Raoul Ruiz

Schauspieler • Producer • Regisseur • Drehbuchautor • Cutter

Leben & Werk

International arbeitender, chilenischer Regisseur und Drehbuchautor. Sein Werk ist ein cinematographischer Turm von Babel, in 40 Jahren hat er rund 90 Spielfilme inszeniert, deren Mehrzahl unbekannt ist, er arbeitete mit Weltstars wie Marcello Mastroianni und Catherine Deneuve und Laien, adaptierte Literatur von Racine bis Marcel Proust, experimentiert wie kein anderer außer Jean-Luc Godard mit Filmsprache und hat doch ein Dauerthema: die Ununterscheidbarkeit von Wirklichkeit und Traum und die Durchdringung der Realität mit fantastischen Elementen. Das Kino von Raoul Ruiz ist ein einziges intellektuelles Vexierspiel, voll mit Zeitsprüngen und Rückblenden, Hypothesen und literarischen Zitaten. Er benutzt traditionelle Dramaturgie, um sie ad absurdum zuführen, pendelt zwischen Bewegung und Stillstand, wagt erzählerische Brüche, spielt mit Identitäten und Visionen. Ruiz fügt wie Luis Bunuel surrealistische Bilder ein, ist von Sigmund Freuds Traumdeutung und Literatur von Edgar Allan Poe bis Franz Kafka, der Kunst von Max Ernst, Giorgio de Chirico und Salvador Dali sowie von Orson Welles‘ Filmen („F…for Fake“) beeinflusst. Wiederkehrendes Sinnbild seiner Filme ist die Spiegelung (wie bei Rainer Werner Fassbinder) und das Dekor, hinter dem ein anderes, alles relativierendes hervortritt.

Raoul Ruiz wird 1941 in Puerto Montt in Chile geboren und zieht wegen beginnender Tuberkulose mit der Familie aufs Land, wo er mit Literatur, einem Karabiner Kaliber 22mm und einem Filmprojektor aufwuchs. In Santiago studiert er Theologie und Jura, leitet den Filmclub der Universität, schreibt Dutzende kurzer Avantgarde-Bühnenstücke und inszeniert drei unvollendete Filme. 1968 erhält er für seinen ersten langen Spielfilm „Drei traurige Tiger“, der die sich kreuzenden Schicksalswege dreier Einwohner von Santiago verfolgt, den Goldenen Leoparden in Locarno. 1969 heiratet er Regisseurin Valeria Sarmiento, die Drehbücher für viele seiner Filme schreibt. Als militanter Sozialist, der für Salvador Allende eintritt, verlässt er nach dem Militärputsch von General Pinochet 1973 das Land und lebt seitdem im Exil in Paris. Erst 2004 kehrt er für Filmaufnahmen („Dias de campo“)kurzfristig in seine Heimat zurück.

In Frankreich reflektiert Ruiz politische Erfahrungen in „Flüchtlingsgespräche“ und gehört seit „Die Hypothese vom gestohlenen Bild“ (1978) zur Avantgarde, die sich mit Kunst und ihren Geheimnissen beschäftigt. In den 80er-Jahren inszeniert er Abenteuerfilme wie „Die drei Kronen des Matrosen“ und „Die Stadt der Piraten“ (1983) und Racines „Bérenice“ (mit Gérard Depardieu), seine Filme laufen auf Festivals. Dank Marcello Mastroianni, der in „Drei Leben und ein Tod“ (1995) eine Dreifachrolle übernimmt, wird Ruiz in den Wettbewerb von Cannes eingeladen und genießt seitdem internationale Reputation. „Genealogien eines Verbrechens“ (mit Deneuve und Michel Piccoli; Berlinale 1996) und die Marcel-Proust-Adaption „Die wiedergefundene Zeit“ (1999, mit Deneuve und John Malkovich) bauen den Ruhm in Frankreich aus, wo Stars wie Isabelle Huppert („La comédie de l’innocence“, 2000), Laetitia Casta und Arielle Dombasle („Die starken Seelen“, 2001, „, eine Jean-Giono-Adaption) und die Schweizerin Elsa Zylberstein („Ce jour-lá“, 2003) in seinen Filmen auftreten. John Malkovich und Veronica Ferres spielen 2005 in „Klimt“, der am Beispiel des österreichischen Malers Ruiz‘ Lieblingsthema Traum, Realität und Erinnerung thematisiert.

Der portugiesische Produzent Paulo Branco bietet Ruiz seit „Drei Leben…“ komfortablere Drehbedingungen. 2007 bereitet Ruiz mit internationaler Starbesetzung (Peter O’Toole, Malkovich, Damien Lewis, Virginie Ledoyen, Daryl Hannah) den zur Zeit Karls des großen spielenden Historienfilm „Love and Virtue“ vor (Adaption der Klassiker „Chanson de Roland“ und „Orlando Furioso“).

Raoul Ruiz verstarb am 19. August 2011 an den Folgen einer Lungenentzündung.

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