Will Quadflieg

Schauspieler
Will Quadflieg Poster

Leben & Werk

Deutscher Schauspieler. Einer der Könige des deutschen Theaters, dessen Markenzeichen seine fehlerlose Artikulation und wohlklingende wie markante Stimme war. Will Quadflieg (1914-2003) war als jugendlicher Liebhaber ein umjubelter Filmstar der Nazi-Zeit. In den 50er-Jahren zog er sich nach Kritik am deutschen Film („Ich bin nicht bereit, weiterhin Zeit und Kraft für Filmprojekte zu opfern, die den Stempel des Klischees tragen.“) zurück, war aber noch als Franz Liszt in Max Ophüls‘ Cinemascope-Meisterwerk „Lola Montez“ (1955) zu sehen. Er spielte nur noch Theater und setzte mit der Darstellung des „Faust“ in der Gustav-Gründgens-Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg Maßstäbe. Der Generationen vor Schülern gezeigte „Faust“-Film von 1960 ist eine Abfilmung der berühmten Aufführung. Der „Theatergeschichte auf zwei Beinen“ (Jürgen Flimm) genannte Quadflieg machte sich als Rezitator von Weltliteratur („Der kleine Prinz“) einen Namen und liebte Lesungen, auf denen keinerlei Kostüm vom Text ablenkt. 1999 nahm er seinen Bühnenabschied. Er war gelegentlich im Fernsehen zu sehen, so in Dieter Wedels erfolgreichen Vierteiler „Der große Bellheim“ (1993).

Will Quadflieg wurde 1914 in Oberhausen geboren, nahm Schauspielunterricht in Mülheim und debütierte 1933 an den Städtischen Bühnen Oberhausen. Seine Theaterlaufbahn führte ihn von Gießen, Gera, Düsseldorf und Heidelberg nach Berlin an die Volksbühne und 1940 zu Heinrich George ans Schiller-Theater. Nach 1945 arbeitete er in Lübeck, dann am Hamburger Schauspielhaus, wo seine Zusammenarbeit mit Gründgens (Mephisto im „Faust“) prägend wurde. Quadflieg war modernen Inszenierungen gegenüber skeptisch, bezeichnete als den für ihn wichtigsten Regisseur Ernst Nolte: „Wo ich schön sprechen wollte, lehrte er mich, wahr zu sprechen.“ Quadflieg unterbrach die Arbeit in Hamburg nur für Tourneen und den „Jedermann“ auf den Salzburger Festspielen.

Als Filmschauspieler debütierte Will Quadflieg in der Satire „Der Maulkorb“ (1937) und spielte politische Idealisten in Propaganda-Filmen wie „Mein Leben für Irland“ (1940), „GPU“ (1941) und als glutäugiger Liebhaber in Melodramen wie „Das Herz der Königin“ (1942, mit Zarah Leander als Maria Stuart) und als eleganter Geiger in Komödien wie „Kora Terry“ (1940, mit Marika Rökk in der Doppelrolle). Nach dem Krieg noch einmal als Arzt in „Moselfahrt aus Liebeskummer“ (1953) und in „San Salvatore“ (1955) zu sehen, zog sich Quadflieg für ein Vierteljahrhundert zurück. Erst 1985 kehrte er in der Verfilmung von Bernward Vespers „Die Reise“ als NS-Dichter, der seinen Sohn an der Pferdeleine dressiert, zurück. Quadflieg sah den Film als Selbstreflexion über seine eigene Rolle als protegierter Künstler im Dritten Reich, bezeichnete sich selbstkritisch als „unpolitischen, beschissenen Mitläufer“.

Will Quadflieg wurde mit sechs Sprachpreisen geehrt, mit dem Lew-Kopelew-Friedenspreis (1999) und 1995 mit dem Bambi für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Das große Bundesverdienstkreuz gab er 1995 zurück. Er veröffentlichte zwei Memoirenbände: „Will Quadflieg“ (1957) und „Wir spielen immer“ (1976). Er schloss sich der Friedensbewegung an und war passionierter Tierschützer.

Will Quadflieg war in zweiter Ehe mit Schauspielerin Margaret Jacobs-Quadflieg verheiratet, ist Vater des Schauspielers Christian Quadflieg (geb. 1944).

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