4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage (2007)

Originaltitel: 4 luni, 3 saptamini si 2 zile
4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage: Schmerzhaft intensive Geschichte einer illegalen Abtreibung im kommunistischen Rumänien.

Studentin Gabita (Laura Vasiliu) befindet sich in einer prekären Situation: Sie will abtreiben – was in Ceausescus diktatorischem Ostblockstaat Rumänien unter Strafe verboten ist. Ihre Zimmergenossin Otilia (Anamaria Marinca) treibt das dafür notwendige Geld und einen Arzt auf, der die Abtreibung an der verschüchterten Gabita vornehmen soll. Nachdem sie endlich ein Hotel gefunden haben, das ihnen ein Zimmer vermietet, nutzt der Arzt ihre Situation schamlos aus und überlässt sie anschließend ihrem weiteren Schicksal.

Die Goldenen Palme in Cannes war der Segen für Cristian Mungius schmerzhaftes, deprimierendes Drama, das eine beklemmende, menschlich erkaltete Gesellschaft abbildet. Der Kommunismus ist in diesem Arthausfilm ein veritabler Ort des Schreckens.

Studentin Gabita will abtreiben, doch unter Ceausescu ist das verboten. Ihre beste Freundin und Zimmergenossin Otilia macht das notwendige Geld und einen Engelmacher ausfindig. Der demütigt die Mädchen und als er merkt, dass Gabitas Schwangerschaft über den vierten Monat hinaus ist, verlangt er nicht nur eiskalt mehr Geld, sondern auch Sex.

Unterstützt von ihrer Zimmergenossin Otilia, die das notwendige Geld und einen Engelmacher besorgt, macht sich die Studentin Gabita im Rumänien Ceaucescus an eine Abtreibung. Im Hotel werden sie abgewiesen, der Mann, der die illegale Abtreibung durchführt, demütigt die Mädchen und verlangt nicht nur eiskalt mehr Geld, sondern auch Sex, bevor er sich routiniert an sein lukratives Geschäft macht. Nach getaner Arbeit gibt es lapidare Ratschläge. Die Hilflosen bleiben ihrem weiteren Schicksal überlassen.

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Kritikerrezensionen

  • „4 Monate, 3 Wochen und zwei Tage“ gewann in Cannes die Goldene Palme und ist für den Europäischen Filmpreis nominiert. Regisseur Cristian Mungiu schafft es in dem erschütternden Drama, das Lebensgefühl während der Ceausescu-Diktatur in Rumänien ganz ohne Politik und Geheimpolizei auf die Leinwand zu bringen. Am Schluss des Films verlangt Otilia von ihrer Freundin, dass sie nie wieder über ihr Erlebnis reden. Mungiu geht den umgekehrten Weg: Im ersten Film einer geplanten Serie über den Alltag im Kommunismus zerrt er mit beispielloser Vehemenz Dinge ans Tageslicht, an die sich wohl viele Zeitgenossen erinnern können, über die aber der Mantel der Scham gehüllt war.

    Zwei Jahre vor dem Sturz des rumänischen Diktators liegt das Land in fast völliger Dunkelheit – abends gibt es kaum Straßenbeleuchtung, um Strom zu sparen. Das Gas wird tagsüber abgedreht, die Mutter von Otilias Freund Adi muss ihren Geburtstagskuchen also früh backen. Ohne Bestechung mit westlichen Konsumartikeln läuft im Alltag nichts mehr: Otilia kann ein Hotelzimmer nur mit Hilfe einer Packung Zigaretten der Schlüsselmarke Kent mieten. Seit 1966 ist Abtreibung verboten, und das in einem Land, in dem es die Pille nicht gibt.

    Der Regisseur konfrontiert zwei junge Frauen Anfang 20, Mädchen im Grunde noch, mit einer zerbrechenden Gesellschaft, die das Beste was sie haben, Unschuld und Vertrauen, nicht unterstützen kann. Die schwangere Gabita ist ein bisschen zu verträumt und zu naiv für diese Welt, so dass sich ihre blonde Freundin Otilia zur beschützenden Managerin entwickelt hat. Sie ist rhetorisch kompetent, sie feilscht, verhandelt, bleibt stets freundlich und kalkuliert ihre Worte mit großer Akribie. Und dennoch sind permanente Demütigungen unumgänglich. Weil Otilia etwas braucht, ist sie schon an der Hotelrezeption unterlegen. Die größte Kraft entfaltet Mungius Drama in den brutalen Dialogen, die einem einzigen Schema folgen: Wie kann der Gesprächspartner unter Druck gesetzt, ja gar mit Tatsachenverdrehung entmachtet werden?

