Rio Reiser

Schauspieler • Musiker

Leben & Werk

Der Sänger, Gitarrist und Songschreiber Rio Reiser ist eine deutsche Pop-Ikone: Als Mitglied der Gruppe Ton, Steine, Scherben war er in den Siebzigern auch politisch sehr aktiv. Nach Auflösung der Gruppe startete er eine erfolgreiche Solokarriere, die ihn schließlich zum „König von Deutschland“ (Songtitel) machte. Ralph Christian Möbius kommt am 9. Januar 1950 in Berlin zur Welt. Früh bringt sich der Beatles- und Stones-Fan selbst das Gitarrespielen bei. Als Fünfzehnjähriger schließt er sich der Band Degalaxis an und beginnt eine Ausbildung in einem Fotolabor, die er später wieder abbricht, um nach Berlin zu ziehen, wo er an der Rockoper „Robinson 2000“ (1967) mitwirkt. 1968 wird er Mitglied im Theaterkollektiv Hoffmans Comic Theater. 1970 erscheint die erste Single der neu gegründeten Band Ton, Steine, Scherben (nach einem Zitat des Troja-Entdeckers Heinrich Schliemann), „Macht kaputt, was euch kaputt macht“. Ralph Möbius wird nun zu Rio Reiser. Sein Pseudonym entlehnt er aus dem Roman „Anton Reiser“ von Karl Philipp Moritz. Mit den in der Hausbesetzerszene schnell zu Kultfiguren hochstilisierten Scherben wird Reiser zwar bundesweit bekannt, bleibt durch die selbst auferlegten ideologischen Grundsätze jedoch kommerziell erfolglos. 1983 präsentiert er, nur von einem Pianisten begleitet, in Hamburg erstmals ein Soloprogramm aus Liedern von Marlene Dietrich, den Stones und Eigenkompositionen. 1984 erscheint die alberne Single „Dr. Sommer“, die aber ohne Echo bleibt. Nach der Auflösung der Scherben 1985 (mit geschätzten 300.000 Mark Schulden) veröffentlicht Rio Reiser 1986 sein mit der Crème deutscher Studiomusiker eingespieltes Solo-Debüt „Rio I.“ Der ironische Deutschrock kommt gut an. „Alles Lüge“ wird zum Wahlkampfslogan der Grünen, die Single „König von Deutschland“ platziert sich in den Hitparaden. Der Album-Nachfolger „Blinder Passagier“ (1987) indes vermag die hohen wirtschaftlichen Erwartungen nicht zu erfüllen. Ende 1987 äußert sich Reiser in öffentlichen Diskussionen erstmals zum Thema Aids. 1989 debütiert er als Schauspieler im Schimanski-Tatort „Der Pott“. Im selben Jahr erhält er von der Stadt Unna den Auftrag, eine Oper über die französische Revolution zu komponieren. Er schreibt preisgekrönte Texte für die Schlagersängerin Marianne Rosenberg und veröffentlicht 1990 wieder ein eigenes Album, „Rio ***“. Seine Mitgliedschaft in der PDS, welcher er ebenfalls 1990 beitritt, führt dazu, dass ihn verschiedene Radiosender und auch der neue TV-Gigant VIVA boykottieren. Auf seinen späten Alben liefert Rio Reiser solide, gitarrenbetonte Rockmusik und nachdenkliche Alltagsgeschichten. 1995 erscheint Rios letztes Album „Himmel und Hölle“, auf dem sich auch die Scherben-Ballade „Eislied“ befindet. Rio Reiser stirbt am 20. August 1996 in seinem Haus in Fresenhagen an den Folgen von Aids. Mit Unterstützung der damaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis wird er dort begraben. Der Bauernhof ist heute eine Tagungs- und Pilgerstätte für Kulturschaffende.

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