Die Angst des Regisseurs vorm Elfmeter

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Sir Michael Caine Poster

Der Aufarbeitung, zweiter Teil: Nach der Dokumentation letzte Woche möchte KINO.DE Ihnen heute die besten fiktionalen Fußballfilme ans Herz legen - bzw. vor den schlimmsten warnen.

Nur bedingt WM-tauglich: die Aufsteigersaga "Goal" Bild: Kinowelt

Denn wie bereits im ersten Teil des Fußballfilmchecks festgestellt werden musste: Das runde Leder und Zelluloid können wohl ebenso schlecht miteinender wie Otto Pfister und der togolesischen Fußballverband. Man versucht es immer wieder, aber nach der Vorrunde ist Schluss!

Selbst die in der steuerfreundlichen Schweiz ansässige, recht eifrig die Franken vermehrende Fußballcamorra FIFA dürfte mit ihrem eigenen Filmprojekt nicht ganz glücklich sein. Der capo de tutti capi Sepp „Don Vito“ Blatter jedenfalls grinst bei dem Gedanken an die Millionen, die die „Goal!„-Trilogie kostet, noch gequälter als dereinst bei „And the winner is … Deutschland“.

Jederzeit verfilmenswert: "Der Pate IV - Die Machenschaften des Joseph B." Bild: FIFA

Nicht einmal die FIFA packt’s

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12 Stars, die Rollen nur wegen des Geldes gespielt haben

Dass Blatters Protegés aus Afrika die WM 2006 nicht ausrichten durften, hat er fast schon wieder vergessen, die zweite und dritte Episode der Aufsteigersaga um das Ghettokid Santiago Munez stehen ihm dagegen noch bevor. Der Auftakt war eher dröge, und die Gangart erinnerte mehr an einen Boxerfilm klassisch amerikanischen Zuschnitts, denn an Fußball.

Dabei träumen wohl Filmemacher, die sich dem Thema „Fußball“ zuwenden, von solchen Startvoraussetzungen: Zugang zum Allerheiligsten von Vereinen wie Real Madrid und Newcastle United, Unterstützung von Sponsoren mit drei Streifen und roten Getränkedosen und Nebendarsteller wie Alan Shearer, Raul, Zinedin Zidane und David Beckham. Nun, wenigstens auf der Leinwand gilt also noch: Geld schießt keine Tore!

Ungarn - fußballerisch wie filmisch besser

Huston, wir haben ein Problem: "Flucht oder Sieg" auch kein großer Wurf Bild: Universal

Und das obwohl der Erfahrungsschatz, aus dem Fußballfilmemacher schöpfen könnten, reichlich, im Überfluss vorhanden, um nicht zu sagen: fast überflüssig ist! Bereits 1950 versuchte sich Theo Lingen als „Der Theodor im Fußballtor“. Tja, der armen Wiederaufbaugeneration in den ausgebombten Städten konnte man nach dem verlorenen Krieg wohl alles vorsetzen!

Auch wenn sie das Finale in Bern gegen Herbergers elf Freunde verloren, viel besser machten das die Ungarn. In Zoltán Fábris „Zwei Halbzeiten in der Hölle“ aus dem Jahr 1961 wird ein Fußballspiel zwischen NS-Gefängniswärtern und Kriegsgefangenen zum Spiegelbild des Wahnsinns des Zweiten Weltkriegs.

Demselben Thema, mit etwas anderem Handlungsablauf, widmet sich Jahre später sogar einer der Größten Hollywoods. John Huston lässt in „Flucht oder Sieg“ ebenfalls POWs, dieses Mal jedoch Westallierte, gegen die Nationalelf Nazideutschlands kicken. Abgesehen davon, dass neben Fußballgott Pelé, der die Ballstafetten choreographierte, auch Bobby Moore und Osvaldo Ardiles mitspielten, bietet der Film Michael Caine, Max von Sydow und Sylvester Stallone in einem Ensemble auf!

Auch kein Fußballgott: Sean Bean versucht es "Immer wieder Samstags" Bild: Constantin

Typecasting für Stallone

Wobei man an dieser Stelle für Sly auch einmal eine Lanze brechen muss: Gut, als Torwart ist er so geeignet wie Philip Lahm als Sturmtank, aber so ist ja auch seine Rolle angelegt, meine Herrschaften! Und so viel schlechter als andere Schauspieler sieht Stallone auf dem Platz wiederum dann auch nicht aus.

