Ottokar Runze

Schauspieler • Producer • Regisseur • Drehbuchautor • Synchronsprecher
Ottokar Runze Poster

Leben & Werk

Deutscher Regisseur, Produzent, Drehbuchautor, Synchronsprecher und Schauspieler. Ottokar Runze begann seine Regiekarriere in der Blütezeit des Neuen Deutschen Films, wurde mit Werken über juristische Themen bekannt und weitete das Spektrum mit Komödien, Satiren, Dramen und Literaturverfilmungen aus. Seine Arbeiten kreisen um die zeitlosen Themen Schuld und Sühne, Justiz und Gerechtigkeit, Verantwortung, Gewissenskonflikte und den Konflikt zwischen politischer Klasse, der Gesellschaft und der jungen Generation, die an den Lasten der Alten trägt. In ruhigen Inszenierungen erzählen Runzes stets mit Schauspielern erster Garnitur besetzte Filme von Momenten menschlicher Wärme und von den Konsequenzen, die feste Überzeugungen mit sich bringen.

Runze schickt den lebenslustigen Einbrecherkönig Julius Adolf Petersen (Martin Lüttge als „Der Lord von Barmbeck“) auf Diebestour, lässt Strafgefangene beim Laienspiel die Rituale der Justiz demaskieren („Im Namen des Volkes“), erforscht das Gewissen eines Polizeispitzels, der in den 20er-Jahren für den Tod anderer verantwortlich wurde (Marius Müller-Westernhagen in „Verlorenes Leben“), begleitet einen Fähnrich, der eine Regimentrebellion erlebt („Die Standarte„, nach Alexander Lernet-Holenia) und folgt Jugendlichen, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs einen jüdischen Jungen verstecken („Stern ohne Himmel“, nach Leonie Ossowski). In der Satire „Feine Gesellschaft – Beschränkte Haftung“ bringt er Bankräuber und Damen der Gesellschaft (Lilli Palmer und Hardy Krüger) zusammen, in der Agentenkomödie „Der Schnüffler“ wird Didi Hallervorden als Berliner Taxifahrer von Ost und West für einen Spion gehalten. „Der Vulkan“, Verfilmung des berühmten Romans (1939) von Klaus Mann („Mephisto“), beobachtet deutsche Exilanten und vor den Nazis Flüchtende im Paris der 30er-Jahre (Nina Hoss, Meret Becker, Sylvester Groth).

Ottokar Runze wurde 1925 in Berlin geboren, geriet in Kriegsgefangenschaft und arbeitete 1945 bis 1947 als Darsteller an mehreren Theatern in Berlin, wo er sich als Direktor der Avantgarde-Bühne British Centre Theatre (1951-1956) einen Namen machte. Er war Assistent des ungarischen Regisseurs Josef von Baky und kam so zur Synchronarbeit, die er über Jahrzehnte als Sprecher von Tony Curtis, Burt Lancaster, Alain Delon, Jean-Louis Trintignant, Cary Grant, Christopher Plummer, Robert Wagner und Tony Randall betrieb. 1963 gründete er die aurora television GmbH und produzierte für Film und Fernsehen (u.a. „Der Pfingstausflug“, „Das Sommeralbum“, „Die Spur der roten Fässer„, „Newenas letzte Reise“). Runzes Spielfilmdebüt „Viola und Sebastian“ (Romanze nach Shakespeares „Was ihr wollt“) blieb relativ unbekannt, bis sich mit „Der Lord von Barmbeck“ (Silberner Bär Berlinale 1972) der Erfolg einstellte. Zu seinen weiteren Arbeiten zählen u.a. die Simenon-Verfilmung „Der Mörder“, die Bertolt-Brecht-Collage „Hundert Jahre Brecht“ und die für die Ufa- und Defa-Veteraninnen Ilse Werner und Gisela May geschriebene Komödie „Die Hallo-Sisters“.

Ottokar Runze erhielt im Lauf seiner Karriere mehrere Kurzfilmpreise, 1994 den Unicef-Preis der Berlinale, sieben Deutsche Filmpreise in Gold oder Silber und wurde 2002 mit dem Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises ausgezeichnet.

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