Leben & Werk

Französischer Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller. Mit sechs im Zeitraum von 20 Jahren entstandenen Filmen wie „Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss“, „Das Glück liegt in der Wiese“ und „Tanguy - Der Nesthocker“ hat sich Étienne Chatiliez mit einer spezifischen Form des Humors, der an das Understatement britischer Filme erinnert, einen Ruf als Autor satirischer Komödien gesichert. „Das Lachen dient als Mittel, die Fehler unserer Zivilisation unter die Lupe zu nehmen. Humor ist eine Form von Anästhesie, unter der man eigentlich inakzeptable Dinge akzeptiert und gleichzeitig auch eine Waffe, spießige Scheinheiligkeit als solche zu entlarven. Alle Komödien sind Dramen“, sagt Chatiliez. In der Komödie „Agathe Cléry“ (2008) verwandelt sich Valérie Lemercier als rassistische Marketingchefin eines Kosmetikkonzerns, die eine Crème speziell für weiße Haut propagiert, mittels einer Hautcrème in eine afroamerikanische Frau und erlebt, wie ihr die eigenen Vorurteile entgegenschlagen.

Étienne Chatiliez wurde 1952 in Roubaix, Région Nord, geboren. Nach dem Abitur arbeitete er ein Jahr als Redakteur beim Radiosender Europe 1 und zehn Jahre als Konzept-Redakteur bei der Werbeagentur CLM & BBDO. Seit 1980 Werbefilmregisseur, zeichnete er für Spots der Marken Stella Artois, Diego, BVP, Merinos, Brother, Newman, Free Time und Eram verantwortlich, die ihm zahlreiche Preise einbrachten.

Mit seinem Debütfilm „Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss“ gelang Chatiliez 1988 ein Überraschungserfolg. Die Komödie um vertauschte Babys und die sich kreuzenden Welten einer bürgerlichen und einer kinderreichen proletarischen Familie, wurde ohne Starnamen der erfolgreichste Film des Jahres und sorgte auch in Deutschland für volle Kassen. Der Film gewann vier Césars. Hauptdarsteller Benoit Magime, damals noch ein Kind, wurde Star des französischen Kinos. Der bitterbösen Komödie „Tante Danielle“ (1990), über eine boshafte alte Frau (Tsilla Chelton), blieb der Erfolg versagt, und so meldete sich Chatiliez erst 1995 mit „Das Glück liegt in der Wiese“ zurück. Ein gestresster Klodeckel-Unternehmer schlüpft in die Haut eines Anderen und findet in der Provinz sein persönliches Glück. Hochkarätig mit Michel Serrault, Sänger Eddy Mitchell, Sabine Azéma, Carmen Maura und Fußballspieler Eric Cantona besetzt, verfeinerte Chatiliez seinen Stil und mischte gekonnt derbe Späße, Saftigkeit, Esprit und stille Szenen.

Wieder vergingen fünf Jahre bis Chatiliez, nach dem Intermezzo mit einer Episode für den Anti-Drogenfilm „Scénario sur la drogue“ (2000), eine neue Komödie vorlegte, die den Zeitgeist traf. In „Tanguy - Der Nesthocker“ (2001) erklären Sabine Azéma und André Dussolier ihrem Filius den Krieg, weil der 28-Jährige (Eric Berger) das bequeme Leben im Hotel Mama nicht aufgeben will. Das wahnwitzige Familienduell wurde zum Publikums- und Kritikererfolg. In der ungewöhnlichen Liebesgeschichte „La confiance règne“ (2004) können Cécile de France und Vincent Lindon, sie untreu, er ein Idiot, nicht ohne einander leben und schlagen sich als Diener und Hausangestellte durch.

Chatiliez wirkte als Schauspieler in Frédéric Comtets „Doggy Bag“ (1998) mit. Für „Agathe Cléry“ schrieb er das Chanson „A part ca, elle n’est pas raciste“.

Étienne Chatiliez war für „Das Leben…“ und „Das Glück…“ 1988 und 1996 für den César als Bester Regisseur nominiert.

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