Das Erste: "Die Frau vom Checkpoint Charlie"

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Genau 19 Jahre ist es her, dass Jutta Gallus und ihre Töchter sich nach sechs Jahren Trennung und unendlichen Kämpfen wieder in die Arme schließen konnten – ein bewegender Moment und das glückliche Ende eines dramatischen Kapitels der deutschen Teilung.  Nun strahlt Das Erste den Zweiteiler „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ mit Veronica Ferres in der Hauptrolle als Sara Bender (Rolle angelegt an Jutta Gallus) am 30. September (Teil 1) und 1. Oktober 2007 (Teil 2) um 20.15 Uhr aus. Im Anschluss an Teil 2 um 21.45 Uhr gibt es noch eine Dokumentation über Jutta Gallus. Zum ersten Mal berichten sie und ihre Töchter Beate und Claudia darin über die gescheiterte Flucht, ihre Odyssee durch Heime und Gefängnisse, und über ihren Kampf für eine gemeinsame Zukunft – ergänzt durch Bilder von den Originalschauplätzen, Interviews mit Angehörigen, Wegbegleitern und dem DDR-Anwalt Wolfgang Vogel.  Schon zwei Tage vorher, am 28. September 2007, wird der komplette Film und die Dokumentation ab 20.40 Uhr auf dem Sender Arte ausgestrahlt.  Die Story

Frühjahr 1982. Sara Bender (Veronica Ferres) lebt mit ihren Töchtern Silvia, 11, (Maria Ehrich) und Bine, 9, (Elisa Schlott) in Erfurt. Als sich Sara entschließt, ihren langjährigen Freund Peter Koch (Peter Kremer) zu heiraten, hat sie nur einen Wunsch: Sie möchte, dass ihr Vater Johannes aus dem Westen zur Trauung anreist. Auf der Fahrt in die DDR verunglückt Johannes schwer und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Die Hochzeit wird vorerst abgesagt und Sara versucht mit allen Mitteln, eine Reisegenehmigung zu bekommen, um ihren Vater am Krankenbett zu besuchen. Doch die DDR-Behörden verweigern ihr das Visum – denn sie wird seit längerem als potenzielle Staatsfeindin in den Akten der Stasi geführt. Zu oft hat Sara offen ihre Meinung über das sozialistische System der DDR geäußert und damit für Unruhe gesorgt.Als Saras Vater kurze Zeit darauf stirbt, ist Sara untröstlich und ihre Abneigung gegenüber einem weiteren Leben in der DDR wird immer größer. Nach und nach reift in ihr der Wunsch, die DDR zu verlassen. Sie überredet Peter schließlich, gemeinsam mit ihr einen Ausreiseantrag zu stellen. Doch dieser wird abgelehnt, zudem müssen Sara und ihre Töchter unter Maßnahmen leiden, die der Staat gegen sie ergreift: Sara verliert ihre bisherige Position am Arbeitsplatz und ihre Kinder werden in der Schule schikaniert. Dies ist für Sara ein weiterer Grund, der DDR – auf welchem Wege auch immer – den Rücken zu kehren. Doch Peter ist nicht bereit, diesen Schritt mit ihr zu gehen. Und so wird Sara vor eine schwere Entscheidung gestellt: Ein Leben mit Peter oder ein Leben in Freiheit. Sie geht zur Botschaft und gibt sich als Westdeutsche aus. Tatsächlich erhalten die drei Flüchtlinge Ersatzpapiere. Während sie sich fast schon in Sicherheit glauben und auf den Weg zum Bahnhof machen, um den Zug in den Westen zu nehmen, werden sie kurzerhand verhaftet. Sara wird von ihren Kindern getrennt, die direkt in ein Kinderheim gebracht werden, während sie selbst in Untersuchungshaft kommt. Dort wird Sara immer wieder hart vernommen und ihr wird klar, dass sie seit langer Zeit bespitzelt worden sein muss. Als ihr schließlich bewusst wird, wer der Verräter sein muss, kann sie es kaum glauben. Sara wird wegen Republikflucht zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt und kommt in das Gefängnis nach Hoheneck – ohne zu wissen, was mit ihren Kindern geschieht und ob sie diese jemals wieder sehen wird.

Fazit 

Der Film basiert auf einer wahren Geschichte. Wenn dies der Fall ist, fragt man sich zwangsläufig: Ist das tatsächlich alles genau so passiert? Die beiden Männer an Saras Seite, Peter und Richard, hat es so nicht gegeben. Aber auch in der Wirklichkeit wurden Jutta Gallus’ Fluchtpläne verraten. Nicht alles, was in „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ erzählt wird, ist tatsächlich so passiert. Während einer derartigen Drehbucharbeit vermischen sich Tatsachen und Erfindung. Doch trotzdem ist die wahre Geschichte mindestens genauso dramatisch verlaufen wie die Filmgeschichte. Der Kampf, den Jutta Gallus meisterte, um – nach sechs Jahren – endlich wieder mit ihren Kindern vereint zu sein. Es ist nur ansatzweise vorstellbar, welche Qualen die Frau durchstehen musste. Jutta Gallus sorgte in den 80er Jahren für internationales Aufsehen in den Medien als „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ und wurde zum Symbol für das Unrecht in der DDR. Monatelang demonstrierte Jutta Gallus am Berliner Grenzpunkt Checkpoint Charlie, kettete sich während der KSZE in Helsinki vor dem Konferenzgebäude an und störte die Kanzlerrede zur Gedenkfeier des Berliner Mauerbaus.Veronica Ferres war wohl noch nie so eindrucksvoll wie in diesem bewegenden TV-Zweiteiler. „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ war auch zugleich ein Jubiläum für die Schauspielerin: es ist ihr 50. Film.

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