Dieses Weihnachten müssen Kinogänger zum ersten Mal seit drei Jahren ohne einen neuen „Der Herr der Ringe„-Teil feiern. Doch die Anhänger fantastischer Stoffe müssen nicht verzagen: Hollywood sorgt für Nachschub im Überfluss.

Der vielleicht größte Hoffnungsträger 2005 Bild: Buena Vista

Das neue Jahrtausend brachte unzähligen Fantasy-Freaks den sprichwörtlichen Beginn eines neuen Zeitalters. Über ein Jahrzehnt hatte das Genre praktisch brach gelegen, und das trotz der Revolution im Bereich digitaler Effekte, die spätestens mit Steven SpielbergsJurassic Park“ eingeläutet worden war. Mit der neuen Technik schienen den Regisseuren bei der Verwirklichung ihrer Visionen keine Grenzen mehr gesetzt. Doch war das Publikum bereit?

Offenbar zweifelte man in Hollywood noch daran. Selbst die „fantastische Blütezeit“ der 80er hatte wenige echte Hits hervorgebracht: Genreklassiker wie „Legende„, „Krull“ oder „Der Drachentöter“ liefen beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Kassenschlager wie der von George Lucas produzierte „Willow“ blieben die Ausnahme.

Genrerevolution: "Der Herr der Ringe" Bild: Warner

Zweifacher Paukenschlag

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12 Stars, die Rollen nur wegen des Geldes gespielt haben

Nach einem eher halbherzigen Versuch, dem Genre mit Hilfe von CGI und dem Film „Dragonheart“ neue Impulse zu verleihen, erfuhr es anno 2001 eine Initialzündung. Ausgerechnet ein bis dato hauptsächlich mit Splatterfilmen in Erscheinung getretener Neuseeländer, dessen Name nur wenigen Freaks ein Begriff war, nahm sich des Heiligen Grals der Fantasy an: John Ronald Reuel TolkiensDer Herr der Ringe„-Trilogie.

Anfängliche Zweifler strafte Regisseur Peter Jackson Lügen. Mit knapp drei Milliarden Dollar Einspielergebnis verwiesen die Filme selbst die legendäre „Krieg der Sterne„-Trilogie deutlich in die Schranken. Beinahe gleichzeitig erwachte ein weiterer Leinwandgigant zum Leben: Bereits einen Monat vor dem Kinostart des Ringkrieges hatte „Harry Potter und der Stein der Weisen“ seinen Siegeszug angetreten. Zusammen mit den beiden bisher erschienen Fortsetzungen spülte dieser bisher über zweieinhalb Milliarden in die Kassen der Macher.

Harry Potter zählt immer noch seine Schecks… Bild: Warner

Mit Löwenmut gegen Hexenblut

Selbstverständlich will man in Hollywood die Gunst der Stunde nutzen und so verwundert es nicht, dass Fantasyfans in den nächsten 12 Monaten eine nie dagewesene Anzahl potenzieller Genrehighlights ins Haus steht. Zu den am sehnlichsten erwarteten Werken gehört „Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia„, die Leinwandadaption einer äusserst populären Buchreihe von Autor C.S. Lewis.

Tolkien und Lewis waren eng befreundet und übten großen gegenseitigen Einfluss aus. Lewis‘ erstes Buch spielt während des Zweiten Weltkrieges und schildert die Abenteuer der vier Geschwister Lucy, Edmund, Susan und Peter Pevensie. Bei einem Versteckspiel gelangen die Kinder zufällig über einen magischen Kleiderschrank in die geheimnisvolle Welt von Narnia.

Das fantastische Land beherbergt sprechende Tiere, Zwerge, Riesen, sowie unzählige andere Geschöpfe und wäre ein Ort des Friedens - gäbe es da nicht die böse Weiße Hexe Jadis, dargestellt von Tilda Swinton („The Beach„). Diese hat Narnia mit dem Fluch eines ewigen Winters belegt und versucht nun, die Macht an sich zu reißen. Unterstützt vom Löwen Aslan, dem weisen König des Landes, nehmen die Kinder den Kampf gegen die Hexe auf.

Trotz "fantastischen" Hauptdarstellers nur mäßig erfolgreich: "Dragonheart" Bild: UIP

Septologie?

Die 120 Millionen Dollar teure Produktion entsteht derzeit an Drehorten in Neuseeland, Tschechien und England und soll pünktlich zum Weihnachtsfest 2005 für Begeisterung bei Jung und Alt sorgen.

Mit Sicherheit werden zahlreiche spektakuläre Effekte dazu beitragen, für die unter anderem WETA verantwortlich zeichnet. Die neuseeländische Trickschmiede hat sich insbesondere mit ihrer Beteiligung an Peter Jacksons „Der Herr der Ringe“ einen Namen gemacht und arbeitet derzeit an seiner Neuinterpretation von „King Kong„.

Sollte „Der König von Narnia“ den erwarteten Erfolg haben, darf sich das Publikum auf eine weitere langlebige Filmreihe gefasst machen: Insgesamt sind sieben Bücher mit Abenteuern aus der magischen Welt erschienen, und die Produzenten haben sich bereits Optionen auf die Filmrechte gesichert.

Ein Fantasy-Hit Made in Germany ist "Die Unendliche Geschichte II" Bild: Warner

Dämon statt Schutzengel

Ebenfalls mit Spannung erwartet wird „Der Goldene Kompass„, die Verfilmung des ersten Buches der herausragenden „His Dark Materials“-Trilogie von Autor Phillip Pullman. Unter der Regie von Chris Weitz, der auch das Drehbuch schreibt, soll ein ungewöhnliches Fantasy-Epos entstehen, das sich weniger kriegerisch gibt als Tolkiens Geschichten, gleichzeitig aber düsterer ist als das „Harry Potter“-Universum.

