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Bekannte Stimme, mieser Job?

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Thomas Gottschalk Poster
© Tobis

Professionelle Synchronschauspieler ärgern sich darüber, dass branchenfremde „Promis“ für akustische Stippvisiten in Animationsfilmen fürstlich honoriert werden.

Ähnliche Frisuren: "Tokio Hotel"-Frontmann Bill Kaulitz war in der deutschen Fassung des Trickfilms "Arthur und die Minimoys" zu hören © Tobis

Der Einfall war ebenso schlicht wie genial: Irgendwann kam ein großes Hollywood-Studio auf die Idee, Zeichentrickfiguren bekannten Schauspielern nachzuempfinden, und natürlich haben die Stars den animierten Alter Egos anschließend auch ihre Stimme geliehen. Konsequenterweise wurden die Filme bei der deutschen Synchronisation von den üblichen Sprechern gesprochen. Damit verpuffte aber natürlich der Promifaktor.

Also hatten die deutschen Verleihfirmen eine andere Idee: Sie verpflichteten deutsche Stars. Es lässt sich zwar nicht nachweisen, ob die Filme an den hiesigen Kinokassen dadurch auch nur einen Euro mehr eingespielt haben, aber der PR-Effekt ist sicher nicht zu verachten, wenn auf dem Filmplakat mit Anke Engelke oder Erkan & Stefan (alle „Findet Nemo„), Hape Kerkeling („Kung Fu Panda„), Thomas Gottschalk („Garfield„), Michael Bully Herbig („Robots„), Otto WaalkesMulan„, „Ice Age„) sowie aktuell mit Michael Mittermeier („Hexe Lilli„) oder Oliver Kalkofe und Diana Amft („Monsters vs. Aliens„) geworben werden kann.

Anke Engelke übernahm nach dem Tod von Elisabeth Volkmann die Synchronisation von "Simpsons"-Mama Marge © Fox

Zugpferd Promi

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Diese Menschen haben drei Dinge gemeinsam: Sie sind überaus populär, sie haben markante Stimmen und sie besitzen schauspielerische Erfahrung. Ihre Verpflichtung lässt sich also auch in künstlerischer Hinsicht vertreten. Und selbst wenn Schauspielerinnen wie Bettina Zimmermann („Cars„, „Kung Fu Panda“) oder Cosma Shiva Hagen („Mulan“, „Kung Fu Panda“) vielleicht auch keine zusätzlichen Zuschauer in die Kinos locken, so werden sie als Gäste von TV-Talkshows immerhin kräftig für die Filme werben.

Deshalb kann zum Beispiel Nicolas Böll, Sprecher des Interessenverbands der Synchronschauspieler (IVS) und deutsche Stimme unter anderem von Emilio Estevez, damit leben, wenn er neben solchen Quereinsteigern arbeitet, „weil das Synchronisieren eine Sparte des Schauspielberufs ist: Die einen stehen auf der Bühne, die anderen vor der Kamera, die Dritten im Synchronstudio.“

Mieser Job von Laien

Im englischen Original spricht Jack Black den pummeligen Bär - auf deutsch ist Hape Kerkeling der "Kung Fu Panda" © Universal

Die Besetzungsideen stammten in solchen Fällen fast immer vom Filmverleih, erläutert Marion Noack, Geschäftsführerin von Studio Hamburg Synchron. Ihre Firma hat mit Nena und Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz „Arthur und die Minimoys“ synchronisiert, und da „das Geld vom Auftraggeber kommt, ist es für das Synchronstudio keine uninteressante Aufgabe, denn der Umsatz ist ja nicht zu verachten“.

Das Engagement blutiger Laien aber gefällt Böll und seinen Mitstreitern vom IVS allerdings gar nicht: „Die machen ihren Job einfach nicht gut.“ Auch diese Liste enthält viel Prominenz: Exrennfahrer wie Michael Schumacher, Mika Häkkinen und Niki Lauda (alle „Cars“), Boris Becker und Verona Pooth (beide „Himmel und Huhn„), der Komiker Mario Barth (ebenfalls „Cars“) oder die Musiker der Sprechgesang-Kombo Die Fantastischen Vier („Madagascar„).

Kurze Karriere als Synchronsprecher: Disney engagierte den Ex-Tennischamp Boris Becker für "Himmel und Huhn" © Buena Vista

Stilles Leid

In der Regel handelt es sich bei diesen Besetzungen nur um Gastrollen mit Insidereffekt, und der eine oder andere Promi mag sich ja in der Tat als Glücksgriff erweisen. Aber den meisten, klagt Peter Reinhardt, Vorsitzender des IVS, sei die mangelnde Erfahrung anzuhören. „Man steht daneben und leidet still vor sich hin“, beschreibt er entsprechende Erfahrungen: „Professionelle Sprecher können das besser, schließlich ist das ihr Beruf.“ Marion Noack sieht das ähnlich: „Mitunter wäre es für den Hörgenuss in der Tat besser, wenn man die Aufgabe erprobten Sprechern überlassen würde, anstatt mit bekannten Namen Zuschauer ins Kino zu locken.“

Bei der Bezahlung hingegen scheiden sich die Geister. Die einen sind der Meinung, wenn jemand dazu beitrage, dass ein Film Erfolg habe, soll er auch seinen Anteil bekommen. Andere finden die Summen, um die es zum Teil geht, „obszön“. Kerkeling zum Beispiel hat für „Kung Fu Panda“ angeblich eine höhere fünfstellige Summe erhalten. Ein fürstliches Honorar, wenn man weiß, dass normalsterbliche Sprecher einen Bruchteil dieser Summe bekommen. Noack ist allerdings „noch nicht zu Ohren gekommen, dass sich Synchronsprecher darüber beschwert hätten. Diese Art von Filmen machen ja in der Menge der zu synchronisierenden Filme und Serien nur einen kleinen Anteil aus, sodass den Sprechern kein nennenswerter Verlust entsteht.“

In "Cars" lieh Rekord-Komiker Mario Barth einem Auto seine Stimme © Buena Vista

Würdigung? Fehlanzeige!

Eher ideell ist hingegen ein anderer Schmerz: Die prominenten Sprecher der Figuren aus „Kung Fu Panda“ werden im Abspann ausdrücklich gewürdigt, die professionellen Synchronschauspieler hingegen nicht mal erwähnt. Lapidare Begründung eines Mitarbeiters vom Filmverleih Universal Pictures International: „Die kennt sowieso keiner.“

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