Peter Greenaway

Peter Greenaway

Leben & Werk

Er ist der Inbegriff des europäischen intellektuellen Autorenfilmers, der in einem hermetischen Universum über komplexe Bildebenen und Metaphern eine „Rätselhaftigkeit“ legt und sich der Auflösung konsequent verweigert. Was die Filme des 1942 geborenen Walisers Peter Greenaway dennoch zu einem ästhetischen Vergnügen macht, ist die Verbindung all der theoretischen Diskurse zu Literatur, Musik, Kalligraphie, Ballett, Naturwissenschaften, Film – und seine Fixierung auf Zahlen, Zahlenreihen und Buchstaben – mit skurril-grotesken Erzählungen, die seiner originellen Fantasie entspringen. Greenaway studierte Kunst und hatte in der Verleihabteilung des British Film Institute jahrelang Gelegenheit, Experimentalfilme zu studieren. Daraus erwuchsen seit 1965 zahlreiche avantgardistische Kurzfilme, die Motive seiner späteren Spielfilme vorwegnahmen. Als Zusammenfassung dieser Zeit gilt das 1980 entstandene Werk „The Falls“, in dem drei Stunden lang zu Passbildern und Standfotos mit wachsendem Tempo Biografien fiktiver Personen abgespult werden, die alle „Fall“ heißen. Greenaways erster Spielfilm war „Der Kontrakt des Zeichners“ (1982). Erzählt wird die Geschichte eines Malers und Graphikers aus dem 17. Jahrhundert, der auf einem Landgut in eine nur aus seinen Zeichnungen zu entschlüsselnde Mordintrige gerät. Der Film wird zum Überraschungserfolg, der die weiteren Arbeiten, vielfach unter Beteiligung mehrerer produzierender Länder, ermöglichte. „Ein Z & zwei Nullen“ erforscht am Beispiel eines Zwillingspaares Evolution und Verfall organischen Lebens, „Der Bauch des Architekten“ (mit Brian Dennehy) nimmt das Thema Tod und Verfall im Umkreis römischer Bauten auf. Zugänglicher ist „Die Verschwörung der Frauen“, in dem drei Frauen dreier Generationen in strenger Reihenfolge ihre Ehemänner und ihren Erpresser in barockem Ambiente umbringen und dazu Spiele erfinden. Mit „Der Koch, der Dieb, seine Frau & ihr Liebhaber“ (1989), der wegen seiner krassen kannibalistischen und sexuellen Szenen mit Helen Mirren einen Skandal verursachte, hatte Greenaway seinen größten kommerziellen Erfolg. „Prosperos Bücher“ adaptiert in der für Greenaway typischen Wasser- und Buchmetaphorik Shakespeares Alterswerk „Der Sturm“ mit einer Hommage an den Schauspieler Sir John Gielgud, der Prospero spielte. Spielereien mit der Video- und TV-Technik erschweren jedoch die Rezeption dieses Films. Gleiches gilt für „Die Bettlektüre“ (mit Ewan McGregor), in dem sich Greenaway der japanischen Kalligraphie auf menschlicher Haut widmet. „Das Wunder von Macon“ (mit Julia Ormond als zu Tode vergewaltigter „Jungfrau“) verbindet eine Geschichte aus dem 16. Jahrhundert mit Mutmaßungen über das Theater und sein Publikum. „8 1/2 Women“ ist, wie der Titel andeutet, eine Hommage an Federico Fellinis Meisterwerk „8 1/2“. Greenaway versteht den Film als Synthese der Künste und sieht folglich das Kino als Gesamtkunstwerk an. Die Vernetzung mit den neuen digitalen Medien ergibt eine für das Erzählkino ungewöhnliche Bilderflut. Über seine Filme hinaus ist Greenaway als Illustrator, Maler, Buchautor, Schöpfer von Installationen und Ausstellungs-Gestalter international anerkannt. Seiner in mehreren Werken auftauchenden Kunstfigur Tulse Luper widmete er eine CD-Rom.

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