Robert Duvall

Robert Duvall

Leben & Werk

Er schrieb sich in die Filmgeschichte mit dem Satz “Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen” ein. So machte er sich in Francis Ford Coppolas Vietnamkriegs-Vision “Apocalypse Now” unsterblich, wo er als Lieutenant Colonel Kilgore zu den Klängen von Wagners “Walkürenritt” ein Dorf in die Steinzeit bombt, um seine Leute am Strand surfen zu sehen. Seinen Durchbruch erzielte Robert Duvall als Mafia-Anwalt Tom Haden in Coppolas “Der Pate”, nahm die Rolle im zweiten Teil wieder auf, spielte aber wegen Differenzen um das Honorar nicht im dritten Teil der Trilogie. Dafür sprach er 2005 in der Videogame-Version des Klassikers wieder seinen berühmten Anwalt des Paten.

Robert Selden Duvall gehört zu den wichtigen Schauspielern des New Hollywood und hat als Charakterdarsteller über 130 Filme geprägt. Der Theaterlehrer Sanford Meisner hat mal gesagt: “Es gibt in ganz Amerika nur zwei Schauspieler. Der eine ist Marlon Brando … der andere ist Robert Duvall.” Duvall recherchiert für seine Rollen wie ein Wissenschaftler, vertieft sich in Gespräche mit Polizisten, Soldaten, Alkoholikern oder Predigern. Die “New York Times” nannte ihn “den amerikanischen Laurence Olivier”. Duvall befolgt die Technik, ein Schauspieler solle auf jede Theatralik verzichten und sich um eine lebensnahe Darstellung bemühen. Wenn Duvall Regie führt, schärft er seinen Darstellern ein: “Bloß nicht schauspielern!”

Robert Selden Duvall wurde 1931 in San Diego als Sohn eines Admirals und einer Laienschauspielerin geboren, studierte am Prince College in Illinois und ging als junger GI in den Koreakrieg. Seit 1995 in New York, wurde er am Neighbourhood Playhouse ausgebildet und bildete mit Gene Hackman und Dustin Hoffman eine Wohngemeinschaft, die für Streiche, Schlägereien in Bars und Frauenkonsum berüchtigt war. Duvall spielte in zahlreichen TV-Serien, debütierte 1962 im Klassiker “Wer die Nachtigall stört” als einfältiger Boo und hatte lange Lehrjahre am Theater und beim Fernsehen hinter sich, bis er mit den Filmen des New Hollywood anerkannter Charakterdarsteller wurde. Sein Mafia-Anwalt Tom Haden, düster, skrupellos und effektiv, legte als Bürokrat des Todes jene gnadenlose Härte an den Tag, die Duvalls Figuren im eher pragmatischen Kontext auszeichnet: Ihr Niederwalzen aller Widerstände ist kein Streben nach Erfolg oder Karriere mehr, sondern die Aktion des selbstherrlichen Tatmenschen, der James Caan in Sam Peckinpahs “Die Killer Elite” die Knie zerschießt, Treat Williams in “Die Jagd” unerbittlich verfolgt und den durchgeknallten Jedermann Michael Douglas in “Falling Down” erschießt. Sadismus legt sein Diktator in Volker Schlöndorffs “Geschichte der Dienerin”, Ekel sein Anwalt des Bösen in “Zivilprozess” und Wahnsinn sein Rednek in Robert Altmans “Gingerbread Man” an den Tag.

Duvalls Entschlossenheit und Härte prädestinierte ihn für Western-Rollen in der Mini-Serie” Lonesome Dove”, in “Open Range“, in Walter Hills “Broken Trail” und als General Robert E. Lee, Oberbefehlshaber der Südstaaten, im Bürgerkriegs-Western “Gods and Generals” (2003). Duvall stammt selbst von Lee ab und kann seine Ahnenreihe in indirekter Linie bis zu George Washington zurückverfolgen. Teile von “Gods and Generals” wurden auf Duvalls Land gedreht.

Duvall führte bei einem Dokumentarfilm (“We’re not the Jet Set”) und drei Spielfilmen Regie: 1982 bei “Angelo, My Love” (über Zigeuner in New York), 1997 bei “The Apostle”, wo er die Hauptrolle des fanatischen Predigers übernahm, und 2002 bei “Killing Moves – Assassination Tango”.

Duvall war sechs Mal für den Oscar nominiert und gewann ihn 1983 für seine Rolle des trunksüchtigen Country-Sängers in “Tender Mercies – Das Comeback der Liebe”. Für die Titelrolle des HBO-Films “Stalin” gewann er 1992 den Golden Globe. 2003 erhielt er seinen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood.

Robert Duvall ist drei Mal geschieden und seit 2005 zum vierten Mal verheiratet. Er hat keine Kinder.

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