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"Wir müssen zusammenhalten": Interview mit Regisseur Jan Hrebejk

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Roberto Benigni Poster

Jan Hrebejk

Marie und David

Herr Hrebejk, Ihr Film „Wir müssen zusammenhalten“ wurde vergangenes Jahr für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert. Von der Berlinale wurde er abgelehnt. Warum?

Er missfiel Hans-Joachim Schlegel, zuständiger Auslandsdelegierte der Berlinale für Tschechien. Ihn hat es sehr gestört, dass die slowakischen Schauspieler deutsch sprechen. Stattdessen nominierte Herr Schlegel „Der Lebensborn“ von Milan Cieslar, ein Film, der in Tschechien floppte. Meiner Meinung nach ist Schlegel als Auslandsdelegierter nicht geeignet. Man sollte ihn absetzen wie seine italienische Kollegin, die einen so starken Film wie Roberto Benignis Tragikomödie „Das Leben ist schön“ abgelehnt hatte.

Horst und Marie beim Picknick

Apropos „Das Leben ist schön“: Dieser Film verarbeitet ganz ähnlich wie „Wir müssen zusammenhalten“ den Holocaust auf tragikomische Weise. Dafür hat Benigni teils böse Kritiken hinnehmen müssen.

Diese beiden Filme zu vergleichen ist sicher richtig, trotz allem verarbeiten sie dieses Thema unterschiedlich. Es ist wohl auch eine Tradition des tschechischen Kinos, dass man sich mit dem Thema sehr intensiv auseinander setzt. Schon in den 60er Jahren gab es ganz bedeutende Filme und in den 90er Jahren hatte zuletzt Jirí Menzel einen gemacht. Offenbar sind die Tschechen in der Lage, diese Tragik komisch umzusetzen, das ist vielleicht auch eine Frage der Mentalität.

In Deutschland könnte es sich ein Regisseur kaum leisten, einen Kollaborateur zu zeigen, der im Laufe des Films einen guten Charakter annimmt wie Horst Prohasek. Man würde unterstellen, er wolle Mitläufer entschuldigen. Was für ein Menschenbild hat man in Tschechien von Mitläufern und Kollaborateuren?

Auch in Tschechien werden diese Zeiten hart aufgearbeitet. Es wird dann auch hart mit den Leuten ins Gericht gegangen, die nicht im Widerstand waren. Es geht um Schuld und Unschuld, Gut und Böse. In meinem Film sind die Charaktere absichtlich nicht so eindeutig. Ich wollte nicht polarisieren. Es gibt meines Erachtens keine Menschen, die ausschließlich gut oder böse sind. Damit will ich nicht Feigheit oder Mitläufertum entschuldigen. Für mich ist allerdings der größte Feind einer Gesellschaft Angst. Angst ist auch ein Feind jeder Demokratie.

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Horst Prohasek hat Glück, er wird nach Kriegsende begnadet. Nach dem Prinzip „Eine Hand wäscht die andere“?

Der Film will sagen: Habt Mitleid mit den Menschen. Aber die Szene fand ich am Anfang lustig, weil sich plötzlich die Perspektive ändert. Und jeder erfährt ein Geheimnis des Anderen mehr, aber nie die ganze Wahrheit.

Ist die Parole des Titels „Wir müssen zusammenhalten“ trotz des oft häufigen ironischen Untertons auch ernst gemeint?

Ja, aber nicht nur das: Wir müssen aufpassen. Man muss skeptisch sein, wer das sagt.

In der Schluss-Szene sieht Josef am Tisch noch einmal visionär die jüdische Familie des jungen Mannes sitzen, den er gerettet hat. Ein Happy End?

Es ist ein ironisches, eigentlich gefälschtes Happy End. Maries Kind wird geboren, man hört die Kantate und versucht zu verzeihen. Aber gleichzeitig weiß man auch, wie es weitergeht.

Das Interview führte Kirsten Liese.

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