Sydney Pollack

Sydney Pollack

Leben & Werk

Er war ein „actor’s director“, dessen Erfolge auf den außergewöhnlichen Leistungen seiner Schauspieler, einer Nase für publikumswirksame Stoffe und seiner versierten Hand bei der Inszenierung beruhten. Seine Travestie-Komödie „Tootsie“ mit Dustin Hoffman war jahrelang die erfolgreichste Komödie der Filmgeschichte, und sein Melodram „Jenseits von Afrika“, für das er Oscars als Regisseur und als Produzent erhielt, gehörte zu den Welterfolgen der 80er-Jahre.

Sydney Pollack, geboren 1934 als Sohn jüdisch-russischer Eltern, begann seine Karriere am Theater und beim Fernsehen, wo er in sechs Jahren über 80 Produktionen betreute, was ihm seine Spielfilmregie mit dem Thriller „Stimme am Telefon“ einbrachte. Auf Wunsch von Natalie Wood spielte der junge Schauspieler Robert Redford mit ihr in der Tennessee-Williams-Verfilmung „Dieses Mädchen ist für alle„, für Pollack der Beginn einer mehrmaligen fruchtbaren Zusammenarbeit. So trat Redford in dem Trapper-Western „Jeremiah Johnson“, in „Cherie Bitter“, einer Liebesgeschichte zwischen Intellektuellen (mit Barbra Streisand) in den USA der McCarthy-Zeit, dem spannenden Polit- und Paranoia-Thriller „Die drei Tage des Condor„, in dem Spätwestern „Der elektrische Reiter„, in „Jenseits von Afrika“ und in dem Kuba-Film „Havanna“ (mit Lena Olin), der als „Casablanca“-Remake kritisiert wurde, für Pollack vor die Kamera.

Pollack, der offene, mehrdeutige Schluss-Sequenzen bevorzugte, hatte häufig mit Eingriffen von Produzenten zu kämpfen, weshalb er seit dem Gangsterfilm „Yakuza“ (mit Robert Mitchum unter japanischen Mafiosi) alle wichtigen Filme selbst produzierte, was ihn mit „Tootsie“, „Jenseits von Afrika“ und der John-Grisham-Verfilmung „Die Firma“ (mit Tom Cruise) zu einem der reichsten Regisseur-Produzenten machte. Seinen Durchbruch hatte er mit „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss“ (1969), einem Drama aus der Depressionszeit um einen Marathon-Tanzwettbewerb, geschafft. Zu seinem Remake von „Sabrina“ (mit Julia Ormond in der Audrey-Hepburn-Rolle) gab Billy Wilder, Regisseur des Vorbilds, einen mehrdeutigen Kommentar ab.

Pollack spielte als Darsteller u. a. Dustin Hoffmans Manager im eigenen „Tootsie“, den ehebrecherischen Ehemann von Judy Davis in Woody Allens „Ehemänner und Ehefrauen“ und den einflussreichen New Yorker der besten Gesellschaft in Stanley Kubricks letztem Film „Eyes Wide Shut“. Als Produzent zeichnete er auch für eine Reihe zumeist anspruchsvoller Filme anderer Regisseure (mit-)verantwortlich, darunter Alan J. Pakulas Thriller „Aus Mangel an Beweisen„, Steve Kloves‘ „Die fabelhaften Baker Boys„, Ang Lees „Sinn und Sinnlichkeit“, Richard Eyres „Iris“, Tom Tykwers „Heaven“ und Anthony Minghellas „Unterwegs nach Cold Mountain„.

Nach mehr als fünfjähriger Pause meldete sich Pollack 2005 mit dem Thriller „Die Dolmetscherin“ als Regisseur zurück. Im gleichen Jahr setzte er sich in seiner letzten Regiearbeit mit dem Architekten Frank O. Gehry auseinander. Die Dokumentation „Sketches of Frank Gehry“ erschien – obwohl schon 2005 abgedreht – erst im Juli 2007 in den deutschen Kinos. In seinen letzten Schaffensjahren trat er vor allem als Produzent und Darsteller auf. So fungierte er als Produzent für Anthony Minghellas „Breaking and Entering“ und „The No 1 Ladies‘ Detective Agency“ und in Kenneth Lonergans Drama „Margaret“. 2007 wurde er für seine Koproduktion an „Michael Clayton“ für den Oscar nominiert. Pollack unterstützte auch George Clooney hinsichtlich der Produktionsfragen in dessen Regiearbeit „Ein verlockendes Spiel„. Als Schauspieler war das Mulitalent Pollack immer wieder in ausdrucksvollen kleinen Parts zu sehen, zuletzt in der Komödie „Verliebt in die Braut“, wo ihm seine Rolle als wohlhabender und heiratswütiger Vater sichtlichen Spaß bereitete.

Seit 1958 war Sydney Pollack mit Claire Griswold verheiratet, mit der er drei Kinder hatte. Im Alter von 73 Jahren starb Pollack, der an Krebs erkrankt war, am 26. Mai 2008 im kalifornischen Pacific Palisades.

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