Leben & Werk

Deutscher Drehbuchautor und Produzent (1937-2004). Peter Märthesheimer war in den 70er-Jahren eine prägende Figur für den Neuen Deutschen Film, produzierte TV-Filme, die breite gesellschaftliche Diskussionen auslösten, und setzte bei den öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten Rainer Werner Fassbinder durch, für den er später in Zusammenarbeit mit Pea Fröhlich die Drehbücher zu RWFs „Deutscher Trilogie“ schrieb, Fassbinders kommerziell erfolgreichste Kinofilme, bestehend aus „Die Ehe der Maria Braun“ (1978; Hanna Schygulla als Trümmerfrau, Beginn des Wirtschaftswunders und Fußball-WM in Bern 1954), „Lola“ (1981; Barbara Sukowa als Hure in einer Kleinstadt, die in der Adenauer-Ära der 50er-Jahre „ehrbar“ wird) und „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ (1982; Rosel Zech geht als ehemaliger Ufa-Star an Drogen und Ärzten zugrunde).

Peter Märthesheimer wurde 1939 in Kiel geboren, studierte Soziologie und war zwischen 1964 und 1981 Redakteur, Dramaturg und Produzent für den WDR (Köln) und die Bavaria (München). Er betreute Wolfgang Petersens Fernsehspiele „Smog“ (1972, Öko-Katastrophe im Ruhrgebiet) und „Das Millionenspiel“ (ein Kandidat wird live von Killern gejagt) und Wolfgang Menges Serie „Ein Herz und eine Seele“ (Heinz Schubert als Ekel Alfred). Märthesheimer produzierte RWFs „Acht Stunden sind kein Tag“ (erste Serie um den Alltag von Fabrikarbeitern), RWFs Fernsehfilm „Martha“ (1973, mit Margit Carstensen und Karlheinz Böhm), der später eine Kinoauswertung erfuhr, und RWFs legendäre vierzehnstündige Serie „Berlin Alexanderplatz“ (1980/81, nach Alfred Döblins Roman), die von „Bild“ wegen „Schmuddelsex“ und „für das Fernsehen zu dunkle Bilder“ zum Skandalfilm stilisiert wurde.

Peter Märthesheimer schrieb Drehbücher zu Walter Bockmayers Rummelplatz-Dramödie „Looping“ (1981) und zum Thriller „Der Bulle und das Mädchen“ (1984, mit Jürgen Prochnow). Für das Fernsehen erfand er 2004 die Figur des Psychotherapeuten Dr. Maximilian Bloch, der in sieben Folgen der Serie „Bloch“ von Dieter Pfaff verkörpert wurde. Märthesheimers letzte Arbeit war das Drehbuch zu Margarethe von Trottas Frauen- und Familienmelodram „Ich bin die andere“ (2006), das auf seinem gleichnamigen ersten und einzigen Roman basierte und von einer Frau (Katja Riemann) mit multipler Persönlichkeitsstruktur und traumatischer Vaterbindung handelt. Für den Roman erhielt er den Preis des Hamburger Literaturhauses.

Märthesheimer schrieb Theaterstücke und Hörbücher. Als Produzent wurde er zweimal mit dem Adolf-Grimme-Preis (1973 und 1981) und 1978 mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

Peter Märthesheimer brach im Juni 2004 während einer Sitzung der von ihm mitgegründeten Deutschen Filmakademie in Berlin am Tag vor der Verleihung des Deutschen Filmpreises zusammen und starb an einem Herzinfarkt.

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