Stellan Skarsgård Poster

Beim Dreh zur Bestseller-Verfilmung "Der Medicus"

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Mit Stars wie Ben Kingsley, Stellan Skarsgård und Olivier Martinez dreht Philipp Stölzl (“Goethe!”) derzeit das Historiendrama “Der Medicus”. Die aufwendige Produktion von UFA Cinema nach dem Weltbestseller von Noah Gordon, die komplett mit deutschen Geldern realisiert wird, entsteht an Schauplätzen in Deutschland und Marokko.

Aufwändige Kulisse für “Der Medicus” Bild: Universal

Mit “Der Medicus” geht für Produzent und UFA-Cinema-Geschäftsführer Wolf Bauer “ein Traum in Erfüllung”. Als der Roman 1987 in deutscher Sprache erschien, habe er sofort an eine Verfilmung gedacht. Dass es jetzt doch noch geklappt hat, liegt auch daran, dass eine geplante Adaption in anderer Konstellation – unter anderem Produzent Marco Weber und Regisseur Uli Edel – vor einigen Jahren nicht zustande kam.

Als die Rechte wieder an Noah Gordon zurückfielen, traten Bauer und sein Partner Nico Hofmann umgehend in Aktion. “Wir sind ganze vier Mal nach Boston geflogen, um ihn davon zu überzeugen, dass wir die Richtigen für die Verfilmung sind”, erinnert sich Hofmann. Ihr Einsatz zahlt sich aus. Beide haben keine Zweifel, dass “Der Medicus”, der insbesondere in Deutschland mit sechs Millionen verkauften Exemplaren ein gigantischer Erfolg war, auch als Film einschlagen wird. “Es ist eine große Heldengeschichte, die prädestiniert ist für einen emotionalen, bildgewaltigen Abenteuerfilm”, findet Bauer. “Und darüber hinaus ist die Story ein modernes Plädoyer für religiöse Toleranz – ein Thema, das heute wichtiger denn je erscheint.”

“Der Medicus” erzählt die Geschichte des jungen Rob Cole, der im 11. Jahrhundert in London aufwächst. Als seine Eltern sterben, wird er von einem Baderchirurgen als Lehrling aufgenommen und lernt das Handwerk der Heilkunst. Um beim besten Lehrmeister, Ibn Sina, dem “Arzt aller Ärzte”, zu studieren, begibt er sich auf eine fast zweijährige Reise ins persische Isfahan.

Regisseur Philipp Stölzl, der bei “The Expatriate” kürzlich sein US-Debüt gab, erklimmt mit “Der Medicus” die nächste Stufe auf der Karriereleiter. Als ihm die Regie angeboten wurde, musste er nicht lange überlegen: “Ich habe den Roman gelesen, als er in den Achtzigern herauskam, und er hat mich schon damals begeistert. Zudem habe ich allgemein ein Faible für historische Stoffe”, so der gebürtige Münchner. “Diesen Stoff inszenieren zu dürfen, ist großartig.”

Jan Berger

Ungefähr 130 Minuten soll die Länge des Films am Ende betragen. Sein stolzes Budget von 26 Millionen Euro nur mit deutschen Geldern zu stemmen, war laut Bauer “ein richtiger Kraftakt”. Die Finanzierung mag komplett aus Deutschland stammen – reüssieren soll “Der Medicus” auch international. “Wenn man so ein Vorhaben angeht, dann muss man es für den Weltmarkt machen”, findet Hofmann, der das Historiendrama in der Tradition europäischer, aus Deutschland heraus produzierter Großprojekte wie “Das Geisterhaus“, “Der Name der Rose” oder “Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders” sieht.

Eine rein einheimische Besetzung für die Hauptrollen wäre da undenkbar gewesen. Neben Tom Payne, der als Rob Cole seinen ersten großen Kinoauftritt bestreitet, konnten Topstars wie Stellan Skarsgård als Baderchirurg, Oscarpreisträger Sir Ben Kingsley als Ibn Sina und Olivier Martinez als Schah Ala ad-Daula verpflichtet werden. Robs Freund Karim wird von dem deutschen Star Elyas M’Barek (“Türkisch für Anfänger“) verkörpert, seine Geliebte Rebecca spielt die junge britische Nachwuchshoffnung Emma Rigby.

