Vadim Glowna

Schauspieler • Producer • Regisseur • Drehbuchautor
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Leben & Werk

Unverwechselbar die kehlige Stimme, mit der er wie kein anderer das kaputte Lebensgefühl seiner Antihelden zum Ausdruck brachte. Wenn Vadim Glowna säuseltw, röchelte, flüsterte oder mit erstickenden Worten nach Atem zu ringen schien, zog er alle in seinen Bann. Spezialist für gebrochene Charaktere, die im Lebenskampf am Abgrund stehen, die mit skeptischer Weltsicht die Zeitläufe durchwandern und lakonisch auf Schicksalsschläge reagieren, spielte Glowna nach eigener Aussage diese unangepassten Außenseiter, die aus eigenem Willen außen stehen, gern: „Sie verkörpern einen Rest von Freiheit.“ Das ging bis in die Rollen zerbrochener oder ambivalenter Väter, die ihren Kindern keine Chance lassen. Einer der Anti-Väter wird in „Agnes und seine Brüder“ vom Sohn (Moritz Bleibtreu) erschossen. Der Film gehörte zu vier Arbeiten unter der Regie von Oskar Roehler. Der von Hannelore Elsner geschiedene Bruno, der noch ein Mal eine Nacht mit ihr verbringt (Roehlers „Die Unberührbare„), brachte ihm 2000 den Preis der Deutschen Filmkritik als Bester Hauptdarsteller ein.

Vadim Glowna wurde 1941 in Eutin geboren, flog aus der Schule, brach sein Theologiestudium ab, jobbte als Seemann, Taxifahrer, Hotelboy und Schlagzeuger, tauchte in Paris mit einem Clochard in die Welt der Kunst und des Theaters ein und wurde nach drei Monaten Ausbildung von Gustav Gründgens ins Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg übernommen. Schnell fiel er dem Fernsehen auf, wo er unter Peter Lilienthal und Peter Zadek drehte und in Helga Feddersens „Gezeiten“ bekannt wurde. Ein Ausflug in die Wallace-Welt in „Die Tote aus der Themse“ blieb Ausnahme. Dafür spielte Glowna seit „Liebe und so weiter“ 1968 Rebellen und Außenseiter für den Neuen Deutschen Film („Der Hauptdarsteller“, „Der Schneider von Ulm„). 30 Jahre später stand er als BKA-Chef dem Terroristen „Baader“ gegenüber.

International gehörte Glowna zu den Wehrmachtsoldaten in Sam Peckinpahs „Steiner“, war TV-Produzent in Bertrand Taverniers „Death Watch“ und der titelgebende Komponist in der Schweizer Produktion „Mein Name ist Bach“ (2002). Im Fernsehen konnte Glowna seine Vielseitigkeit vom Bauern in „Die Reise nach Tilsit“ über den Schriftsteller „Blaubart“ bis zum Vater, der seinen Sohn in „Schwabenkinder“ verkauft, unter Beweis stellen. Auf der Bühne trat er in München, Berlin und Bremen auf, inszenierte selbst.

Glowna, der knapp 120 Rollen gespielt hat, war als Regisseur und Produzent tätig und wurde für seine Hamburger Großstadtballade „Desperado City“ 1981 in Cannes mit der Camèra d’Or für das Beste Erstlingswerk ausgezeichnet. Er adaptierte eine Südseegeschichte von Joseph Conrad („Des Teufels Paradies“, 1987) und folgte den Spuren der Schauspielerfamilie Tschechowa in „Tschechow in meinem Leben“ (1984).

Vadim Glowna war über zwanzig Jahre mit der Schauspielerin Vera Tschechowa verheiratet. Am 24. Januar 2012 starb der Schauspieler nach kurzer, schwerer Krankheit in Berlin.

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