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Yasujiro Ozu


Er gilt als der „japanischste“ Regisseur seiner Heimat und bildet mit Akira Kurosawa und Kenji Mizoguchi das Dreigestirn im Olymp der japanischen Filmgeschichte. Yasujiro Ozu (1903-1963) wurde berühmt durch seine liebevollen Analysen der japanischen Mittelschicht. Die Feinfühligkeit seiner Filme ist in jedem Moment spürbar: Ohne Hektik, beinahe schwerelos geht Ozu Familien, Geschwistern, Ehepaaren und Kindern mehrerer...

Bekannt aus:
    • Geboren: 12.12.1903 in Tokio  Japan
    • Gestorben: 12.12.1963
    • Berufe: Regisseur, Drehbuchautor

    Leben & Werk

    Er gilt als der „japanischste“ Regisseur seiner Heimat und bildet mit Akira Kurosawa und Kenji Mizoguchi das Dreigestirn im Olymp der japanischen Filmgeschichte. Yasujiro Ozu (1903-1963) wurde berühmt durch seine liebevollen Analysen der japanischen Mittelschicht. Die Feinfühligkeit seiner Filme ist in jedem Moment spürbar: Ohne Hektik, beinahe schwerelos geht Ozu Familien, Geschwistern, Ehepaaren und Kindern mehrerer Generationen nach. Kaum jemand hat so sensibel wie er die Beziehungen zwischen Vätern und Töchtern ausgelotet. Dabei reduziert Ozu die meist undramatischen Handlungen auf einen Kern, der ihn als Meister seelischer Schattierungen ausweist. In formaler Hinsicht Perfektionist, verfolgte Ozu in bewusst langsamem Tempo und in Bildern vollkommener Harmonie den Alltag, die Rituale und die Probleme der Angestellten-, Kleinbürger- und Mittelschicht Japans.

    Ozus Erzählungen leben von einem geduldigen Blick, von großer Einfachheit und sanfter, zärtlicher Melancholie im positiven Sinn des Wortes. Die Kamera verharrt in langen ungeschnittenen Einstellungen meist in Bodenhöhe (Augenhöhe der sitzenden Personen) und erweist sich als neutraler Beobachter. Ein Kameramann Ozus musste wegen der dadurch bedingten liegenden Tätigkeit wegen Magenerkrankungen den Beruf aufgeben. Die Arbeitsmethode Ozus, der zeitlebens für die Shochiku-Produktionsgesellschaft in Tokio drehte, bestand darin, mit seinem bevorzugten Autor Kogo Nada die ganze Nacht bei Sake zusammenzusitzen und zu diskutieren.

    Bis zu ihrem Tod lebte der Junggeselle Ozu mit seiner Mutter zusammen und starb ein Jahr später. Von seinen 54 Spielfilmen seit 1927 sind 36 erhalten, der Rest gilt als verschollen. In 51 seiner Filme spielte in Haupt- oder Nebenrollen der Schauspieler Chishu Ryu mit, der in seiner hageren Gelassenheit das Prinzip der Ruhe und Einsicht verkörperte, ob als Vater, Fischer oder Bauer. In sechs Filmen verkörperte die für eine Japanerin hochgewachsene Schauspielerin Setsuko Hara jene Töchter, die mit ihren Vätern (darunter Ryu) durch unsichtbare Bande verbunden bleiben und sich auch für sie opfern (so in „Später Frühling“, 1948).

    Ozus Werk wurde im Westen relativ spät durch Festivals (Locarno, Berlin 2003) und das Fernsehen bekannt. Filme wie „Spätherbst“, „Der Herbst der Familie Kohayagawa“ oder „Abschied in der Dämmerung“ sind Meisterwerke der Filmgeschichte und Musterbeispiele kontemplativen Erzählens. Als Ozus Hauptwerk gilt „Die Reise nach Tokio“ (1953), in dem ein älteres Ehepaar (wieder Ryu als Vater) Kinder (Setsuko Hara als Tochter) und Enkel in Tokio besucht. Wim Wenders bewunderte Ozus Gelassenheit und widmete ihm 1985 mit „Tokyo-Ga“ eine filmische Hommage. István Szabó („Mephisto“) über Ozu: „Als ich in Japan war, hat mir jemand Ozus Grab gezeigt. Auf dem Grab ein Granitblock mit einem einzigen Zeichen. Was bedeutet es, habe ich gefragt. „Nichts“, es bedeutet nur „nichts“. Er liegt auf dem Friedhof, wie er lebte, wie er Regie führte, bescheiden.“

    Filme und Serien