Leben & Werk

Britischer Schauspieler und Oscar-Preisträger (1908 – 2005). Der englische Jedermann. Gentleman mit tadellosen Manieren, charakterfest, aufrichtig, edelmütig, integer, moralisch über jeden Zweifel erhaben, verkörperte Sir John Mills in einer sieben Jahrzehnte umfassenden Karriere den anständigen Briten – durch alle Klassen und Schichten. Mills, der in über 120 Filmen mitwirkte und das Gesicht des britischen Films prägte, kämpfte in verschiedenen Rängen in einem Dutzend Kriegsfilmen („In Which We Serve„), war in der Heimat beliebter als Sir Laurence Olivier und vergleichbar mit Sir Alec Guinness und Sir Richard Attenborough, für den er in „Gandhi“ den Vizekönig von Indien spielte. Mills arbeitete mehrfach mit Sir David Lean und wurde für die Rolle des Dorftrottels in Leans Irland-Drama „Ryans Tochter“ mit Oscar und Golden Globe ausgezeichnet. Attenborough zum Tod des Freundes, der zuletzt halbblind war: „Er hörte nie auf zu arbeiten. Seine Arbeit war alles für ihn und er war sehr stolz darauf.“

Lewis Ernest Watts Mills wuchs im Fischerdorf Felixstowe, East Suffolk, als Sohn des Schuldirektors von Varmouth auf. Er besuchte eine Ballettschule in London und begann seine Theaterarbeit bei Amateurgruppen und beim Repertoire-Theater „The Quaints“, mit denen er im Fernen Osten tourte. In Singapur lernte er Noel Coward kennen, der ihn 1931 als jugendlichen Helden empfahl und im eigenen Bühnenstück „Cavalcade“ einsetzte. Im selben Jahr gab er sein Filmdebüt, erhielt 1934 einen Vertrag bei Gaumont-British. Die Rollen wurden attraktiver, so 1938 im Klassiker „Auf Wiedersehen, Mr. Chips“.

Mills‘ Popularität begann als Matrose Blake in Noel Cowards und David Leans Kriegs- und U-Boot-Drama „In Which We Serve“ (1942), realistisch und grandios geschnitten und fotografiert. Fortan kämpfte er als Soldat für die gute Sache in „Die Blockade“ (1941), Waterloo Road“ (1944), „The Colditz Story“ (1955) und „Dünkirchen“ (1958), war desillusionierter Kriegsveteran in „Zwielicht“ (1947). Im Militärdrama „Einst ein Held“ (1960, mit Guinness) war er Bataillonskommandant, in „Geheimaktion Crossbow“ (1966, mit George Peppard und Sophia Loren) und Attenboroughs „Oh, What a Lovely War“ (1969) General. Lean engagierte ihn für sein Regiedebüt „Wunderbare Jahre“ (1944) als mittellosen Liebhaber und Waise Pips in der Charles-Dickens-Adaption „Geheimnisvolle Erbschaft“ (1946) sowie 1969 in „Ryans Tochter“. In den 40er- und 50er-Jahren spielte Mills in allen Genres: Krimis („Tiger Bay“, „Letzte Grüße von Onkel Joe“), Komödien („Herr im Haus bin ich“), Abenteuergeschichten („Scotts letzte Fahrt“). Für Disney war er in „Dschungel der tausend Gefahren “ (1960, mit Tochter Hayley) der Vater der Familie Robinson, lebte einige Jahre in Hollywood. 1966 inszenierte er seinen einzigen Spielfilm „Sky West and Crooked a.k.a. Gypsy Girl“ (mit Hayley). Zu Mills‘ letzten Filmen gehören Kenneth Branaghs „Hamlet“ (1996), „Bean – Der ultimative Katastrophenfilm“ (1997) und Stephen Frys „Bright Young Things“ (2003, als Partygast, der Kokain schnupft).

Mills wurde 1960 mit der Coppa Volpi in Venedig („Einst ein Held“) und 1967 in San Sebastian mit dem Darstellerpreis („Honigmond“; mit Hayley) geehrt. 1977 wurde er von der Queen zum Ritter geschlagen

Mills veröffentlichte 1981 die Autobiographie „Up in the Clouds, Gentlemen Please“. Er war 1931-40 mit Schauspielerin Aileen Raymond und in zweiter Ehe mit Autorin Mary Hayley Bell verheiratet, die fünf Monate nach seinem Tod starb. Der Ehe entstammen die Töchter Juliet und Hayley, beide Schauspielerinnen, und Sohn Jonathan, der einen Dokumentarfilm über seinen Vater produzierte. (geh)

Filme und Serien

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