Leben & Werk

Sie war ein Naturtalent und hat in ihrem kurzen Leben vom kessen Teenager bis zur desillusionierten Frau Rollen verkörpert, die sie zu einer der eindringlichsten deutschen Schauspielerinnen in Film, TV und auf der Bühne machten. Sabine Sinjen (1942-1995) brachte die Kraft des Zarten auf den Punkt. In den frühen Rollen träumerisch, beinahe flehentlich darum berühmt, ernst genommen zu werden, wird sie in „Die Frühreifen“ (1957) verführt und begeht Selbstmord und zeigt an der Seite von Romy Schneider in „Mädchen in Uniform“ (1958) eine seltsame Todessehnsucht, die ihre Lebensfreude „frisst“. Dazwischen stehen quirlige Rollen wie die „süße Biene“ in „Stefanie“ (1958), die sich einen Architekten angelt.

Sinjens Augen zeugen vom Flair der Melancholie, von Verlust, Schmerz und von Geheimnissen einer Seele, die sich auf keinen Fall wirklich preisgeben will. Ihre Motive, ob als Geliebte („Wir - Zwei“) oder Giftmörderin („Gesche Gottfried“), sind nie eindeutig, hinterlassen aufregende Rätsel. Schönheit geht einher mit Würde, die warme weiche Stimme, oft engelhaft, fordert Aufmerksamkeit.

Sabine Sinjen wurde 1942 in Itzehoe geboren, trat im Kinderfunk auf, nahm Schauspielunterricht und erhielt nach ihrem ersten Film einen Siebenjahresvertrag von Artur Brauners Firma, der aber vorzeitig gelöst wurde, weil es Sinjen zur Bühne zog, wo sie von 1961 bis 1991 in über 50 Stücken auftrat. Im Fernsehen kam sie auf noch mehr Rollen und gehörte u.a. zum Ensemble der populären Serie „Alle meine Tiere„, Vorläufer entsprechender Familienserien-Formate.

In die Filmgeschichte ging Sinjen mit der Rolle der unabhängigen selbstbewussten jungen Frau in Ulrich Schamonis „Es“ (1965) und „Alle Jahre wieder“ (1967) ein. In beiden Filmen ist sie die Geliebte, die bei ihren Männern keine Liebe findet und ihr Schicksal in die eigenen Hände nimmt, ihr Kind („Es“) abtreibt oder sich im Provinzmief von Münster zur Weihnachtszeit durchschlägt.

Sinjen war 21 Jahre mit dem Regisseur Peter Beauvais verheiratet. Sie verlor bei der dritten Tumoroperation 1986 ihr rechtes Auge und starb an den Folgen ihrer Krebskrankheit. Zu ihren Auszeichnungen gehören der Bambi 1958, das Deutsche Filmband in Gold 1966 (für „Es“), der Ernst-Lubitsch-Preis 1971 und 1992 der Verdienstorden des Landes Berlin. Sinjen veröffentlichte im Jahr ihres Todes die Autobiografie „Schauspielerin. Aufzeichnungen aus meinem Leben“.

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