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Paolo Taviani

Schauspieler • Regisseur • Drehbuchautor
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Leben & Werk

Künstlerische Nachfolger ihres Mentors Roberto Rossellini, erlebten die Brüder Paolo (geb. 1931) und Vittorio (geb. 1929) Taviani den Höhepunkt ihres Schaffens, als sie 1977 in Cannes die „Goldene Palme“ für „Padre Padrone“ erhielten. Der Film erzählt nach dem autobiografischen Roman von Gavino Ledda die Geschichte eines sardischen Hirtenjungen, der wie ein Autist lebt, weil sein Vater (Omero Antonutti) sich weigert, ihn lesen und schreiben zu lassen. Aus eigener Kraft befreit er sich aus Herrschaft und Ohnmacht und wird Schriftsteller. Die Brüder Taviani, kulturell gebildet durch regelmäßigen Besuch von Oper und Theater, und in ihren Filmen als bewusste Traditionalisten der historischen und ästhetischen Methode von Visconti und den Neorealisten folgend, hatten nach dem Studium von Jura und Kunst einen Filmclub gegründet. Nach mehreren Dokumentationen debütierten sie 1962 mit „Gebrandmarkt“, in dem Gian Maria Volonté, Italiens bedeutendster Darsteller politischer Rollen, die Hauptrolle verkörperte. Die Geschichte über einen ermordeten Gewerkschaftsführer steht noch in der Tradition des Polit-Thrillers à la Francesco Rosi. Ende der 60er Jahre sahen die Tavianis das Ende der alten Linken voraus und brachen mit ihrem Stil, zeigten mit einem überwältigenden Marcello Mastroianni in der Hauptrolle in „Allonsanfan“ (1974), wie sich ein Intellektueller und Adeliger in der Revolution engagiert und scheitert. Damit war der Weg frei für „Padre Padrone“, dem mit „Die Nacht von San Lorenzo“ 1982 eine wahre, ästhetisch überhöhte Geschichte über ein Blutbad in einem toskanischen Dorf 1944 folgte, das die geflohenen Dörfler von ferne erlebten. Zwischen Traum und Realität entsteht ein Schwebezustand von Hoffnung, beschwören die Tavianis im mythischen Bild des von Lanzen durchbohrten Kollaborateurs den Widerstand. Mit „Kaos“, einem Episodenfilm nach Novellen von Luigi Pirandello, entwerfen sie ein Porträt Siziliens und feiern die bäuerliche Kultur und den Süden, ähnlich wie Francesco Rosi („Christus kam nur bis Eboli“) oder Ermanno Olmi („Der Holzschuhbaum“). Mit „Good Morning Babylon!“ erwiesen sie 1986 der Filmgeschichte ihre Reverenz, in dem sie zeigten, inwieweit italienische Einwanderer an den Dreharbeiten von D.W. GriffithsIntolerance“ (1916) beteiligt waren. „Nachtsonne“ (1989) zeigt einen Soldaten (Julian Sands), der als Eremit leben will, aber vom Leben (u.a. in Gestalt schöner Frauen wie Charlotte Gainsbourg) eingeholt wird. „Fiorile“ ist ein 200 Jahre umspannender Bilderbogen über den Fluch, der auf einer Familie aus der Toskana lastet. Dorthin haben sie auch ihre Verfilmung von Goethes Roman „Die Wahlverwandtschaften“ (1996, mit Isabelle Huppert und Jean-Hugues Anglade) verlegt. 1987 erhielten die Tavianis, die immer gemeinsam Regie führen, für ihr Gesamtwerk den Sonderpreis der Filmfestspiele Venedig.

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