Sönke Wortmann, einer der erfolgreichsten deutschen Filmemacher, kehrt nach dem Historiendrama „Die Päpstin“ mit „Das Hochzeitsvideo“ zur Komödie zurück - dem Genre, dem er zu Beginn seiner Karriere seine größten Erfolge zu verdanken hatte.

Hatte einfach mal wieder Lust auf eine Komödie: Sönke Wortmann mit Hauptdarstellerin Lisa Bitter.

Ist die Komödie „Hochzeitsvideo“ eine Art Neuanfang nach dem aufwendigen Historiendrama „Die Päpstin„?

Sönke Wortmann: Neuanfang hat für mich den etwas negativen Beigeschmack von Comeback, so als wäre man eine Zeit lang weg gewesen. Aber zum einen ist „Die Päpstin“ ja gar nicht so lange her - eine Pause von drei Jahren zwischen zwei Filmen ist für mich ein guter Rhythmus -, und zum anderen ist der Film ja auch sehr erfolgreich gewesen.

… dann eher eine Rückkehr zu den Wurzeln?

Ja. Ich hatte sehr große Lust, wieder einen „kleinen“ Film zu machen, und nach langer Zeit auch gern wieder eine Komödie.

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Wie kam es zu diesem Konzept, das Found Footage mit Kinobildern kombiniert?

Ganz am Anfang haben wir mal darüber nachgedacht, ausschließlich mit Found Footage zu arbeiten, aber das heutige Publikum nimmt einem nicht mehr ab, dass ein solcher Film „echt“ sein könnte. Zum anderen wollte ich, dass „Das Hochzeitsvideo“ wie ein richtiger Kinofilm aussieht. Die Bilder auf Video herunterzutrimmen, kam nicht infrage. So haben wir uns ziemlich schnell entschieden, Found Footage nur als Stilmittel, aber nicht als Genre einzusetzen.

Trotz des improvisiert wirkenden Stils - inwieweit waren Dialoge vor dem Dreh ausformuliert, Bildausschnitte festgelegt?

Ich glaube, eine Komödie erfordert sogar noch mehr Feinmechanik im Drehbuch als andere Genres. Beim Timing der Gags kommt es ja manchmal auf eine Zehntelsekunde an, wann geschnitten oder eben auch nicht geschnitten wird. 95 Prozent von dem, was man auf der Leinwand sieht, standen so im Drehbuch.

Als Regisseur sagt er, wo die Musik spielt - und empfindet das noch immer als "tollen Job".

Der Film bedient alle Arten von Komik, von leise bis deftig. Woher weiß man, wie weit man gehen kann?

Wir überlegen uns bei jeder Szene, ob es zu dick aufgetragen ist oder eventuell auch zu dünn. Wenn sich zum Beispiel ein Standesbeamter an einem Hundevideo aufgeilt, denkt man schon zwei Mal darüber nach, ob die Szene in den Film passt oder nicht doch zu drastisch ist. Aber nach Filmen wie „Brautalarm“ oder „Hangover“ kann man sich so eine Szene locker leisten. Bei den Testvorführungen kamen gerade die drastischeren Szenen großartig an. Manche Gags finde ich persönlich vielleicht weniger charmant als andere, trotzdem gehören sie einfach in einen solchen Film.

"Mehr Feinmechanik"

Sie sind bereits über 20 Jahre als Filmemacher in Deutschland tätig. Was hat sich verändert?

Als ich anfing, hatte der deutsche Film einen sehr schlechten Ruf beim Publikum. Heute sagen Leute, die sich die Aushänge vor dem Kino ansehen, gern auch mal: „Oh, ein deutscher Film, da gehen wir rein.“ Das ist eine Entwicklung, die wir uns erst erarbeiten mussten.

Wie sehen Sie die Entwicklung, dass Schauspieler als Regisseure erfolgreich sind, etwa Til Schweiger, den Sie in „Der bewegte Mann“ inszenierten?

Wer hinter den erfolgreichen Filmen steht, ist egal. Was zählt ist, dass sie gemacht werden. Und wenn erfolgreiche Schauspieler sich weiter ausprobierenwollen, ist es ein logischer Schritt, auch Regie zu führen.

"Hochzeitsvideo" schildert eine Hochzeit mit Hindernissen, wilde Jungesellen-Partys inklusive.

Wird Moritz Bleibtreu der nächste Kandidat? Ihre Firma Little Shark entwickelt ein Drehbuch von ihm.

Das kann schon sein, aber wir müssen noch etwas Geduld haben. „Geträumt“ ist kein einfacher Spielfilmstoff, und wir befinden uns noch in der Entwicklung. Aber Moritz Bleibtreu ist ein heller Kopf und ich traue ihm zu, dass er in die Fußstapfen seiner Kollegen treten kann. Ich kann im Übrigen gut nachvollziehen, dass sie Regie machen wollen, ist ja auch ein toller Beruf!

Was wird Ihre nächste Regiearbeit sein?

Ich stehe momentan noch zwischen zwei Projekten. Eines davon will ich noch im Herbst drehen, aber noch ist nichts entschieden.

Sie lassen sich nicht auf ein Genre festnageln, machen Komödie, Historiendrama und Doku. Wie gelingt Ihnen das?

Man wird leicht in eine Schublade gesteckt, am Anfang war ich ja in der Komödienecke. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich danach verschiedene Genres ausprobieren konnte und vielseitig arbeiten darf, sogar im Theater. Im Februar habe ich mit „Frau Müller muss weg“ auch ein Stück im Berliner Grips-Theater inszeniert. Es ist bis in den Sommer hinein ausverkauft.

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