Leben & Werk

Der Realist unter den deutschen Regisseuren. Mit klarem Sozialblick, Engagement und Mut für politische Stoffe und filmische Experimente wurde Reinhard Hauff der Mann fürs Risiko im Jungen Deutschen Film und inszenierte gleichermaßen fürs Kino und Fernsehen. Im Gespräch verweist er gern auf die Authentizität seiner Schauplätze und die Leistungen der Schauspieler. Der deutsche Film verdankt ihm eine Reihe herausragender Arbeiten. Mehrere der fürs Fernsehen gedrehten Filme sind im Kino gelaufen. Hauff thematisierte als einer der ersten die Apo, den Arbeiterwiderstand gegen Hitler, belebte den Heimatfilm, sah den Fall der Mauer voraus und inszenierte eines der wenigen deutschen Musicals.

Geboren 1939 in Marbug an der Lahn, studierte Hauff Germanistik und Theaterwissenschaften in Wien. Als Student kam er mit verschiedenen Theatergruppen, so dem Grips-Theater in Berührung. In den Semesterferien volontierte er bei der Bavaria in München und wurde Assistent von Michael Pfleghar. Die Arbeit mit dem Kosmopoliten Pfleghar, der innovative Unterhaltungs- und Showsendungen produzierte, führte Hauff zu Musikdokumentationen und Unterhaltungssendungen mit Esther und Abi Ofarim, Janis Joplin und Wilson Pickett und der Aufsehen erregenden Satire „Wirb oder stirb“.

Hauff thematisierte den politischen Protest der 68er in „Die Revolte „(1969). Nach einem Buch von Martin Sperr fand er für den kritischen Heimatfilm der Zeit in „Matthias Kneissl“ die Geschichte um einen legendären Wilderer und Volkshelden. Nach einem Roman von Franz-Josef Degenhardt entstand mit „Zündschnüre“ der erste Film über den Arbeiterwiderstand gegen Hitler. Die für die Zeit brutale Knast-Geschichte „Die Verrohung des Franz Blum“ (nach einem Roman von Burkhard Driest) machte Jürgen Prochnow zum Star. Die Geschichte des „Paule Pauländer“, eines Jungen vom Land, führte zu „Der Hauptdarsteller“ (1977), in dem ein Laiendarsteller nach Drehschluss zu seinem Regisseur ein Vater-Sohn-Verhältnis entwickeln will, das notwendigerweise scheitern muss.

Seitdem hat Hauff sieben Spielfilme für das Kino gedreht, darunter „Messer im Kopf„: Bruno Ganz wird von einem Polizisten angeschossen und verliert sein Gedächtnis. In „Der Mann auf der Mauer“ sieht Marius Müller-Westernhagen den Fall der Berliner Mauer voraus, im heftig umstrittenen „Stammheim“ debütiert Ulrich Tukur als RAF-Terrorist Andreas Baader. „Linie1“ bringt Hauff wieder mit dem Grips-Theater zusammen, es entsteht das in der Berliner U-Bahn spielende Musical. Auf den Spuren von Costa-Gavras‘ „Missing“ inszeniert Hauff mit Götz George den Politthriller „Blauäugig“, in dem George auf der Suche nach seiner Tochter in Argentinien allmählich zum Oppositionellen wird. Der Film erregte Aufsehen auf den Filmfestspielen in Venedig.

Hauff erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Deutschen Filmpreis 1979 für „Messer im Kopf“ und 1986 den Goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele für „Stammheim“. 2005 erhielt er als erster Preisträger der Deutschen Filmakademie den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises „Lola“ für sein Lebenswerk. Die Laudatio hielten Helmut Dietl und Bernd Eichinger, der speziell auf die Verdienste Hauffs als selbstloser Anreger, Ideengeber und aufgeschlossener Hochschullehrer einging.

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