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Leben & Werk

Sein Klavierspiel verbindet melodische Improvisation, einen sicheren Sinn für Harmonien und ein ansteckendes Gespür für Swing. Seinen 80. Geburtstag feiert Paul Kuhn, der Mann am Klavier, auf der Bühne. Für MusikWoche gratuliert ihm sein langjähriger Freund Mike Hennessey.

Musiker mit Leib und Seele: Paul Kuhn

Wenn man an Paul Kuhn denkt, fällt einem als erster Begriff „Integrität“ ein. Er ist ein engagierter Musiker, der mit Leib und Seele bei der Sache ist und dieselbe Philosophie wie Louis Armstrong, einer seiner großen Helden, vertritt, wenn es darum geht, fürs Publikum zu spielen. Satchmo meinte stets, sein wichtigster Daseinszweck als Musiker bestehe darin, die Leute zu unterhalten.

Und genau das hat Paul Kuhn seit gut sechs Jahrzehnten außerordentlich gut gemacht. Obwohl er im Lauf seiner Karriere vor allem mit Pop- und Tanzmusik zu tun hatte, war Jazz immer seine Lieblingsmusik. Seine Affäre mit diesem Genre begann in den späten 40er-Jahren, als er Radioprogramme der BBC und des AFN (American Forces Network) hörte. Das weckte seinen Enthusiasmus, der schon bald zur Passion wurde. „Die erste Platte, die ich hörte, war eine vom Glenn Miller Orchestra“, sagt Paul. „Mit dieser Art von Musik war ich überhaupt nicht vertraut, aber sie machte einen tiefen Eindruck auf mich.“

Paul fand vor allem auch das George Shearing Quintet gut, und in den Fünfzigern hatte er zeitweilig eine Gruppe mit derselben Besetzung. Zu den anderen Pianisten, die Kuhn bewundert, zählen Hank Jones, Tommy Flanagan and Dave Grusin. „Von den Saxofonisten mag ich besonders Coleman Hawkins, Zoot Sims, Lester Young and Ben Webster“, sagt er. „Und wenn es um die Trompeter geht, sind natürlich Louis Armstrong, Bobby Hackett und Clark Terry meine Idole.“ Und Terry ist nicht der einzige berühmte Jazzkollege, mit dem Paul Kuhn arbeitete; andere sind Toots Thielemans, Johnny Griffin, Quincy Jones und Michal Urbaniak.

In den vergangenen zehn Jahren kümmerte sich Gabriele Kleinschmidt Promotions (GKP) in Durchhausen im Schwarzwald exklusiv um Paul Kuhn. Die Inhaberin meint: „Es ist immer eine besondere Freude, mit Paul zu arbeiten, denn er ist ein durch und durch professioneller, extrem kooperativer und anpassungsfähiger und natürlich auch ein ungemein populärer Künstler, der ständig gefragt ist.“ Geboren wurde Paul Kuhn am 12. Mai 1928 in Wiesbaden; er besuchte das Musische Gymnasium in Frankfurt und beendete seine musikalische Ausbildung am Wiesbadener Konservatorium.

Er formierte seine erste Gruppe 1946, mit der er regelmäßig in US-Clubs im Rhein-Main-Gebiet auftrat. In den Fünfzigern arbeitete er zeitweilig mit der WDR Bigband, und 1954 hatte er seinen ersten großen Hit mit dem Schlager „Der Mann am Klavier“. In den frühen Sechzigern feierte er sein Fernsehdebüt in der NDR-Serie „Hallo Paulchen“, die mehrere Jahre lief und ihn als beliebte TV-Persönlichkeit etablierte. In dieser Phase stellte Ute Mann, die frühere Leadsängerin des Gunther-Kallmann-Chors („Elisabeth-Serenade“), das Quartett Ute Mann Singers zusammen, das regelmäßig mit Peter Alexander, Udo Jürgens und Paul Kuhn zusammenarbeitete.

1968 wurde Paul Kuhn zum Leiter des SFB-Tanzorchesters berufen, das später zur SFB Big Band wurde - ein viel gepriesenes Ensemble, zu dessen Mitgliedern internationale Jazzstars wie Ã…ke Persson, Rolf Ericson, Carmell Jones und Leo Wright gehörten. In den zwölf Jahren, in denen er diese Band dirigierte, hatte Paul Gelegenheit, mit Weltstars wie Shirley Bassey, Nana Mouskouri, Dionne Warwick, Caterina Valente, Joe Williams, Sacha Distel, Oscar Peterson und Gilbert Bécaud zu arbeiten.

