Ingmar Bergman, einer der größten Filmemacher aller Zeiten, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Das meldete die schwedische Nachrichtenagentur TT. Seine berühmtesten Werke sind „Das siebente Siegel“, „Wilde Erdbeeren „, „Persona“, „Szenen einer Ehe“ und „Das Schweigen „. Letzterer geriet 1964 bei seiner deutschen Kinoauswertung zum vieldiskutierten Skandalfilm.

Er revolutionierte das Kino: Ingmar Bergman Bild: Arthaus

Der 1918 in Uppsala geborene Ingmar Bergman gilt als pessimistischer Regisseur, dessen verzweifelte Sicht von sexuellen Beziehungen und scheiternden Paaren ein eigenes, unverwechselbares Universum schafft, das von einer glasklaren Bildsprache mit von der Traumanalyse Sigmund Freuds beeinflussten Symbolen getragen wird: Als Frauenregisseur, der mit Schauspielerinnen wie Bibi und Harriet Andersson, Ingrid Thulin, Gunnel Lindblom, Eva Dahlbeck, Liv Ullmann und Lena Olin Filme inszenierte, führte Bergman sie an die Grenzen psychischer Belastbarkeit („Von Angesicht zu Angesicht„, „Persona„).

Seine Darsteller wie Max von Sydow, Gunnar Björnstrand und Erland Josephson spielten häufig neurotische, depressive Asketen oder unversöhnlich harte Charaktere. Bergman sucht das Gespräch mit Gott („Licht im Winter„), zeigt eine Welt ohne Sinn („Das Schweigen„) und thematisiert eine Philosophie der Hoffnungslosigkeit.

Vom Theater zum Film

Zu seinem imposanten Gesamtwerk zählen Filme wie „Abend der Gaukler„, in dem Zirkusartisten als Metapher für Künstler überhaupt stehen, „Das siebente Siegel„, in dem ein Ritter im Mittelalter zur Zeit der Pestepidemien mit dem leibhaftig auftretenden Tod Schach spielt, „Wilde Erdbeeren„, eine Reise in die Vergangenheit eines alten Mannes, oder „Die Stunde des Wolfs„, in dem Künstler generell als visionäre Außenseiter geschildert werden. Neben diesen düsteren Arbeiten finden sich im Werk Bergmans Komödien, deren frecher und lockerer Ton überrascht, so „Das Lächeln einer Sommernacht“ oder „Die Zeit mit Monika“ sowie sein großes Altersepos „Fanny und Alexander„, das in epischer Form Bergmans Kosmos bündelt.

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Bergman blieb zeit seines Lebens von der Erziehung als Sohn eines lutherischen Pastors beeinflusst. Er begann mit Bühnenstücken und fand über das Theater, wo er schon einen gefestigten Ruf hatte, früh zum Film, wo er 1945 debütierte, auch als Folge der Bemühungen der schwedischen Filmindustrie, junge Talente zu fördern. Bergman war mehrfach mit den Darstellerinnen seiner Filme liiert, was sich in den Werken niederschlug. Vor allem seine Zeit mit Liv Ullman in den 60er und 70er Jahren gilt als seine reifste Periode.

1976 wurde Bergman wegen angeblicher Steuerhinterziehung verhaftet und verließ Schweden, drehte in Deutschland „Das Schlangenei“ und inszenierte am Residenztheater in München. Nach Klärung der Steueraffäre kehrte er 1980 nach Schweden zurück, wo er nach dem weltweiten Triumph von „Fanny und Alexander“ nur noch für das Fernsehen drehte und am Theater arbeitete. Bergmans Werk wurde mit Preisen überhäuft. Sein Einfluss reicht bis in den Werkkanon von Regisseuren wie Woody Allen („Innenleben“, „Eine Sommernachts-Sexkomödie„). 1987 veröffentlichte er seine Autobiographie unter dem Titel „Laterna Magica“.

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