Der deutsche Film lebt!

Zwei Enden des Spektrums: Wim Wenders, Deutschlands Arthouse-Regisseur Nummer eins, und Hayden Christensen in "Star Wars: Episode III" Bild: Kurt Krieger / Fox

Und das am liebsten unter der wärmenden Sonne der Côte d’Azur. Mit „Don’t Come Knocking“ von Wim Wenders ist nach „Die fetten Jahre sind vorbei“ im letzten Jahr erneut ein einheimisches Werk im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes. Davor hatte es eine elf Jahre lange Durststrecke gegeben.

Kenner hatten Wenders schon im Vorfeld gute Chancen für eine Teilnahme eingeräumt. Auch ein zweites heißes Gerücht hat sich bewahrheitet: Der krönende Abschluss der größten Science-Fiction-Saga aller Zeiten wird ebenfalls in Cannes gastieren. „Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith“ ist zweifelsohne das kommerzielle Highlight des 58. Filmfestivals - getreu dem Motto von Thierry Frémaux - „gewagt und vital“ sollte die Filmauswahl nach Wunsch des künstlerischen Leiters ausfallen.

Schauspieler am Scheideweg: Sam Shepard neben Jessica Lange in "Don't Come Knocking" Bild: Kurt Krieger / Fox

Ich bin nur ein einsamer Cowboy…

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10 Stars, die versehentlich den Tod eines Charakters verraten haben

Wenders‘ Beitrag gehört ganz klar zu den anspruchsvollen Filmen des diesjährigen Programms, das erneut den Spagat zwischen Kunst und Kommerz versucht. Wer zum Aberglauben neigt, findet in „Don’t Come Knocking“ gar einen Mitfavoriten auf die Goldene Palme. Denn das Drehbuch zur melancholischen Selbstfindung eines Westerndarstellers stammt von Sam Shepard, der auch die Hauptrolle spielt. Schon „Paris; Texas“ stammte aus Shepards Feder - prompt gab’s für Wenders 1984 die höchste Auszeichnung des Festivals.

Shepard mimt den abgetakelten Hollywood-Star Howard Spence, der eines Tages desillusioniert auf dem Rücken seines Filmpferdes vom Set seines x-ten Westerns davonreitet. Als er erfährt, dass er vielleicht ein Kind hat, von dem er nichts wusste, beginnt eine stille Suche nach Liebe, Hoffnung und einem Lebenssinn, den er schon verloren glaubte.

Atemnot bei 35 Grad im Schatten: Anakin Skywalker mutiert in Südfrankreich zu Darth Vader Bild: Fox

Lichtschwerter unter Palmen

Doch es sind natürlich die großen Hollywood-Filme, die die Superstars der aktuellen Filmszene an die Croisette locken sollen - denn auch davon lebt das wichtigste Filmfest der Welt. So wird „Star-Wars“-Schöpfer George Lucas sich persönlich die Ehre geben und sicher auch einige seiner Top-Darsteller wie Natalie Portman, Ewan McGregor, Samuel L. Jackson und Christopher Lee mitbringen.

Wann das Spektakel über die Bühne geht, ist noch unklar - offiziell startet „Episode III“ am 19. Mai weltweit in den Kinos. In Cannes läuft das Finale der Sternensaga übrigens außer Konkurrenz, so dass Lucas nicht auf Preise hoffen kann.

Jessica "Dark Angel" Alba mischt "Sin City" auf Bild: Buena Vista

Heiße Bräute im Sündenbabel

Anders dagegen die von der Fangemeinde sehnsüchtig erwartete Kultcomic-Verfilmung „Sin City“ von Regie-Rebell Robert Rodriguez. Der düstere Krimi läuft im Wettbewerb und wartet ganz allein mit einem Staraufgebot auf, das in manchem Jahrgang während des gesamten Festivals nicht zu erleben war: Bruce Willis, Mickey Rourke, Josh Hartnett, Jessica Alba, Elijah Wood, Rosario Dawson, Benicio Del Toro und Rutger Hauer fluchen und ballern sich durch die Stadt der Sünde.

Außerdem werden erwartet: Scarlett Johansson, Woody Allen, Val Kilmer, Danny Glover, Sharon Stone, Bill Murray, Tommy Lee Jones, William Hurt, Ed Harris, Kevin Bacon, Juliette Binoche und Edward Norton. Wer sich dann ab 11. Mai tatsächlich die Ehre auf dem Roten Teppich vor dem ehrwürdigen „Palais des Festival“ gibt, ist aber noch unklar.

Zum ersten mal in Cannes: Jungstar Scarlett Johansson Bild: Kurt Krieger

Buletten-Rächer und Schlager-Sirenen

David Cronenberg

In der Nebenreihe „Un Certain Regard“ läuft mit „Falscher Bekenner“ von Christoph Hochhäusler ein weiterer deutscher Beitrag. Auch Fatih Akins Musikdoku „Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul“ ist - wenn auch außer Konkurrenz - an der Côte d’Azur.

Kehrt zurück: Gus van Sant, Überraschungssieger von 2003 Bild: Kurt Krieger

Die Crème de la Crème des Weltkinos

Weitere Highlights im Wettbewerb sind Lars von TriersDogville„-Fortsetzung „Manderlay„, Jim Jarmuschs neues Werk „Broken Flowers„, die Joseph-Conrad-Verfilmung „Gabrielle“ mit Isabelle Huppert und das fiktive Musiker-Biopic „Last Days“ von Gus Van Sant. Der US-Regisseur hatte vor zwei Jahren mit „Elephant“ überraschend die Goldene Palme und den Preis für die beste Regie abgeräumt. Letztes Jahr hatte die Jury nicht minder sensationell mit Michael MooresFahrenheit 9/11“ erstmals einer Doku die höchste Auszeichung verliehen.

Wer 2005 über Palmzweige in Edelmetall jubeln darf, stellt sich bei der Verleihungszeremonie am Samstag, den 21. Mai, heraus - bevor das 58. Festival de Cannes mit der Schlussfeier am 22. Mai den letzten Vorhang fallen lässt.

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