“Da der Film in vielen Märkten funktionieren muss, trägt man schon eine ziemliche Last”, gesteht Philipp Stölzl. “Doch natürlich macht der Job auch riesigen Spaß.” Gemeinsam mit Kameramann Hagen Bogdanski (“Das Leben der Anderen“), der eine digitale Arri Alexa verwendet, will er für Rob Coles Weg aus der Dunkelheit Englands ins Licht des Orients Bilder finden, die “die reichen Eindrücke seiner Reise einfangen, daneben aber auch etwas Essenzielles, Elementares verströmen”. Producer Ulrich Schwarz lobt in diesem Zusammenhang Stölzls “kraftvolle, fast schon biblisch anmutende visuelle Sprache”. Zugleich sei seine Vision des Mittelalters aber auch “modern und ungesehen”.

Am 19. Juni begannen die Dreharbeiten auf der Burg Querfurt. Weitere Drehorte in Sachsen-Anhalt (Quedlinburg, Elbingerode) sowie in Thüringen (Burg Hanstein bei Bornhagen) folgten. Fast alle im mittelalterlichen England spielenden Szenen entstanden an den Locations in Mitteldeutschland. Drei anschließende Drehtage in Berlin komplettieren den ersten inhaltlichen Abschnitt des Films.

Danach steht ein Umzug in die MMC-Studios nach Köln an. Dort werden durch zahlreiche Kulissen Schauplätze in Isfahan nachempfunden, darunter Teile des Schahpalastes und der Universität, an der Rob studiert.

Ende August brechen Cast und Crew nach Marokko auf, wo an 26 von 62 Drehtagen die Außenaufnahmen stattfinden. Im nordafrikanischen Staat fürchtete man 2011 größere Probleme. Ursprünglich sollte “Der Medicus” schon im letzten Jahr realisiert werden, doch die massiven Unruhen in Ägypten verhinderten dies. “Wir wussten nicht, ob die Aufstände bis nach Marokko hinüberschwappen”, erzählt Nico Hofmann. “Das hätte ein heikles Unterfangen werden können, auch aus versicherungstechnischen Gründen. Daher haben wir den Film verschoben.”

In einem anderen Land zu drehen, um den Zeitplan einzuhalten, hätten sie nie als Option angesehen: “Marokko ist einfach ein idealer Drehort”, sagt der ausführende Produzent Sebastian Werninger. “Wir haben dort bereits,Mogadischu’ komplett gefilmt und können auf verlässliche Partner zurückgreifen. Die ganze Infrastruktur ist so gut wie nirgendwo sonst in Nordafrika. Zudem gibt es viele perfekt geeignete Locations.” Gedreht wird auch an Motiven, die bereits Ridley Scott für sein Historienepos “Königreich der Himmel” nutzte. Sie kommen unter anderem für Außenaufnahmen des Schahpalastes zum Einsatz.

Ende September soll in Marokko die letzte Klappe fallen, bevor die aufwendige Postproduktion beginnt. Vor allem ihr ist es geschuldet, dass “Der Medicus” frühestens Ende 2013 in die Kinos kommen wird. Viele Bilder müssten um computergenerierte Erweiterungen, sogenannte “set extensions”, ergänzt werden, so Bauer. In Elbingerode im Harz, wo das Team eine klippenähnliche Landschaft vorfand, entstanden beispielsweise Aufnahmen, die im Film an der Küste von England spielen. Die Nordsee wird später am Rechner digital eingefügt. Mit Pixomondo haben die Macher einen der weltweit führenden Spezialisten für diese Aufgabe engagiert. Das Unternehmen gewann im Februar für seine Mitwirkung an Martin ScorsesesHugo Cabret” einen Oscar.

Die Arbeit der Effekteschmiede am Set im Hinterkopf zu haben, ist für den Regisseur Routine. “Da ich früher viel in den Bereichen Musikvideos und Werbung tätig war, bin ich da ein echter Profi”, lacht Stölzl. “Zudem gab es ja auch bei,Nordwand‘ und,Goethe!‘ Visual Effects, wenngleich natürlich nicht so viele.”

Zusätzlich zum Kinofilm, der in den deutschsprachigen Gebieten von Universal Pictures International Germany ausgewertet wird, erfolgt über die ARD Degeto die Fernsehauswertung. Es wird eine TV-Fassung erstellt, die in zwei Teilen à 90 Minuten Rob Coles Abenteuer noch ausführlicher schildert. Sie soll voraussichtlich rund zwei Jahre nach Kinostart, also Ende 2015, im Ersten ausgestrahlt werden. Das Hauptaugenmerk beim Dreh liege jedoch auf der Version für die große Leinwand, betont Hofmann: “Wir fahren diesen gigantischen Aufwand, um die Menschen ins Kino zu locken.”