Leben & Werk

Er gehörte zur Avantgarde der 60er Jahre, erregte mehrfach Skandale mit seinen Filmen, von denen einige auch verboten wurden. Er schuf eine neue Filmsprache und wurde unter ungeklärten Umständen am Strand von Ostia von seinem homosexuellen Liebhaber ermordet. Pier Paolo Pasolini (1922 - 1975) war in Italien bereits als Lyriker, Romancier und streitbarer Publizist bekannt, der sich zu sozialistischen Ideen bekannte, aber die kommunistische Bewegung gleichermaßen entschieden kritisierte, als er sich 1960 mit dem Film eine neue Sprache erschloss. Sein Debütfilm „Accatone“, die Geschichte eines Zuhälters aus den römischen Vorstädten, ist zur Musik von Bach wie eine Passionsgeschichte inszeniert. „Mamma Roma„, mit Anna Magnani als lebensfroher Hure, greift das Thema der Unterprivilegierten erneut auf und ist mit Pasolinis Kritik an der Konsumwelt des Kapitalismus gekoppelt. Seine Bibelfilm-Satire „Der Weichkäse“ (1962, mit Orson Welles in der Rolle des Regisseurs) wurde wegen Blasphemie verboten, dagegen gilt sein „Das Erste Evangelium Matthäus“ als beste Bibel-Verfilmung überhaupt. Pasolini inszenierte keine frommen Votivbilder, sondern besetzte die Geschichte mit Laien aus dem Süden Italiens und deutete Jesus als Sozialrevolutionär. In seiner Satire „Große Vögel, kleine Vögel“ (1966) wandern zwei Landstreicher durch Italien und diskutieren mit einem sprechenden Raben über Weltanschauungen, bis sie den den Kommunismus vertretenden Vogel am Spieß braten. Sein „Teorema“ (1968, mit Terence Stamp), einer der meistdiskutierten Filme der 60er Jahre, zeigt, wie ein stummer Fremder das Leben einer großbürgerlichen Familie mit sexueller Freiheit revolutioniert. Pasolini inszenierte an Schauplätzen in Afrika und Vorderasien mythologische Stoffe („König Ödipus“, „Medea“, mit der Opernsängerin Maria Callas in der Titelrolle), die ihre Parallelen zur Dritten-Welt-Problematik und ihre thematische Universalität zeigen. Mit „Decamerone“, „Canterbury Tales“ und „Erotische Geschichten aus 1001 Nacht“ entstand die „Trilogie des Lebens“, teils derb-drastische, teils poetische und vor allem im dritten Teil ästhetisch außergewöhnliche Feiern menschlicher Erotik und Sexualität. Kurz nach der Fertigstellung seines letzten Films, „Salo oder die 120 Tage von Sodom“, der die Vorlage des Marquis de Sade in eine faschistische Republik während des Zweiten Weltkriegs versetzt und in Anlehnung an Dante die Höllenkreise menschlicher Demütigungen und Grausamkeiten präsentiert und in Italien über zwanzig Jahre verboten war (in anderen Ländern wie Deutschland bis heute), wurde Pasolini ermordet. Eine Rezeption seines auch literarischen Werkes, seiner theoretischen Schriften und seiner journalistischen Arbeiten setzte erst nach seinem Tode ein. Sein zunächst vergessenes Werk wird seit den 90er Jahren wiederentdeckt.

Filme und Serien

Videos und Bilder

News und Stories

  • "Sodom" zu pornographisch

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    In Pier Paolo Pasolinis "Die 120 Tage von Sodom" ging es deftig und freizügig zur Sache - ein Grund, den Film zu verbieten.

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