Und in dieser Zeit festigte er seinen Ruf als meisterhafter Komponist und wurde einer der gefragtesten deutschen Orchesterarrangeure. Sein Klavierspiel verbindet melodische Improvisation, einen sicheren Sinn für Harmonien und ein ansteckendes Gespür für Swing. Aber Paul Kuhn ist nicht nur ein höchst begabter Pianist, Komponist und Arrangeur mit einem gefälligen Gesangsstil - er ist auch ein wunderbar gutmütiger Mann mit ausgeprägtem Sinn für Humor. Als er mit seinem Trio vor einigen Jahren in der Neuen Börse in Frankfurt auftrat, war der Aktienmarkt gerade im Tief. In seiner Ansage meinte Paul zum Publikum: „Die Kurse sind derzeit auf Talfahrt, deshalb haben wir uns entschlossen, alle unsere Stücke um zwei Tonarten tiefer zu spielen.“

Jazzliebhaber können sich freuen, dass Paul Kuhn in den vergangenen zehn Jahren seinen Fokus fast ausschließlich aufs Jazzrepertoire gerichtet hat. So nahm er für das Label In + Out wunderbare Alben auf wie „My World Of Music“ oder „Play It Again Paul“ (mit Greetje Kauffeld und Toots Thielemans), „Blame It On My Youth“ und „Young At Heart“ mit der All-Star-Gruppe The Best, in der Benny Bailey, Dusko Goykovich, Jiggs Whigham, Gustl Mayer, Peter Weniger, Bassist Paul G. Ulrich, der Schlagzeuger Willy Ketzer und die Sängerin Greetje Kauffeld mitwirken.

„Looking Back“ mit der Paul Kuhn Big Band wurde in der Kölner Philharmonie aufgenommen, wo Paul seit 1986 jedes Jahr ein Konzert gegeben hat. Kürzlich erzählte er mir, dass er froh sei, wieder zum Jazz gefunden zu haben, denn das sei seine Rückkehr zu den Wurzeln. Für die Alben „My World Of Music“ (1990), „Play It Again Paul“ (2000) und „Young At Heart“ (2002) bekam er jeweils einen Jazz Award der deutschen IFPI für mehr als 10.000 verkaufte Exemplare. „Young At Heart“ wurde außerdem 2003 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Und im April 2002 kürte ihn der Verband der deutschen Klavierhersteller zum Pianisten des Jahres. Sein aktuelles Album, „As Time Goes By“, das seinen 80. Geburtstag begleitet, erschien zum Auftakt einer Tournee mit 20 Konzerten vom 7. März bis zum 5. April. Paul Kuhn tritt auf mit der Tourbesetzung seiner Band The Best - Ack van Rooyen und Claus Reichstaller an den Trompeten, Peter Weniger und Gustl Mayer (Saxofone), Jiggs Whigham (Posaune), Tom Wohlert (Gitarre), Martin Gjakonovski (Bass) und Willy Ketzer (Drums); zudem steht die 20-köpfige Streicherabteilung des legendären Deutschen Filmorchesters Babelsberg mit auf der Bühne.

Über das neue Album sagt er: „Es hat ohne Zweifel lange gedauert, diese sehr speziellen Aufnahmen zu machen. Es war seit Jahrzehnten mein Wunsch, mit einer erstklassigen Jazzgruppe und einem großen Streicherensemble zu arbeiten. Zum 80. Geburtstag wird jetzt mein Traum wahr. Dafür danke ich meinem Produzenten Frank Kleinschmidt, meinem Toningenieur Winnie Leyh und Stefan Behrisch, der meine Arrangements der Klassiker aus dem Great American Songbook so perfekt kopierte. Außerdem möchte ich den 28 erstklassigen Musikern für ihre Virtuosität und Leidenschaft danken.“ Aber am meisten Dank schulde er, so Paul, seiner Frau Ute, die er 1988 heiratete: „Utes Liebe und Hingabe waren all die Jahre über meine größte Inspiration.“

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