„Er macht dich nur einen Abend lang glücklich“, weiß Oscargewinnerin Louise Fletcher. „Um deine Karriere kümmert sich der Academy Award nicht!“

Nach seinem Oscar jahrelang abgestürzt: Richard Dreyfuss Bild: Warner

Ist ein Oscar wirklich der ultimative Ritterschlag der Traumfabrik? In den vergangenen Jahren haben nicht nur Julia Roberts, Russell Crowe und Denzel Washington die begehrte Trophäe erhalten, sondern auch Chris Cooper, Jim Broadbent und Marcia Gay Harden. Geläufig sind letztere Namen den meisten Otto Normalkinogängern nicht, geschweige denn Louise Fletcher. Aber sogar viele Schauspieler, die nach ihrer Auszeichnung in aller Munde waren, sind oft schon bald keine Sterne am Hollywoodhimmel mehr.

Paradebeispiel ist Richard Dreyfuss, der 1977 einen Goldjungen für seine Hauptrolle als karrieresüchtiger Schauspieler in „Der Untermieter“ erhielt. Von Karriere konnte bei Dreyfuss jedoch anschließend keine Rede mehr sein. Als ein Flop dem nächsten folgte, fing er an, Drogen zu nehmen. Dreyfuss genoss das wilde Partyleben in vollen Zügen - bis er wegen des Besitzes von Kokain festgenommen wurde. Erst nach einer Entziehungskur bekam der gefallene Star sein Leben wieder langsam in den Griff, doch ganz nach oben auf den Film-Olymp hat er es nie wieder geschafft.

Paltrows Tränenausbruch bei den Academy Awards ist inzwischen legendär Bild: Kurt Krieger

Jung, erfolgreich und übermütig

Bei den 50. Academy Awards war Richard Dreyfuss mit gerade mal 30 Lenzen der jüngste Schauspieler, der jemals einen Oscar bekommen hatte. Gwyneth Paltrow konnte sich schon im zarten Alter von 26 Jahren über den Preis als beste Hauptdarstellerin in „Shakespeare in Love“ freuen, trotzdem wurde auch ihr diese Ehre schnell zum Verhängnis.

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„Nach meinem Oscar habe ich mir bei der Rollenauswahl nicht viele Gedanken gemacht“, erinnert sich die blonde Schönheit. „Ich wollte rumexperimentieren und viel Geld verdienen. Heute würde ich diese Filme auf keinen Fall mehr machen!“

Wieder weg vom Fenster

Louise Fletcher als gnadenlose Schwester Ratched in "Einer flog über das Kuckucksnest" Bild: Tobis

Die Liste der Ex-Gewinner, die im vernichtenden Bann des Oscars stehen, ist lang. Angefangen von Rita Moreno, die 1961 für „West Side Story“ ausgezeichnet wurde, über Marlee Matlin, Cuba Gooding jr. und Brenda Fricker.

Im Gegensatz zu Dreyfuss und Paltrow haben viele von ihnen das Comeback nicht geschafft. Louise Fletcher, für „Einer flog über das Kuckucksnest“ 1975 zur besten Hauptdarstellerin gekürt, ergatterte anschließend nur Rollen in Filmen wie „Der Exorzist II„, „2 Tage L.A.“ oder „Invasion vom Mars„.

Nahm ihre "Goldene Himbeere" mit Humor: Halle Berry Bild: Kurt Krieger

Von ganz oben nach ganz unten

Kaum hat ein Schauspieler das goldene Männchen auf dem Kaminsims stehen, sind die Erwartungen extrem hoch. Gleichzeitig werden viele Preisträger für kleinere Projekte zu teuer, schließlich kennen deren Agenten den Marktwert ihrer Kunden und ziehen Blockbuster mit hohen Gagen vor.

Halle Berry

In "Amadeus" ist Abraham als Antonio Salieri neidisch auf Kollege Mozart Bild: Tobis

Das Murray-Abraham-Syndrom

Das Phänomen, bei dem auf die Erfüllung des größten Traums plötzlich der größte Albtraum folgt, heißt im Hollywood-Jargon „Das F. Murray Abraham-Syndrom“. Es ist nach dem Mann benannt, der 1984 einen vielversprechenden Start als Komponist Antonio Salieri in „Amadeus“ hinlegte und seitdem keine Chance mehr hatte, sein Können unter Beweis zu stellen. Damals war er einfach der richtige Schauspieler für den richtigen Film.

Oscar hin oder her, was zählt ist, an welche Filme und Rollen sich die Zuschauer auch noch Jahrzehnte später erinnern. Das ist der ultimative Ritterschlag.

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