Susanne Lothar

Susanne Lothar

Leben & Werk

Das Hauptgewicht ihrer Arbeit liegt auf der Bühne. Susanne Lothar hat im Lauf ihrer Theaterkarriere praktisch alle wichtigen Bühnenpreise gewonnen, spielte in klassischen Rollen und förderte junge Autoren. Im Film- und Fernsehbereich, wo sie regelmäßig in Haupt- und Nebenrollen zu sehen ist, trat sie stets hinter ihre Figuren zurück. Ihre Leistungen in „Eisenhans“ und „Funny Games“ gehören zu den Ereignissen der deutschen und österreichischen Filmgeschichte.

Susanne Lothar wurde 1960 in Hamburg als Tochter des Schauspielerehepaars Hanns Lothar und Ingrid Andree geboren, verließ mit 16 Jahren vor dem Abitur das Gymnasium und bestand, obwohl sie wegen der Eltern „hart rangenommen“ wurde, die Aufnahmeprüfung für die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Hamburg. Nach drei Semestern bereits bekam sie ein Engagement am dortigen Thalia Theater und debütierte erfolgreich als Hermine in Marieluise Fleißers „Pioniere in Ingolstadt“ und Recha in Lessings „Nathan der Weise“, was ihr 1981 den Boy-Gobert-Preis einbrachte. Seitdem spielte und gastierte Lothar auf Bühnen von Köln, Stuttgart, Wien und Berlin und feierte Triumphe: 1986 Josef-Kainz-Medaille, 1987 O. E.-Hasse-Preis. Ihr größter Erfolg wurde die Lulu in Frank Wedekinds „Die Büchse der Pandora“ in der Inszenierung von Peter Zadek, für die sie 1988 zur besten Schauspielerin des Jahres gewählt wurde. Die Maßstäbe, die Lothar als Lulu setzte, sind bislang nicht übertroffen worden (auch nicht 2006 von Jessica Schwarz).

Lothar spielte klassische Rollen wie in Franz Grillparzers „Die Jüdin von Toledo“ und moderne Stücke wie „Oleanna“ von David Mamet. Lothars Spiel ist häufig von einer erotischen Wildheit geprägt, die im raffinierten und raschen Wechsel von Verführen und Verweigern, Locken und Abstoßen aufregende Bühnenerlebnisse schafft, Szenen zwischen Schamlosigkeit, Besessenheit und burschikoser Nacktheit.

Im Spielfilm debütierte Susanne Lothar 1983 als missbrauchte debile Magd in Tankred Dorsts „Eisenhans“ und gewann auf Anhieb den Bundesfilmpreis als beste Darstellerin. In den 1980er-Jahren war sie selten, seit den 1990er-Jahren häufiger in Filmen zu sehen, so im Alpendrama „Der Berg“, im Road Movie „Winckelmanns Reisen“ oder im Ensemble von Costa-Gavras‘ Rolf-Hochhuth-Adaption „Der Stellvertreter“. Zu ihren wichtigen Arbeiten zählen die Mutter der im Ferienhaus terrorisierten Familie in Michael Hanekes „Funny Games“ und die Mutter einer Pianoschülerin in Hanekes Elfriede-Jelinek-Adaption „Die Klavierspielerin“. Zuletzt stand sie für Haneke Bei „Das weiße Band“ vor der Kamera.

Susanne Lothar ist regelmäßig Gast in „Tatort“-Folgen und glänzte in zwei Folgen der sechsteiligen italienischen Krimiserie „Inspektor Sarti“ (1993). In dem Grimme-preisgekrönten Drama „Unter dem Eis“ fiel ihr als Klassenlehrerin Frau Pötter zuerst das veränderte Verhalten ihres Schülers Tim auf, der durch seine Mutter in eine Situation gerät, die ihn nahezu zerbrechen lässt. 2006 wurde sie gemeinsam mit ihrem Mann in dem Kompilationsfilm „Die Österreichische Methode“ von einem unerwünschten Gast heimgesucht, der nicht mehr gehen will. Maria Speths Film „Madonnen“ reflektierte generationsübergreifende Verhaltensmuster. Lothar spielt die Mutter einer Frau, die nach einer Haftstrafe versucht, ein normales Familienleben aufzubauen. In der gleichnamige Verfilmung des Kultbuches „Fleisch ist mein Gemüse“ machte sie das Leben ihres Sohnes durch permanente Psycho-Anfälle zum Dauerausnahmezustand.

Susanne Lothar ist die Witwe von Schauspieler Ulrich Mühe und Stiefmutter dessen Tochter Anna Maria Mühe. Das Paar engagierte sich in der gegen Kindesmissbrauch vorgehenden Initiative „Hänsel + Gretel“ und wollte „die Lobby der Opfer verbessern“ (Susanne Lothar). Auch als Hörbuchsprecherin, vorzugsweise von Märchen, ist Lothar aktiv. Rückblickend findet Susanne Lothar die Arbeit mit den Regisseuren Peter Zadek und Luc Bondy als prägend, hält gegenseitigen Respekt bei der Arbeit für wichtig und resümiert: „Erfolg macht hart.“

Am 25. Juli 2012 starb sie überraschend mit nur 51 Jahren.

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