Sandrine Bonnaire

Schauspielerin • Sprecherin • Regisseurin • Drehbuchautorin • Kamerafrau
Sandrine Bonnaire Poster
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Leben & Werk

Vom Vorstadtkind ohne Schauspielausbildung zum Filmstar durchlief Sandrine Bonnaire eine atemberaubende Entwicklung. War Jeanne Moreau die Muse der Nouvelle Vague, so wurde das Naturtalent Bonnaire seit Mitte der 80er-Jahre die Ikone des französischen Autoren- und unabhängigen Films. Einem sensationellen Debüt in „A nos amours – Auf das, was wir lieben“ folgte der frühe Aufstieg in den Olymp: Bonnaire verkörperte in Agnès Vardas „Sans toit ni loi – Vogelfrei“ (Goldener Löwe Venedig 1985) als trotzige Streunerin Mona in der winterlichen Provence den freien Menschen, philosophische Heldin ohne Vergangenheit, sich selbst verpflichtet, schmerzhaft einsam und verloren. Es war ihre vierte Filmrolle und Bonnaire die jüngste Schauspielerin, die mit dem César als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Sandrine Bonnaires Figuren sind wortkarge, auf irritierende Weise verschlossen charmante Frauen, Rebellinnen und Außenseiterinnen, die mit Blicken reden, ein schöner Gegensatz zu ihren oft pausenlos redenden Kolleginnen. Da wirkt die herbe Schöne, die ihre Geheimnisse bewahrt, eher wie ein männlicher Charakter. Bonnaire hat sich weitgehend dem französischen Mainstream verweigert, mit bedeutenden Autoren wie Claude Chabrol, André Téchiné, Jacques Rivette, Claude Sautet, Maurice Pialat oder Patrice Leconte, aber vor allem mit jungen Regisseuren wie Régis Wargnier, Safy Nebbou, Yves Angelo, Michel Béna oder Philippe Lioret gearbeitet. Zur 100-Jahr-Feier des Kinos war Bonnaire Idealbesetzung als Frankreichs Nationalheilige und Mythos Jeanne d’Arc in Rivettes Zweiteiler „Johanna die Jungfrau – Der Kampf – Der Verrat“ und hatte im Ritterkostüm einen hübschen Gastauftritt in Vardas „Hundertundeine Nacht“.

Bonnaire war junge Prostituierte („Der Bulle von Paris„), rätselhafte Schauspielerin („La Puritaine“), Dorfschlampe („Die Sonne Satans“), Kellnerin und Geliebte („Einige Tage mit mir„), Krankenpflegerin und Malerin („Die Farbe der Lüge„), russische Arztfrau („Est – Ouest – Eine Liebe in Russland“), Rächerin mit finsterer Vergangenheit („Geheimsache“), junge Tschechin („Prag“) und Repräsentantin eines Pharmakonzerns („Mademoiselle“); sie war die bretonische „Frau des Leuchtturmwärters“ und spielte nach 23 Jahren zum ersten Mal in ihrer Karriere eine junge Mutter („Der Hals der Giraffe„, 2006). Zu ihren faszinierenden Leistungen gehören die Kindsmörderin, die in Chabrols „Biester“ als Hausmädchen mit ihrer Freundin eine bürgerliche Familie ausrottet, und die Ehefrau, die zufällig an einen Steuerberater gerät, der ihr Psychiater wird („Intime Freunde“). 2006 ist ihr der Titel „Irrésistible“ (unwiderstehlich) auf den Leib geschrieben.

Sandrine Bonnaire wurde 1967 als siebtes von elf Geschwistern in eine in der Vorstadt von Clermont-Ferrand lebende Arbeiterfamilie geboren, wollte dem Milieu, in dem sie „Floristin oder Friseuse“ geworden wäre, unbedingt entkommen und wurde mit 15 Jahren von Maurice Pialat für „A nos amours“ entdeckt, wo sie stark autobiografisch als freigeistige Suzanne die Sexualität entdeckt und auslebt. Für die Rolle wurde sie mit dem César als Beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet. Für „Biester“ erhielt sie ex aequo mit Isabelle Huppert den Darstellerpreis der Filmfestspiele Venedig 1995.

Sandrine Bonnaire hat einen Sohn mit William Hurt, mit dem sie 1997 in der Albert-Camus-Verfilmung „Die Pest“ spielte. Sie ist seit 2003 mit Guillaume Laurent verheiratet. Tochter Adèle wurde 2004 geboren. 2002 unterstützte Bonnaire den Sozialisten Lionel Jospin im Wahlkampf.

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