Bloomfield“ etwa, mein Gott, Richard Harris konnte nun fast alles spielen - einen alternden Rastelli allerdings wirklich nicht. Auf den Regisseur brauchte er es nicht zu schieben, Harris inszenierte selbst. Sean Bean sieht da in „Immer wieder Samstags“ schon besser aus, aber Premier-League-Niveau, wie man dem Betrachter vorgaukeln möchte, erreichen weder er noch der Film.

Ein zupackender Bursche

Wie für Rabiator Vinnie Jones gemacht: Knastfußball in "Mean Machine" Bild: UIP

Also versucht es der pfiffige Tommy andersrum: Der härteste Exprofi der höchsten englischen Liga wird von Guy Ritchie mal eben zum Filmstar aufgebaut und spielt dann wieder einen Fußballer. So geschehen mit Vinnie Jones. Der eisenharte Klopper, dessen bekannteste Szene auf dem Platz ein beherzter Griff in die Familienjuwelen seines Gegenspielers Paul Gascoigne war, spielte die Hauptrolle in „Mean Machine„.

Der Titel passte zu Jones ebenso wie das Setting. In dem Remake des Robert-Aldrich-Klassikers „Die härteste Meile“ bringt er als Frischinsasse ein Knastteam auf Vordermann. Ein filmischer Meilenstein war „Mean Machine“ dagegen nicht, auch wenn es gut gemeint war.

Fußball und Film - eher Blutgrätsche als Traumkombination Bild: Web

Britische Nostalgie vom Titel

Interessant und außerdem noch bedingt historisch ist dagegen „Kicker, Kumpel, Knochenbrecher“. Darin wird aus Verwechslung mit einem anderen Team die grottenschlechte Bergarbeitermannschaft FC Durham zum erstmals ausgespielten Weltpokal eingeladen - und gewinnt das Ding, nachdem man die besseren Spieler der Gegner wie Juventus auch noch zusammengetreten hat. Das ist wohl der Humor in einem Land, das nur mit einem Nichttor Weltmeister werden konnte.

Echten Champions dagegen setzte Sönke Wortmann mit dem „Wunder von Bern“ ein Denkmal. Wobei auch dieses ambitionierte Werk in den Szenen auf dem Platz schwer bestehen kann. Den Okocha-Lupfer gleich mehrmals in einem WM-Final? Das wird uns nicht einmal Ronaldinho zeigen. Garantiert!

Von Wundern und Wehklagen

Echte Champions, passabler Film: "Das Wunder von Bern" Bild: Senator

Die schönste Szene hat „Das Wunder von Bern“ ohnehin mit den Kindern in Essen, die unter österreichischem Originalkommentar das Spiel Deutschland gegen Österreich nachstellen. Das alles übrigens ohne „Die Wilden Kerle„-Sentimentalität, welchen der Autor dieser Zeilen nur zähneknirschend als Fußballfilm anerkennt, ebenso wie „Kick it Like Beckham„.

Kinder- und Frauenfußball? Wir wollten doch über echten Sport reden. Wenn schon in seiner Deminutivform, dann wenigstens lustig! „Shaolin Soccer“ ist da wenigstens was fürs Auge, reicht aber noch immer nicht an den vermutlich besten Fußballfilm aller Zeiten heran.

Unschlagbar: "Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett" Bild: MGM

Blau gegen Gelb ist spitze!

Dieser ist nämlich unstrittig „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett„. Denn wer die animalische Kickerei und das tierische Gekloppe zwischen Nilpferd, Nashorn, Löwe und Co. in Blau und Gelb nicht einfach verehrungswürdig findet, versteht eh nix vom Fußball! Ich habe fertik!

Noch nicht ganz: Lesen Sie in Kürze den Fußballfan-Filmcheck! Von Jean-Jacques Annaud über sich verbrüdernde PLO-Kämpfer und israelische Soldaten bis zu „Fever Pitch“.

Und hier gehts zu: Teil eins des Fußball-Filmchecks

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