Vorstandsvorsitzender von ProSieben & Sat.1 beleidigt seine Zuschauer

Marek Bang  

Stefan Raab hat bei Pro7 eine Lücke hinterlassen, die bislang noch nicht richtig geschlossen werden konnte. Nachdem auch Joko und Klaas ihr Zirkuszelt für immer schlossen gingen dem Unterföhringer TV-Sender langsam aber sicher die Zugpferde verloren. TV-Koch Steffen Henssler hat zwar einen ganz passablen Einstieg als neuer Gladiator geliefert, dennoch bleiben die Quoten rückläufig und auch die Umsatz- und Gewinnprognosen mussten nach unten korrigiert werden. In dieser sicher schwierigen Situation hat sich der Vorstandsvorsitzende der ProSiebenSat.1 Media SE, Thomas Ebeling, nun zu einem Statement hinreißen lassen, das wohl kaum einem Zuschauer gefallen dürfte.

Die neusten Quartalszahlen der ProSiebenSat.1 Media SE treiben den Unternehmern nicht gerade Freudentränen in die Gesichter. Der prognostizierte Umsatz wurde nicht erreicht und auch die Aktie des DAX-Konzerns gab mächtig nach. Das Geschäft mit der Fernsehwerbung läuft nicht so, wie es sich Chef Thomas Ebeling vorgestellt hat und so musste er sich im in Gesprächen mit Analysten und Börsen-Experten einiges an Kritik gefallen lassen, wie die Kollegen von DWDL berichten. Ihnen liegt zudem das Gesprächsprotokoll der Konferenz vor und das hat es durchaus in sich. So betonte der Vorstandsvorsitzende, das klassische TV-Programm sei noch immer das Kerngeschäft der ProSiebenSat.1 Media SE. Daran ist an sich nichts auszusetzen, doch die Beschreibung seiner Zielgruppe lässt uns aufhorchen. So hat Thomas Ebeling in dem Telefonat mit Analysten des Bankhauses BNP Paribas das Publikum von Sat.1 und Pro7 als tendenziell fettleibig und finanziell schlecht ausgestattet abgekanzelt.

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Thomas Ebeling redet sich um Kopf und Kragen

Dass Thomas Ebeling sein Kerngeschäft nicht aus den Augen verlieren möchte ist nachvollziehbar. Dass Pro7 und Sat.1 mit der Konkurrenz durch Netflix und Co. zu kämpfen haben ist natürlich auch nicht von der Hand zu weisen. Doch genau hier muss die Abgrenzung stattfinden. Viele Menschen schauen immer noch regelmäßig Fernsehen und nutzen das Angebot von Streamingdienstanbietern nicht. Daher ist es wichtig, ihnen ein Programm anzubieten, das qualitativ hochwertig ist und bleibt. Mit den Neueinkäufen verschiedener US-Serien wie etwa „This Is Us“ ist dies offensichtlich nicht gelungen. Den schwarzen Peter schob Thomas Ebeling dennoch seinen Zuschauern zu, in dem er sagte, viele Netflix-Inhalte seien zu anspruchsvoll und die Kernzielgruppe seiner TV-Sender seien eher zu Übergewicht neigende Menschen mit wenig Geld im Portemonnaie und einer Vorliebe dafür, sich auf der heimischen Couch herumzuwälzen und sich dabei genüsslich zurückzulehnen.

Wir denken nicht, dass der geneigte Konsument von Thomas Ebelings Programmangebot gerne hören wird, wir er oder sie vom Vorstandsvorsitzenden beschrieben wird. Die Verantwortlichen von Pro7 reagierten schnell und ließen verlauten, die Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen und wären lediglich als ironische Überspitzung gemeint gewesen. Ob das jetzt noch etwas hilft, ist allerdings fraglich.