Prof. Hark Bohm

Prof. Hark Bohm

Leben & Werk

Mit seinem von Wind und Wetter gegerbten Gesicht eines breitlippigen Seebären wirkte Regisseur, Autor und Produzent Hark Bohm in zahlreichen deutschen Filmen mit und prägte als bebrillter Charakterkopf mit näselnder Sprechweise manches Werk des Neuen Deutschen Films. Bohm war so präsent, dass ihn die „Village Voice“ 1980 für seine Rolle des schüchternen Pianisten in Rainer Werner Fassbinders „Lilli Marleen“ unter die zehn besten Schauspieler des Jahres wählte. Für RWF war er seit „Der amerikanische Soldat“ (1970) in knapp zwanzig Filmen aufgetreten, so als Apotheker in „Effi Briest“.

Als Regisseur faszinieren Bohm Geschichten über Jugendliche, die in extremen Situationen zum Handeln gezwungen sind. Ob „Tschetan, der Indianerjunge“ (Regiedebüt 1972), der mit Hilfe eines Schäfers die Freiheit erlangt, oder „Nordsee ist Mordsee“ (1976), wo zwei Jugendliche den Sozialwohnungen der Hamburger Hochhausbauten entfliehen, oder „Moritz, lieber Moritz“ (1977 erfolgreichster deutscher Film des Jahres), wo ein Jugendlicher der tristen Realität in Tagträume entflieht, oder „Für immer und immer“ (1996), in dem sich ein Mädchen zwischen ihrer psychisch gestörten Mutter und den Pflegeeltern entscheiden muss: Stets sind Bohms Jugendliche starke Individuen mit eigenem Willen.

In die soziale Realität Deutschlands griff Bohm, mit sich in der Hauptrolle, in „Der kleine Staatsanwalt“ (1986) und „Der Fall Bachmeier“ (1983; mit Marie Colbin als Mutter, die den Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal erschießt) ein. „Herzlich willkommen“ (1989) behandelt an Hand einer Internats- und Liebesgeschichte die damalige Ost-West-Problematik und Republikflucht aus der DDR. Die berühmte Sexszene mit Barbara Auer und Uwe Bohm auf dem Schreibtisch wurde im Fernsehen geschnitten. „Yasemin“ (1987), eine Romeo-und-Julia-Geschichte zwischen einer jungen Türkin und einem Deutschen, nimmt Motive der Filme der dritten Generation deutsch-türkischer Filmemacher wie Fatih Akin („Gegen die Wand“) vorweg. Für das Fernsehen inszenierte Bohm 2001 mit Corinna Harfouch „Der Fall Vera Brühne“ (über die des Mordes verdächtigte Geliebte eines Waffenhändlers mit politischen Verbindungen).

Bohm wurde 1939 in Hamburg geboren, absolvierte ein Jurastudium und begann während der Referendarzeit (bei Norbert Kückelmann, „Die Sachverständigen„) mit dem Filmen. Er war 1970 Gründungsmitglied des Filmverlags der Autoren, der Keimzelle des Neuen Deutschen Films. Bohm leitete seit 1986 den Aufbaustudiengang Film der Universität Hamburg. Er lebt dort mit seiner Frau Natalia Bowakow und seinen Pflegesöhnen Dschingis Bowakow und Uwe Bohm, die Theater- und Filmschauspieler wurden. Ihnen verdankt er viele Anregungen.

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