Leben & Werk

Deutscher Film- und Fernsehregisseur, Schauspieler und Theaterdirektor (1901 - 1975). Der Begründer der Schauspieler-Dynastie Verhoeven war als Regisseur von 60 Kino- und Fernsehfilmen, als Theaterdirektor und als Schauspieler, Produzent und Drehbuchautor einer der produktivsten deutschen Filmkünstler. Er inszenierte mit dem Defa-Märchenfilm „Das kalte Herz“ (1950, nach Wilhelm Hauff), der zum Klassiker wurde, seinen schönsten Film (und einen der ersten Farbfilme). In den NS-Jahren war er Regisseur von Unterhaltungsfilmen („Der große Schatten“), die einen Bogen um Politik machten, in den 50er-Jahren inszenierte er Komödien und Dramen mit moralischem Anspruch („Der Jugendrichter„). Der Fernsehregisseur Verhoeven ist der Vater von Doku-Dramen, damals Dokumentarspiele genannt („Der Hitler/Ludendorff-Prozeß“, 1971). Verhoeven starb in München während seiner Rede bei der Trauerfeier für Schauspielerin Therese Giehse.

Paul Verhoeven wurde im westfälischen Unna geboren, wuchs mit dreizehn Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf. Er debütierte in den 20er-Jahren am Münchner Schauspielhaus und kam über Wien, Frankfurt/Main und Dresden nach Berlin, wo er 1933-1944 Intendant des Theater am Schiffbauerdamm wurde. 1937 inszenierte er die Operette „Die Fledermaus“ fürs Kino und wurde Regisseur von Musikfilmen („Das kleine Hofkonzert“, „Philharmoniker“), an Screwball Comedies angelehnte Lustspiele („Der Tag nach der Scheidung“, „Herr Sanders lebt gefährlich“), Western („Gold in New Frisco“) und historische Bilderbögen („Salonwagen E 417„). Für das im Theatermilieu angesiedelte Drama „Der große Schatten“ (mit Heinrich George), erhielt er 1942 den Biennale-Preis von Venedig.

Nach dem Krieg wurde Verhoeven 1946-1949 Intendant des Staatsschauspiels München und von 1963 bis zu seinem Tod Schauspieldirektor der Münchner Kammerspiele. Nach dem in der DDR entstandenen „Das kalte Herz“, kreisten die Filme der Adenauer-Zeit mit Stars wie Luise Ullrich („Ich weiß, wofür ich lebe“, „Eine Frau von heute“), Heinz Rühmann („Das kann jedem passieren„), Ruth Leuwerik (Die goldene Brücke“), Curd Jürgens („Tingeltangel“) um Schuld, Sühne, Ärzte, Richter und Kriegerwitwen („Du bist nicht allein“). In seinem letzten Kinofilm, „Ihr schönster Tag“ (1961), spielte Inge Meysel die Hauptrolle.

Ende der 50er-Jahre nutzte Verhoeven die Möglichkeiten des Fernsehens und inszenierte für BR und SWF anspruchsvolle Adaptionen moderner Literatur („Die große Wut des Philip Hotz“, Max Frisch), Klassiker wie „Nachtasyl“ (Maxim Gorki) und Jaroslav Haseks Schelmenroman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ (1958). In den 60er- und 70er-Jahren folgten Doku-Dramen („Der Fall Jeanne d’Arc“, „Der Panamaskandal“, „L.D. Trotzki - Tod im Exil“). In diesen Jahren war Verhoeven Schauspieler in Kinofilmen von Sohn Michael („Paarungen“), spielte einen Kardinal in „Oh Jonathan!“ (mit Rühmann) und in Fernsehkrimis (zwei „Tatort“-Folgen um Zollfahnder Kressin; Durbridge-Krimi „Ein Mann namens Harry Brent“, Krimi-Dreiteiler „Babeck“, mit Jürgens und Senta Berger).

Aus Verhoevens Ehe mit Schauspielerin Doris Kiesow stammen die Töchter Lisa, Monika und Sohn Michael, Regisseur (u.a. „Mutters Courage), aus der Liaison mit Schauspielerin Edith Schulze-Westrum Sohn Thomas S-W, Tierfilmer. Er ist Schwiegervater von Senta Berger, die 1966 Michael heiratete, und Mario Adorf, und Großvater der Schauspieler Stella Maria Adorf, Luca und Simon Verhoeven (Regisseur von „Männerherzen“). Er ist auf dem Waldfriedhof München begraben.

Der Dokumentarfilm „Die Verhoevens“ (2003) geht ausführlich auf sein Schaffen ein; Michael schrieb das Buch „Paul, ich und wir: Die Zeit und die Verhoevens“.

(Nicht zu verwechseln mit dem holländischen Regisseur Paul Verhoeven) (geh)

Filme und Serien

Videos und Bilder

News und Stories

  • Bryan Singer verfilmt Roman von Robert A. Heinlein

    X-Men-Regisseur Bryan Singer wird in Kooperation mit der 20th Century Fox den 1966 erschienen Science-Fiction-Klassiker "Revolte auf Luna" ("The Moon is a Harsh Mistress") vom sechsfachen Hugo-Award-Gewinner Robert A. Heinlein (1907-1988) verfilmen. Bekannteste Heinlein-Adaption bisher war Paul Verhoevens Starship Troopers, nach dem gleichnamigen Kult-Roman des berühmten Autors aus dem Jahr 1959. Erschienen ist überdies...

    Kino.de Redaktion  
  • Robocop-Remake glänzt mit Schauspielprominenz

    Das Robocop-Remake von José Padilha, der als Regisseur damit in die Fußstapfen Paul Verhoevens (Starship Troopers) tritt, mausert sich immer mehr zu einem ambitionierten Projekt. Nachdem bereits Charakterdarsteller Gary Oldman sich zum Cast gesellte, der demnächst als Commissioner Gordon in The Dark Knight Rises zu sehen sein wird, stieß nun auch Samuel L. Jackson hinzu, der vor Kurzem noch als Nick Fury in Marvel’...

    Kino.de Redaktion  
  • Der neue Robocop - Weniger Blech und mehr Mensch

    Inzwischen ist es ausgemachte Sache, dass es 2013 unter der Regie von Jose Padhila ein Robocop-Remake geben wird. Hauptdarsteller Joel Kinnaman äußerte sich nun über den futuristischen Cyborg-Polizisten und dass er im Remake anders aussehen wird, als man es von Paul Verhoevens Original gewönnt ist. Die Rolle wird menschlicher werden und damit mehr schauspielerische Leistung abfordern. Peter Weller seinerzeit war meist...

    Kino.de Redaktion  
  • Sie haben das Recht zu Schweigen! 2013! Robocop sorgt wieder für Recht und Ordnung

    Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass Paul Verhoeven seine Medien- und Polizeistaat-Satire Robocop ins Kino brachte. Nach zwei Fortsetzungen sowie Trickfilm- wie Realfilm-TV-Serien wurde das Franchise aber auf Eis gelegt. Dort ruhte es viele Jahre lang, bis nach und nach die Idee für ein Remake zu tauen begann. Von der Idee bis zum Konzept dauerte es allerdings wieder einige Jahre und danach rotierte noch kräftig...

    Kino.de Redaktion  

Wird oft zusammen gesucht

Kommentare