Richard Linklater

Richard Linklater

Leben & Werk

Die Inkarnation des amerikanischen Independent-Films. Als Autodidakt und Autorenregisseur mit originellen, innovativen und experimentellen Ansprüchen trug Richard Linklater in den 1990er-Jahren mit Steven Soderbergh wesentlich zur Renaissance des amerikanischen Independent-Kinos im Geist des New American Cinema der 1960er-Jahre und dessen Übervater John Cassavetes bei. Durch Linklater wurde „Slacker“ zum (später abgenutzten) Begriff für die driftende, orientierungslose Jugend der so genannten Generation X, deren Lebenseinstellung er in dialogreichen nuancierten Ensemblefilmen begleitete, die den Nerv der Zeit trafen, als in Form gebrachte Flüchtigkeit Meisterwerke des spontanen Films sind und die dänischen „Dogma“-Werke vorwegnahmen. Linklater förderte Talente wie Ethan Hawke, erprobte sich in Genrekino und Animationstechniken und beherrscht von der Liebesromanze bis zur Satire Stile und Formate. Auf den gelegentlich kritisierten Dialogreichtum seiner Filme angesprochen, antwortete er: „Ich habe da einen Plan B. Meine Filme müssten eigentlich mit mehr Dialog arbeiten.“

Linklater gelang 1991 der Durchbruch mit „Slacker“, Kamera-Odyssee durch Austin, Texas, wo er Personen und ihre Geschichten aufgreift und wieder verlässt. Bereits hier zeigt sich Linklaters Vorliebe für Geschichten, die sich in 24 Stunden abspielen, so in „Dazed and Confused – Sommer der Ausgeflippten“ (1993), melancholische Jugendballade über einen Tag im Jahr 1976. Das Vignettenartige wiederholt sich in intimeren Werken wie „Before Sunrise“ (1995), wo er das Paar Ethan Hawke und Julie Delpy auf ihrem Streifzug durch Wien begleitet, und in dessen zweitem Akt „Before Sunset“ (2004), wo er das Paar durch Paris führt. Im dritten Akt „Before Midnight“ (2013) präsentiert er die beiden als gereifte Menschen, die mit Kindern nun mehr Verantwortung übernehmen müssen.

Linklaters inszenatorische Freiheit, Personen und Situationen aufzugreifen und nach Belieben zu verlassen, prägt selbst eine Satire wie die Bestsellerverfilmung „Fast Food Nation“ (2006), die Imbissketten und Konsumenten ebenso attackiert wie hilflose Öko-Aktivisten, die nicht wissen, wie man eine Kuhherde befreit.

Zu Linklaters innovativen Arbeiten gehören die mit der Technik übermalter Videoaufnahmen von real inszenierten Szenen gedrehten „Waking Life“ (2001) und „A Scanner Darkly“ (2006), grafische Film-Romane, die als aufregende Meta-Filme wie die „Matrix“-Trilogie Neuland mit Wolken-Personen in Zwischenzonen betreten. In „Waking Life“ sucht ein junger Mann Lebenssinn, in der Verfilmung von Philip K. Dicks SF-Story „A Scanner Darkly“ spielen Keanu Reeves und Winona Ryder in einer tragikomischen Parabel über Drogen im Amerika der Zukunft. Der Spätwestern „The Newton Boys“ (1998) spielt mit Gangstern und Bankräubern; die Sportkomödie „Bad News Bears“ (2005) ist Remake des Films von 1977 mit Walter Matthau; „School of Rock“ (2003) zeigt den hinreißenden Jack Black, der mit Schülern eine Rock-Band gründet und fortführt, was Linklater prägt: „das Kontinuum der Jugendrebellion“.

Linklater wurde 1960 in Houston, Texas, als Sohn eines Versicherungsvertreters und einer Sprachpathologin geboren, verbrachte viel Zeit im Kino, studierte kurz Literatur und Theater, warf die Schule hin und arbeitete zwei Jahre auf einer Ölbohrplattform im Golf von Mexiko. 1984 zog er nach Austin, wo er bis heute lebt, experimentierte mit Super-8-Filmen, aus denen sein Debütfilm „It’s Impossible to Learn to Plow by Reading Books“ hervorging, gründete 1986 die Austin Film Society und realisierte 1990 mit 23.000 Dollar Produktionskosten „Slackers“, der den Durchbruch brachte und einer der erfolgreichsten Low-Budget-Filme wurde.

Linklater wurde 1995 in Berlin mit dem Silbernen Bären für die Regie von „Before Sunrise“ ausgezeichnet, erhielt 2001 in Venedig den „Cinema Avvenire“-Preis für „Waking Life“, der ihm auch den Preis für den Besten Animationsfilm 2002 in Ottawa einbrachte. 2001 wurde er mit dem John Cassavetes Award geehrt.

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