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Leben & Werk

Protegiert von ihren Rödelheimer Hartreim-Kollegen mauserte sich Sabrina Setlur als schlagfertige Schwester S zur erfolgreichsten Rapperin Deutschlands. Später verabschiedete sie sich von ihrem Alter Ego und startete eine Parallelkarriere als Klatschspalten-Diva.

Anfang der 90er formierte sich in der jungen deutschen HipHop-Szene mit dem Rödelheim Hartreim Projekt ein gewichtiger musikalischer Gegenpool zu den damaligen Genre-Größen, den Fantastischen Vier. Deutlich tougher als die unbeschwerten Schwaben wurden die zwei Rödelheimer Moses Pelham und Thomas Hofmann bald zur zweiten treibenden Kraft im deutschen Rap. Während die beiden Rapper als Aushängeschild der Gruppe fungierten, stand hinter dem Projekt ein stetig wachsendes HipHop-Kollektiv aus Produzenten, Musikern und Rappern, das sich schließlich zur Rap-Schmiede 3p – Pelham Power Productions verdichtete und in den folgenden Jahren Startkatapult für einige der erstaunlichsten Karrieren der deutschen Pop-Szene werden sollte.

Zum harten 3p-Kern zählte bereits ganz zu Anfang die 1974 als Tochter indischer Einwanderer in Frankfurt geborene Sabrina Setlur. Schon früh überzeugte sie ihre Jungendfreunde Pelham und Hofmann von ihrem Rap-Talent und durfte 1994 unter ihrem Pseudonym Schwester S auf dem Debütalbum des Rödelheim Hartreim Projekts mitwirken. Auch auf der ausgedehnten Deutschland-Tour des Projekts war sie mit von der Partie. Wenig später machte sich Setlur gemeinsam mit Pelham und Haas an die Produktion ihrer Solo-Debütsingle „Hier kommt die Schwester“, die 1995 auf den Markt kam und rasch für Aufsehen sorgte – schließlich waren weibliche HipHop-Künstler zur damaligen Zeit eher rar gesät. Das folgende Album „S ist soweit“ wurde zum durchschlagenden Erfolg. Mit der Single „Ja klar“, auf der sich Setlur ein witzig-abgeklärtes Flirt-Duell mit Pelham und Hofmann lieferte, gelang ein umfassender Hit.

1997 entledigte Setlur sich ihres Alter Ego und trat fortan unter ihrem echten Namen auf. Auf ihrem zweiten Album „Die neue S-Klasse“ präsentierte sie sich optisch von einer deutlich erotischeren Seite, ohne in ihren Raps die gewohnte Härte vermissen zu lassen. Mit der Single „Du liebst mich nicht“ gelang der erste Nummer-eins-Hit und damit der endgültige Aufstieg in die Oberliga des deutschen Rap. Die Verkaufszahlen des Album zogen dementsprechend kräftig an, und es war zu dieser Zeit unzweifelhaft, wem der Titel der Königin des deutschen Rap gebürte – zumal Setlur nach wie vor als Deutschrapperin ziemlich allein auf weiter Flur stand. Diese Ausnahmestellung verdeutlichte nicht zuletzt der Gewinn des Echo als „beste nationale Künstlerin“ 1998. Parallel moderierte Setlur eine wöchentliche HipHop-Sendung beim Hessischen Rundfunk und steuerte für diverse 3p-Produktionen Gesangsparts bei.

Die überaus erfolgreiche 3p-Posse präsentierte sich seinerzeit als eingeschworene Gemeinschaft und bezeichnete sich oft und gerne als eine Art Familie, deren Mitglieder einander gegenseitig als Karrierekatapult dienten. So nutzte Setlur ihre Popularität, um die Karriere des jungen Soul-Sängers Xavier Naidoo in Schwung zu bringen, der ebenfalls bereits auf dem Rödelheim-Debüt mitgewirkt hatte. Unter dem Titel Sabrina Setlur introducing Xavier Naidoo veröffentlichte die Sängerin im November 1997 die Single „Freisein“, auf der der Sänger den Hauptteil der Gesangs-Parts ablieferte und seine außergewöhnliche Stimme erstmals in voller Pracht präsentieren konnte. Für Naidoo markierte die Single den Startpunkt für eine der triumphalsten Pop-Karrieren der jüngeren deutschen Popmusik.

Nachdem sie auf der Single „Folge dem Stern“ mit dem Rapper Illmatic einem weiteren Nachwuchs-3pler Schützenhilfe gegeben hatte, machte sich Setlur an die Aufnahmen zu ihrem dritten Album. Auf „Aus der Sicht und mit den Worten von …“ präsentierte sich die Künstlerin 1999 von einer deutlich reiferen Seite und auch musikalisch lotete sie neue Regionen aus, was von der Musikpresse durchaus wohlwollend aufgenommen wurde. Auch die Verkaufszahlen entwickelten sich erfreulich, und die Platte wurde bald mit Gold ausgezeichnet. Setlurs Karriere erlebte zu dieser Zeit auf mehreren Ebenen einen Höhepunkt: Anfang 2000 erhielt sie ihren zweiten Echo als „Beste nationale Künstlerin“ und auch in der Klatschpresse war die hübsche Sängerin mittlerweile Dauergast. So kürte etwa die „Bild“-Zeitung die Sängerin zur „erotischsten Frau Deutschlands“ und berichtete ausführlich über ihre diversen, angeblichen Affären und Bekanntschaften. Besonders die Kurzbeziehung mit Ex-Tennis-Profi Boris Becker sorgte für gewaltiges Rauschen im Blätterwald, und die Künstlerin stand öfter wegen privater Verstrickungen als wegen ihrer Musik im Rampenlicht.

Und Setlur lieferte der Klatschpresse auch weiterhin reichlich Futter: So verlor sie wegen Trunkenheit am Steuer ihren Führerschein oder verklagte das Magazin „Max“, das unberechtigterweise Nacktaufnahmen von ihr veröffentlicht hatte. Die Erfahrungen als Society-Star bildeten dann auch das Hauptthema der Texte ihres vierten Albums „Sabs“ (2003). „Ich bin so, dass die ‚Bild‘-Zeitung über mich schreiben will“ brachte die Sängerin ihr neues Selbstverständnis in der Single „Ich bin so“ auf den Punkt und thematisierte in anderen Songs ihre medienwirksame Affäre mit dem ehemaligen Tennis-Spieler: „Wollt ihr harte Stories, wie es war mit Boris?“. Dennoch konnte Setlur mit „Sabs“ nicht an alte Erfolge anknüpfen: Die CD erreichte lediglich Platz elf der Charts und verabschiedete sich bereits nach mageren fünf Wochen wieder daraus. Auch ihre Teilnahme an der deutschen Vorausscheidung zum Grand Prix 2003 mit der Single „Liebe“ war nicht von Erfolg gekrönt. Setlur setzte dementsprechend wieder verstärkt auf ihre mediale Strahlkraft und übernahm einen Juroren-Posten in der zweiten Staffel der Casting-Show Popstars. Ihr zehnjähriges Karrierejubiläum feierte die Rapperin Anfang 2005 mit dem Best-Of-Album „10 Jahre – Das Beste von 1995 bis 2004“. Die CD debütierte auf Rang 61 der Charts.

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