„Der goldene Kompass“ spielt in einer Welt, die der unseren ähnelt und doch ganz anders ist. Die Menschen werden dort mit einem dämonischen Beschützer an ihrer Seite geboren, der seine Gestalt in jungen Jahren wandeln kann. Wird der Mensch erwachsen, nimmt sein Dämon eine endgültige Form als das Tier an, das dem Charakter seines Schützlings am meisten entspricht.

"Krull" erfuhr seinerzeit leider nur wenig Beachtung Bild: Columbia TriStar

Abenteuer am Polarkreis

Heldin des Buches ist die 11-jährige Lyra Belacqua, die an der Universität von Oxford ausgebildet wird, während ihr Onkel Lord Asriel im fernen Norden streng geheime Studien betreibt. Als Lyra eines Tages eine Versammlung belauscht, erfährt sie von einem geplanten Anschlag auf Lord Asriel. Mit Hilfe ihres Dämonen kann sie das Attentat vereiteln, doch das ist nur der Beginn eines fantastischen Abenteuers.

Laufend verschwinden Kinder unter mysteriösen Umständen aus der Gegend um die Forschungseinrichtung am Polarkreis. Als plötzlich auch Lyras Freund Roger vermisst wird, macht sich das Mädchen auf die Suche. Einen Anhaltspunkt liefern die Studien ihres Onkels, denn dieser vermutet hinter dem Polarlicht den Zugang zu einer Parallelwelt.

Regisseur Weitz hat sich mit „About a Boy“ und als Produzent von „American Pie“ bisher zwar hauptsächlich einen Namen im Komödienfach gemacht, der interessante Stoff lässt jedoch hoffen.

"Dungeons and Dragons" konnte die Erwartungen nicht erfüllen Bild: Helkon (Buena Vista)

Lizenz ist nicht alles

Ohne allzugroße Vorschusslorbeeren dürfte „Dungeons & Dragons 2: The Elemental Might“ ins Rennen gehen. Als filmische Umsetzung des legendären Urvaters der traditionellen Pen&Paper-Rollenspiele war der Vorgänger „Dungeons & Dragons“ von zahlreichen Fans ungeduldig erwartet worden.

Doch trotz solcher Stars wie Jeremy Irons („Das Geisterhaus„) und Thora Birch („American Beauty„) enttäuschte das Werk Publikum und Kritiker.

Präsident Schwarzenegger oder vielleicht doch noch "Conan - der Barbar" zum Dritten? Bild: Constantin

Gut gekürzt ist halb gewonnen

Eine sichere Bank hingegen ist „Harry Potter und der Feuerkelch„. Der Film entsteht unter der Regie von Mike Newell („Mona Lisas Lächeln„) und wird ab November 2005 für volle Kinos sorgen.

Problematisch könnte allerdings die Fülle des Stoffes werden. Schon „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ litt ein wenig unter den notwendigen Kürzungen, und die Buchvorlage zu „Der Feuerkelch“ ist noch erheblich umfangreicher ausgefallen. Tatsächlich gab es Überlegungen, das Material in zwei Filme aufzuteilen, doch Regisseur Newell ist zuversichtlich, alle wesentlichen Details in einem einzigen Werk unterbringen zu können. Man darf gespannt sein.

Kein klassischer Fantasy-Film, aber Drachen im Überfluss: "Die Herrschaft des Feuers" Bild: Buena Vista

28 mögliche Sequels

Ein weiteres Highlight verspricht Wolfgang Petersen dem Publikum: Als Produzent zeichnet er für „The Spell of Chameleon“ verantwortlich, die Adaption des ersten Buches der mittlerweile 29-bändigen „Xanthia“-Serie. Die Geschichten drehen sich um einen Jungen namens Bink, in dessen Welt jeder Bewohner magische Fähigkeiten besitzen muss. Die Suche nach seinen eigenen Kräften führt Bink in unzählige Abenteuer - denn sollte er nicht lernen, Zauber zu wirken, droht ihm die Verbannung.

Und am Horizont zeichnen sich noch weitere interessante Projekte ab: Michael Caine erforscht als Psychiater in „The Nature of Enchantment“ die fantastischen Hirngespinste eines jungen Patienten. Und in „Jonathan Strange und Mr. Norrell“ nehmen es ein Magiekundiger und sein Schüler mit den Armeen Napoleons auf. Doch einer von ihnen geht zu weit, als er das Tor zu einer alternativen Dimension öffnet, um eine Person von den Toten zurückzuholen.

Bald mehr als vierstündig: "Die Rückkehr des Königs" Bild: Warner

Schöne Bescherung

Rosige Zeiten also für Fantasy-Fans, denen ohenehin ein besonderes Weihnachtsgeschenk zuteil wird: Die „Extended Edition“ von „Die Rückkehr des Königs“ wird 50 zusätzliche Minuten des Meisterwerks auf DVD präsentieren. Zur vollständigen Glückseligkeit fehlt da eigentlich nur noch die fällige Verfilmung von „Der kleine Hobbit“, möglichst erneut mit einem mittlerweile nicht mehr ganz so unbekannten Neuseeländer im Regiestuhl…

Da stellen sich eigentlich nur noch zwei Fragen:

Schafft es der lange geplante „King Conan“ noch in die Kinos?

Und wo bleibt der Film zu Terry Pratchetts „Scheibenwelt“ ?

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