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Leben & Werk

Zwischen Filmtheorie, Filmexperiment und Filmpolitik ging der Schriftsteller, Erzähler, Soziologe, Interviewer, theoretisierende Künstler, Fernsehpolitiker und Filmemacher Alexander Kluge, der „Vordenker“ des Neuen Deutschen Films, seinem Namen gemäß konsequent seinen Weg als „Theoretiker des Eigensinns“. Kluges teils voluminöse Bücher sprengen erzählstrukturelle Rahmen, seine Techniken des Nachfragens locken Gesprächspartner aus der Reserve. Er ist der Erfinder der „Gattung Kluge“.

Kluges Filme öffnen dem assoziativen Denken und „Querdenken“ Tür und Tor, dabei sind sie durch eine Montagetechnik, die Fiktion, Dokumaterial, Musik, Erzählszenen und Fotografien unermüdlich zappt, so ausufernd wie aufregend, fordernd wie anstrengend, in gewisser Weise die ständige Dialektik. Kluge mag als „Verrätseler“ gelten, aber lässt man sich auf seine Filme ein, kann im günstigsten Fall die von ihm geforderte „Seelenlampe“ beim Zuschauer leuchten: „Das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann, ist, dass ihm die Geschichte entschwindet.“

Kluge wurde 1932 in Halberstadt geboren, war seit 1958 als Rechtsanwalt tätig, absolvierte ein Volontariat bei den Dreharbeiten zu Fritz Langs „Der Tiger von Eschnapur“ und gehörte 1962 zu den Initiatoren des Oberhausener Manifests, das den Anstoß zum Neuen Deutschen Film gab. Im selben Jahr wird er Leiter des Instituts für Filmgestaltung in Ulm. Mehreren Kurzfilmen folgt 1965 das Sozialdrama „Abschied von gestern„, die Geschichte der Anita G. (Kluges schöne Schwester Alexandra, die bis heute als Ärztin in Frankfurt arbeitet), die durch ein Westdeutschland voll Kälte, Ausbeutung und Leere rennt, rettet und flüchtet. Vom Constantin-Verleih in die Kinos gebracht, bleibt der heimische Erfolg aus, aber internationale Preise, Bundesfilmpreise und die Anerkennung im Ausland verschaffen dem Neuen Deutschen Film sein Renommee. Ähnliches gilt für den Nachfolgefilm „Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos„, der 1968 als erster deutscher Film seit 1945 den Goldenen Löwen von Venedig erhält. Die Titel von Kluges Filmen werden teils zu Sprichwörtern.

Nach „Gelegenheitsarbeit einer Sklavin“ (mit Schwester Alexandra), „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod„, „Der starke Ferdinand“, einer Beteiligung am Gemeinschaftsfilm „Deutschland im Herbst“ und den Essayfilmen „Die Patriotin“ (Hannelore Hoger gräbt die deutsche Geschichte um) und „Die Macht der Gefühle“ (Kluges Koppelung von Politik und Oper) wendet sich Kluge den neuen Medien zu, schafft 1988 dem Bildungsprogramm in den privaten Sendeanstalten Sat.1 und RTL eine Schiene und wird als unbeirrbarer Interviewer sein eigenes TV-Format. Zu Kluges zahlreichen Preisen gehört 2003 der renommierte Büchnerpreis. Einen guten Einblick in Leben und Schaffen Kluges gibt Angelika Wittlichs Porträt „Alle Gefühle glauben an einen glücklichen Ausgang - Über Alexander Kluge“ (2002).

Filme und Serien

Videos und Bilder

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