht so laut und grell wie in seiner bahnbrechenden HBO-Serie “Looking”, aber mit unfassbar gutem Gespür bei der Inszenierung seiner Stars, die völlig zu Recht auf der Berlinale die beiden Schauspielpreise gewannen. Ganz kann “45 Years” nicht abschütteln, dass er auf einer Kurzgeschichte – von David Constantine – basiert, aber er ist doch stets so elektrisierend und aufwühlend, dass man während seiner Laufzeit von 95 Minuten kaum wagt zu atmen. ts.

Darsteller und Crew

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