    Herr Bebe perfektioniert diese Art der Argumentation. Während er im Hotelzimmer die verbale Schlinge um Gabita und Otilia zuzieht, vergisst man fast, weiter zu atmen. Es ist aber keineswegs so, dass der Film den moralischen Zeigefinger hebt. Im Stil einer Dokumentation folgt die Kamera Otilia auch zur Geburtstagsfeier im Elternhaus ihres Freundes, wo belanglos geplaudert wird. Die bleierne Schwere, die die Zuschauer so schnell nicht wieder loslässt, erhält aber nur neues Gewicht durch diesen Zwiespalt zwischen behaupteter Behaglichkeit und dem versteckten Kampf der beiden Freundinnen, nicht unter die Räder zu kommen.

    Die Stilmittel des Films haben sicherlich auch zur Preisverleihung in Cannes beigetragen. Um Authentizität bemüht, ließ Mungiu die meisten Szenen in einer einzigen Einstellung filmen. Das hat zur Folge, dass Dialoge oft mit Blick auf eine einzige Person verfolgt werden, während die andere aus dem Off spricht. Mungiu verwirklichte auch seinen Spleen, die Sprache fern von antrainierter Mikrofondeutlichkeit aufzunehmen. Und dann ist da noch die Farbe, die in ihrer Blässe die Bedrückung der Charaktere pointiert. In den Außenaufnahmen sind Schneereste zu sehen – Symbole von Kälte und Auszehrung.

    Kontrovers bis über die Schmerzgrenze hinaus variiert die Handlung die Zerstörung von Leben, vom abgetriebenen Fötus bis zu den Blessuren auf den Seelen der jungen Frauen. Ihre gesellschaftliche Initiation kostet einen entwürdigend hohen Preis. Kein Film für schwache Nerven, doch ein Kunstwerk, das in seiner Schonungslosigkeit sozusagen Realität komprimiert.

    Fazit: Kompromisslos authentisch: Eine illegale Abtreibung konfrontiert zwei junge Frauen mit dem Überlebenskampf im rumänischen Ceausescu-Regime.
  • Die Geschichte einer illegalen Abtreibung im kommunistischen Rumänien geht in ihrer schmerzhaften Intensität unter die Haut und ist ein würdiger Gewinner der Goldenen Palme.

    Kein Hauch von Hoffnung liegt über dem grauen Rumänien kurz vor dem Sturz des Diktators Ceausescu. Frauen sind Gebärmaschinen, sollen für Bevölkerungszuwachs sorgen. Ihr Bauch gehört dem Regime, Abtreibungen stehen unter strenger Strafe. Dagegen lehnt sich die Studentin Gabita auf. Unterstützt von ihrer pragmatischen Freundin und Zimmergenossin Otilia (einfach großartig: Anamaria Marinca aus der britischen TV-Serie “Sex Traffic”), die das notwendige Geld und den rüden Engelmacher besorgt, begibt sie sich auf die Suche nach Hilfe in der prekären Situation. Im Hotel werden sie abgewiesen, der Mann, der die illegale Abtreibung durchführt, demütigt die Mädchen. Als er merkt, dass Gabitas Schwangerschaft über den vierten Monat hinaus ist, verlangt er nicht nur eiskalt mehr Geld, sondern auch Sex, bevor er sich routiniert an sein lukratives Geschäft macht. Die Kamera richtet sich während der Abtreibung auf den über die Leinwand dahingestreckten Körper der jungen Frau, die mit angewinkelten Knien die Prozedur fast lautlos erträgt – wie ein Opferlamm. Nach getaner “Arbeit” gibt es lapidare Ratschläge, welche Komplikationen eintreten können und was zu tun ist, wenn der Fötus sich ablöst. Die Hilflosen bleiben ihrem weiteren Schicksal überlassen.

    Cristian Mungiu inszeniert das Drama schnörkellos und in großer Unerbittlichkeit. Kein tröstlicher Moment, nirgends. Jede Szene ist in langen Einstellungen gedreht, die oft statische Kamera registriert minutiös das Schreckliche, verzichtet trotz Nacktheit auf spekulative und spektakuläre Aufnahmen, bleibt in jeder Situation den Protagonistinnen nahe, beobachtet sie und begegnet ihnen mir Respekt. Wenn Otilia im Kreise der bourgeoisen Familie ihres Freundes feiern muss, fokussiert sich der Blick auf einen verzweifelten Menschen, der seine kaum noch zu bändigenden Gefühle hinter einer Maske versteckt. Ein radikaler und elementarer Film über Vertrauen und Freundschaft, Verantwortung und Vergeblichkeit von Liebe. Die klar durchkomponierten Bilder (und auch die Dialoge) bohren sich hart und erbarmungslos ins Gedächtnis. Nicht nur dem Körper wurde Schaden zugefügt, auch der Seele. mk.

Darsteller und Crew

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