Leben & Werk

Französischer Regisseur, Drehbuchautor und Produzent (1898-1981). René Clair galt im Laufe immer als Dichter hinter der Kamera. Sein Schaffen lässt sich zeitlich in exakt zu bestimmende Phasen gliedern, seine 30 Filme, sowohl die avantgardistischen Arbeiten des jungen Rebellen als auch die komödienmilden Stoffe des reifen Qualitätsautors, zeichnen sich durch einen untrüglichen Sinn für filmische Bilderfindungen, poetische Visionen und satirische Spitzen wie Slapstick-Elemente aus. Clair war Surrealist der ersten Stunde mit „Entr’acte“ (1924), schuf am Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm mit „Unter den Dächern von Paris“ (1930) und „Es lebe die Freiheit“ (1931) innovatives stilbildendes Musik-, Klang- und Geräuschdesign. Er inszenierte während des Exils in Hollywood mit der Komödie „Meine Frau, die Hexe“ (1942) und dem Krimi „Das letzte Wochenende“ (1945, nach Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“) Kassiker und zollte nach der Rückkehr mit „Schweigen ist Gold“ (1947) ironischen Tribut an die Pioniere des Stummfilms. „Belles de nuit - Die Schönen der Nacht“ (1952) entführte in Traumwelten und wurde einer der großen Erfolge des französischen Nachkriegsfilms. Clair schloss sein Werk mit einem melancholischen Abschied von Paris in der Gaunerkomödie „Die Mausefalle“ (1957) ab.

Allen Filmen Clairs haftet Musikalität an. „Entr’acte“ wurde als Zwischenspiel des Ballets „Relache“ konzipiert und montagetechnisch auf die Kompositionen von Eric Satie abgestimmt. „Unter den Dächern von Paris“, der im Milieu einfacher Leute und Straßensänger spielt, setzt gezielt Alltagsgeräusche und Chansons ein, um die Handlung voranzutreiben. Das Titellied wurde ein Welterfolg. Der Held von „Es lebe die Freiheit“ schafft den Aufstieg vom Straßenhändler zum Besitzer einer Grammophonfabrik. „Der 14. Juli“ (1932) fängt am Nationalfeiertag im Rahmen einer Liebesgeschichte die Atmosphäre in den alten Pariser Vierteln ein. In „Die Mausefalle“ sind zwei Lieder des berühmten Chansonniers Georges Brassens, der selbst eine Rolle übernahm, für die Dramaturgie wichtig.

René Chomette, 1898 in Paris als Sohn eines Seifenfabrikanten geboren, erlebte die letzten Jahre des Ersten Weltkriegs 1917/18 als Soldat an der Front und schrieb erste Gedichte. Er arbeitete unter Pseudonym für Zeitungen, schrieb Filmkritiken, Chansons für Sängerin Damia und wirkte in einigen Filmen als Schauspieler mit. 1922 nahm er den Künstlernamen Clair an. 1923 folgte die erste Regiearbeit mit „Paris qui dort“. Die experimentierfreudige Pariser Odyssee mit auf dem Eiffelturm aufgenommenen Einstellungen zog die Aufmerksamkeit der Surrealisten an, die ihm „Entr’acte“ vermittelten, in dessen Feuerwerk von sensationellen Tricks und originellen Ideen Francis Picabia und Man Ray mitspielten.

1931 war „Es lebe die Freiheit“ mit Bildern von Fließbändern Vorbild für Chaplins „Moderne Zeiten“. Die deutsche Koproduktionsfirma Tobis strengte einen Plagiatsprozess an, doch Clair sah „Moderne Zeiten“ als Tribut an seinen Film. Nach dem Misserfolg der politischen Satire „Der letzte Milliardär“ (1934) inszenierte Clair in England für Alexander Korda die Komödie „Ein Gespenst geht auf Reisen“ mit Charles Laughton. 1940 floh er wegen der deutschen Besetzung über Spanien in die USA, wo er vier Spielfilme inszenierte. In den 50er-Jahren spielten Stars wie Martine Carol und Gina Lollobrigida („Die Schönen der Nacht“) für Clair, Brigitte Bardot und Michèle Morgan waren in der Militärkomödie „Das große Manöver“ (1955) zu sehen. Clairs letzter Film war die Soldatenkomödie „Die Festung fällt - Die Liebe lebt“ (1966, mit Jean-Pierre Cassel).

René Clair veröffentlichte 1951 unter dem Titel „Kino“ Aufsätze, Notizen und Reflexionen zum Film (dt. Neuausgabe 1995) und verfasste mehrere Romane („Adam“, 1926; „Die Prinzessin von China“, 1951). 1960 wurde er als erster Cineast in die Académie Francaise aufgenommen. Clairs Bruder Henri Chomette (1896-1941) war ebenfalls Regisseur.

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