"Ein Schock fürs System"

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Vor wenigen Tagen ist „Skyfall“ auch in den deutschen Kinos angelaufen. Zuvor gab uns Regisseur Sam Mendes ein Interview.

Sam Mendes am Set von "Skyfall" - hier mit "M" Dame Judi Dench

Vergangene Woche machte die Schlagzeile die Runde, dass Sie nach „Skyfall“ schon wieder genug haben von Bond.

Glauben Sie nicht alles, was in den Zeitungen steht. Ich habe lediglich gesagt, dass ich alles, was ich in einen Bond-Film packen wollte, in „Skyfall“ gepackt habe. Das schließt nicht aus, dass mich ein zweiter Bond-Film interessieren könnte, wenn ich genug Abstand gewonnen und wieder neue Ideen zum Thema habe. Die Wahrheit ist aktuell, dass es weder Gespräche noch Entscheidungen gegeben hat. Dafür war noch gar nicht die Zeit.

Der Weg zu diesem Bond war für Sie dornig genug. Es heißt, dass Sie Daniel Craig ursprünglich abgeraten hatten, als ihm das Angebot vorlag, in „Casino Royale“ James Bond zu spielen.

Mein Bild von Bond war zu diesem Zeitpunkt von den Filmen mit Sir Roger Moore und Pierce Brosnan geprägt. Etwas in dieser Art erschien mir die völlig falsche Wahl für Daniel. Ich wusste nicht, dass die Absicht bestand, Bond komplett neu zu erfinden. Nach „Casino Royale“ musste ich meine Meinung revidieren. Auf einmal erschien es wieder interessant, sich mit Bond zu befassen. Als Daniel mich schließlich fragte, sagte ich Ja. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt den Eindruck, als Filmemacher auf der Stelle zu treten. Und das war eine neue und spannende Herausforderung. Ich wollte einen Schock für mein System.

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Lange Zeit befand sich „Skyfall“ wegen der anhaltenden Probleme um MGM in der Schwebe. Bestand wirklich die Gefahr, der Film könnte nicht gemacht werden?

Tatsächlich sah es lange Zeit nicht gut aus. Wenn ich zu diesem Zeitpunkt nicht schon so viel Arbeit in den Film gesteckt gehabt hätte, wäre ich wahrscheinlich abgesprungen. So saßen wir lange auf unseren Hintern undwarteten ab, bis das Studio seine Insolvenz abgewickelt hatte. Letzten Endes erwies sich das eine Jahr Pause als Segen für uns, weil wir die Zeit in die Arbeit am Drehbuch steckten. Ich finde, man sieht es dem fertigen Film an.

"Ein Schock fürs System"

Rückkehr zum klassischen Bond: "Skyfall"

Eon Productions steht in dem Ruf, stets die Zügel bei Bond in der Hand halten zu wollen. Konnten Sie sich als Filmemacher in der gewohnten Form entfalten?

Schon in den ersten Gesprächen mit Eon habe ich klipp und klar gesagt, dass unsere Zusammenarbeit in einem Desaster enden könnte, wenn wir unterschiedliche Vorstellungen davon hätten, was wir mit Bond anstellen wollen. Ich legte ihnen eine Liste vor mit meinen Ideen, und sie sagten zu allem Ja. Sie wollten, dass ich meinen Bond umsetzte. Ihren Einfluss machten sie, wenn überhaupt, in der Drehbuchphase geltend. Beim Dreh hatte ich freie Hand. Ich wollte aber auch das Rad nicht neu erfinden. Der Reiz bestand für mich darin, einen klassischen Bond-Film zu machen, der mir aber auch persönlich etwas bedeuten sollte.

Immerhin konnten Sie viele Leute Ihres vertrauten Stabs engagieren.

Das war mir wichtig. Nicht, dass ich beispielsweise David Arnold nicht für einen großartigen Filmkomponisten halten würde, aber ich arbeite nun mal bei der Musik am besten mit Thomas Newman zusammen. Außerdem brachte ich Kameramann Roger Deakinsund Szenenbildner Dennis Gassner mit, der zuvor aber auch schon an „Ein Quantum Trost“ gearbeitet hatte. Eon wiederum stellte Schnittmeister Stuart Baird, das zweite Drehteam und die Stunt- und Effektleute. Das war ein guter und ausgewogener Mix.

Was macht „Skyfall“ unverkennbar und einzigartig?

Ich glaube nicht, dass irgendetwas an „Skyfall“ einzigartig ist. Bond ist Bond. Es gibt gewisse Parameter, an denen man nicht rütteln kann, wenn man nicht das verlieren will, was Bond ausmacht. Das Geheimnis liegt in den Details, in der Erzählhaltung und in der Psychologie. Wir wollten Bond so weit treiben, wie es nur möglich ist, ohne ihm das gewisse Etwas zu nehmen.

Es gibt viele Verweise auf den klassischen Bond - Q, der Aston Martin, andere Überraschungen. Eine Referenz an das 50. Jubiläum der Serie?

Das waren eher persönliche Präferenzen. Tatsächlich haben wir gezielt nur eine Referenz an das Jubiläum in den Film gepackt: Der Whisky, den Silva seinem Gegenspieler serviert, ist 50 Jahre alt.

Für eine so alte Reihe schlägt sich der Film nicht schlecht am Boxoffice. Hätten Sie mit diesem Zuspruch gerechnet?

Ich wusste, dass Bond eine große Fangemeinde hat und der Film wohl an den Kassen funktionieren würde. Diese Ausmaße sind aber völlig ungewohnt für mich. Ich müsste aber lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir nicht gefällt. ts

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