Tran Anh Hung

Regisseur • Drehbuchautor
Tran Anh Hung Poster

Leben & Werk

Seine Filme strahlen reine Kinopoesie aus und machten den 1962 in Vietnam geborenen Tran Anh Hung in den 90er Jahren zu einem der wichtigen Autorenfilmer Südostasiens. Mit 12 Jahren ging er mit seinen Eltern nach Frankreich, studierte in Paris Film, drehte zwei Kurzfilme und wurde 1993 schlagartig mit „Der Duft der grünen Papaya“ bekannt, der in Cannes die Caméra d’Or für das beste Erstlingswerk erhielt. „Papaya“ spielt im Saigon des Jahres 1951, wurde aber ausschließlich in einem französischen Studio mit französischem Geld gedreht, und schildert über zehn Jahre, wie ein Mädchen vom Land seinen Dienst bei einer Kaufmannsfamilie versieht. Als die Familie verarmt, wird das Mädchen an den Haushalt eines Komponisten vermittelt, wo sie den Hausherrn heiratet und einen gesellschaftlichen Aufstieg erlebt. Der ruhige, seine Bilder und Töne von Früchten, Speisen und Mahlzeiten zelebrierende Film steht im Kontrast zum lauten, auf den Straßen von Ho-Chi-Minh-Stadt (dem ehemaligen Saigon) 1995 teils mit versteckter Kamera aufgenommenen „Cyclo„, in dem ein Rikschafahrer, dem sein Gefährt gestohlen wurde, für eine Mafia-Organisation Verbrechen begehen muss. Der wegen seiner schonungslosen Bilder aus der vibrierenden und anarchischen Metropole in Vietnam verbotene Film erhielt in Venedig 1995 den „Goldenen Löwen“ und weitere Auszeichnungen. Tran Anh Hung kehrte nach Frankreich zurück und realisierte in französischen Studios und in Hanoi mit „A la verticale de l’été“ (Sommersonnenwende) wieder einen Hymnus in Langsamkeit und Poesie, der die einlullende Atmosphäre von „Papaya“ aufnimmt. In einer an Tschechow erinnernden Erzählung dreier Schwestern im heutigen Hanoi entsteht das Bild einer Welt, die Harmonie sucht und die die Kunst der gemeinsamen Unterhaltung zelebriert. Alle Filme Tran Anh Hungs sind vietnamesische Heraufbeschwörungen verlorener Zeiten im Stil von Proust, sind gebunden an Kindheits- und Jugenderinnerungen des Regisseurs, der mit Tran Nu Yen Khe, der Hauptdarstellerin von „Papaya“, die in allen seinen Filmen spielte, verheiratet ist.

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