Hinter den Kulissen: "Minority Report"

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Intelligente Science-Fiction der Extraklasse: Steven Spielberg inszeniert einen spannungsgeladenen Film Noir und hält der Gegenwart den Zerrspiegel vor.

Der gläserne Mensch: Cruise mit seiner Precrime-Mutantin

Die Kurzgeschichte „Minority Report“ veröffentlichte Philip K. Dick bereits im Jahr 1956. Anders als bei vielen Genre-Autoren waren seine Schöpfungen nie von achtarmigen Monstern oder menschenfressenden Aliens bestimmt. In seinen Storys, die schon Ridley Scott zu „Blade Runner“ und Paul Verhoeven zu „Total Recall“ inspirierten, stehen grundlegende Fragen des Menschseins im Vordergrund.

John Underkoffler vom MIT (Massachusetts Institute of Technology), Wissenschaftsberater am Set, sagt über die Ideen von Dick:

„Technologie ist ein Echo dessen, was sich gesellschaftlich abspielt. Philip K. Dick ist daran interessiert, wie Technik die Menschen verändert.“

Jon Cohen

Superstars in Höchstform: Spielberg und Cruise

Macht der Technik

Steven Spielberg

„Auf keinen Fall soll das Publikum denken, dass alles an dieser Welt der Zukunft bösartig oder fehlentwickelt ist. Wir wollen, dass das Publikum die von uns gezeigte Technologie als gegeben hinnimmt“, erklärt Spielberg seine Ästhetik.

Dementsprechend orientierte sich der Meisterregisseur beim Look von „Minority Report“ eng an der Welt, wie wir sie kennen. Er wollte Washington so darstellen, wie es in 50 Jahren tatsächlich aussehen könnte. Nur bestimmte Teile der möglichen Zukunft stechen hervor:

Drahtseilakt im 3D-Verkehr: Das Washington des Jahres 2054

Das Heute im Morgen

„Das Washington Monument, die Rotunde des Senats und das Kapitol wird es dann immer noch geben. Aber überall in der Innenstadt werden sich Spuren der Architektur und der Technologie der Zukunft finden. Man wird also permanent daran erinnert, dass der Film nicht allzu weit von unserer Gegenwart entfernt spielt.“

Gefordert waren vor allem die Kameraleute und die Visual-Effects-Spezialisten. Janusz Kaminski drehte zuerst die Hintergrundansichten von Washington mit einer speziellen Ausbleich-Technik im Chrom-Look. Scott Farrar arbeitete dann die futuristischen architektonischen Elemente in die Bilder ein.

Das Auto ist auch Aufzug und stoppt direkt am Wohnzimmerfenster

3D-TV und Auto-Aufzüge

Ein Clou: Das Washington der Zukunft hat sich nicht nur in der Fläche vergrößert, sondern ist dazu auch in die Höhe gewachsen. Entsprechend sollte das Verkehrsnetz der Zukunft aussehen. Ausstatter Alex McDowell erarbeitete hierfür das dreidimensionale „Meg-Level-System“. Dieses futuristische Transportsystem basiert auf einer Kombination aus Taxis und Aufzügen, die sich sowohl in horizontaler, wie auch in vertikaler Richtung beliebig bewegen können.

Spielberg ging es aber nicht nur um eine optische Umsetzung der Infrastruktur. Vielmehr interessierten ihn auch auf den ersten Blick lapidare Fragen: „Wie putzen sich die Menschen in der Zukunft die Zähne?“ oder „Welche Produkte gehören zu ihren täglichen Gebrauchsgegenständen?“.

Zentrales Motiv: Können wir mit unseren Augen überhaupt die Welt erfassen?

Zukunftsforscher als Requisiteure

Zu diesem Zweck brachte Spielberg Spezialisten zusammen, die jedes Detail des Filmes, und jede Requisite eigens entwickelten.

Und dabei galt es sich streng an die Vorgaben Spielbergs zu halten:

„Steven war immer sehr deutlich, was für ihn funktionierte und was nicht. Er zeigte stets deutliche Abneigung gegen eine traditionelle, klassische Vision von Science-Fiction. Alles was ein bisschen in die fantastische Richtung ging, lehnte er ab“, erinnert sich McDowell.

Der Computer wird statt mit der Maus mit Gesten bedient

Auf der Flucht vor der totalen Kontrolle

Spielberg generierte so eine Zukunft, die verblüffend nahe und bedrohlich aktuell wirkt und so die Brisanz von „Minority Report“ perfekt unterstützt. Der Zuschauer findet sich jederzeit in der Welt wieder, durch die Tom Cruise in seiner atemlosen Jagd hetzt.

So gelang eine Adaption des Stoffs im Sinne des Autors - und Spielberg ein weiterer Meilenstein in seiner einzigartigen Karriere.

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