Der Kreißsaal des deutschen Films

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Rosa von Praunheim Poster

„Das hast du schön gesagt“, lobt Festivalleiter Heinz Badewitz den Regisseur Moritz Gerber, der die Hofer Filmtage mit seinen vielfältigen Beiträgen wunderbar treffend als den „Kreißsaal des deutschen Films“ bezeichnet. „Und das Publikum hat sich in der Rolle der Hebamme mal wieder bewährt“, fasst Gerber die Reaktionen auf seinen Film „Tag am Meer“ zusammen.

Der Eröffnungsfilm "Im Winter ein Jahr" von Caroline Link sorgte in Hof für viel Gesprächsstoff Bild: Constantin

Der Film „Tag am Meer“ zeigt Dave, der als DJ mit eigenem Plattenladen Vieles erreicht hat und gerade wieder mit seiner Freundin zusammengekommen ist. Doch als die deutlich jüngere und attraktive Französin Alice zufällig in sein Leben tritt, gerät dieses aus dem Takt - Dave muss sich entscheiden, welche Ausfahrt er wählen soll. Der Weg dorthin wird von Moritz Gerber wunderbar erzählt und mündet in einem überraschenden und keineswegs erzwungenen Ende.

Auch bei der 42. Auflage dürfen sich Filmemacher auf den Leinwänden der Hofer Kinos austoben, so ergab sich erneut eine wunderschöne Mischung aus Geheimtipps, großen Stars und ebenso großen Talenten gefunden. Der Eröffnungsfilm „Im Winter ein Jahr“ setzt zwar vordergründig auf bekannte Namen und hat mit Caroline Link sogar einen Oscar-Bonus, passt aber dennoch vorzüglich in das Gesamtprogramm des kultigen Filmfests.

Skandal-Regisseur Rosa von Praunheim freute sich über den Filmpreis der Stadt Hof Bild: Fabian Döhla

Seit 39 Jahren in Hof dabei

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Link gibt den Hauptfiguren viel Zeit, um sich auf der Leinwand gebührend zu entfalten. Josef Bierbichler und Karoline Herfurth glänzen in dieser Romanverfilmung besonders. Bierbichler spielt den Maler Max Hollander, der auf Wunsch von Mutter Eliane (Corinna Harfouch) ein Porträt von Lilli (Karoline Herfuth) und ihrem Bruder anfertigen soll. Lilli ist von dieser Idee anfangs wenig begeistert, da ihr Bruder erst kürzlich bei einem Unfall verstorben ist, legt ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Gemälde aber nach und nach ab.

Der jedes Jahr verliehene Filmpreis der Stadt Hof geht in diesem Jahr an Rosa von Praunheim, der in Hof seit 1969 mit Filmen vertreten ist und auch dieses Mal mit „Der Rosa Riese“ einen kontroversen Beitrag zu den Hofer Filmtagen liefert.

„Der rote Punkt“ auf der Landkarte

"Der rote Punkt" von Marie Miyayama erhielt den Förderpreis des deutschen Films Bild: Fabian Döhla

Mit dem Förderpreis des deutschen Films zeichent die Jury die Macher des Films „Der rote Punkt“ aus. Der von Marie Miyayama inszenierte Film begleitet die japanische Studentin Aki Onodera auf der Suche nach den Spuren ihrer Eltern. Dabei landet sie im Allgäu bei Familie Weber und steuert auf der Suche nach dem roten Punkt, der eine Stelle auf einer Landkarten beschreibt, nicht nur ihr eigenes Leben in eine neue Spur, sondern fördert auch einen bislang geheimem Teil des Lebens ihrer deutschen Gastfamilie an die Oberfläche.

Eher unter der Oberfläche brodelt es bei Familie Frick, die im Drama „In jeder Sekunde“ an der Erkrankung ihrer Tochter zu zerbrechen drohen. Doktor Frick (gespielt von Sebastian Koch) stürzt sich in seinen Job als Leiter einer psychiatrischen Anstalt und setzt alles aufs Spiel, als er sich in die Galeristin Luisa verliebt. Der Veranstaltungsmanager Christoph (Wotan Wilke Möhring) ist einer der Hauptdarsteller im zweiten Handlungsstrang. Seine Freundin Sarah(Mina Tander) hat er aufgrund seines chaotischen Lebenswandels verloren, stürzt sie allerdings ins Chaos, als er sie zurückgewinnen will.

Ob sie wohl kommt? Florian Lukas und Kostja Ullmann "Warten auf Angelina" Bild: Farbfilm (Barnsteiner)

Wo bleibt Angelina?

Mit der Hoffnung auf sich kreuzende Wege machen sich auch die beiden Fotografen Maik Tremper (Florian Lukas) und Momme (Kostja Ullmann) auf den Weg. In „Warten auf Angelina“ verbringen Promiknipser Maik und der Angelina-Jolie-Fan Momme mehrerer Tage auf dem Balkon einer Berliner Nobelwohnung - von der man laut Insidertipps beste Aussicht auf der Berliner Domizil von Traumpaar Brad Pitt und Angelina Jolie haben soll. Regisseur Hans-Christoph Blumenberg zeigt in dem lustigen aber anspruchsvollen Film das Aufeinandertreffen von zwei völlig unterschiedlichen Charakteren, die sich nur langsam und anfangs reichlich gequält miteinander arrangieren.

Ebenfalls eine Beziehung, diesmal jedoch von vier Männern, zeigt „Alter und Schönheit“ von Michael Klier. In dem mit Armin Rohde, Henry Hübchen und Peter Lohmeyer hochkarätig besetzten Film geht es um das letzte Treffen von vier Männern in den besten Jahren - da Manni (Peter Lohmeyer), der Jüngste von ihnen, schwer erkrankt ist und nur noch kurze Zeit zu leben hat. Zwischen Spaß im Ferrari und einer guten Zeit am Pool finden sich die Freunde schließlich selbst und hinterfragen ihr bisheriges Leben.

Wie immer gut besucht: die Hofer Filmtage sind für jeden Filmfan ein Pflichttermin Bild: Fabian Döhla

Popcorn verboten

Nach sechs Tagen auf den 42. Internationalen Hofer Filmtagen fällt es nicht schwer, sich dem positiven Fazit der Veranstalter anzuschließen. Es war noch schöner als im Vorjahr, wieder etwas größer und lief wie immer gewohnt reibungslos. Bei insgesamt 30.000 Gästen verdient aber die herzliche und unheimlich dichte Atmosphäre in und rund um die Kinos das dickste Lob.

Das Kunstwerk Film und die von ihm transportierte Stimmung wird in Hof also nicht nur geboren, sondern auch zelebriert - allerdings ohne Popcorn. Denn „die Filmtage sind kein Popcorn-Kino“, wie es Heinz Badewitz unlängst festgelegt hat. Vermisst hat das klebrige und akustisch mitunter nervtötende Kinofutter niemand - weil es neben viel Herz, Stars, rauschenden Festen und den traditionellen Bratwürsten sowieseo keine Chance hätte.

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