Leben & Werk

Von seinen Schauspielern wurde er „Otto der Hunne“ genannt, doch er entlockte ihnen auch wegen intensiver Proben vor dem Dreh die besten Leistungen. Viele seiner Filme sind erst retrospektiv als die Meisterwerke erkannt worden, als die sie gelten müssen, so „Bonjour Tristesse“ (1957), der großen Einfluss auf die „Nouvelle Vague“ hatte und sie teilweise vorwegnahm. Er war der erste Regisseur in Hollywood, der das übergroße Cinemascope-Format extensiv nutzte, und das nicht nur in Western wie „Fluß ohne Wiederkehr“ (mit Marilyn Monroe und Robert Mitchum). Otto Preminger (1905 - 1986) debütierte als Schauspieler bei Max Reinhardt, vollendete ein Jurastudium und gründete in Wien „Die Komödie“. Als Reinhardt in den Ruhestand ging, übernahm er für zwei Jahre die Leitung des Theaters in der Josefstadt. 1931 inszenierte er seinen ersten Film, wurde 1936 vom Produzenten Joseph Schenck nach Hollywood eingeladen und begann für die Fox zu arbeiten. Der Perfektionist Preminger wurde auch „Otto der Schreckliche“ genannt, ließ sich auf zermürbende Kämpfe mit Studiochef Darryl F. Zanuck ein, konnte aber wegen der Annektierung Österreichs durch Hitler nicht nach Europa zurück. Preminger führte Lubitschs letzten Film „Die Frau im Hermelin“ zu Ende und hatte seinen Durchbruch mit dem Kriminalmelodram „Laura“ (1944), einem der Meisterwerke des Film noir. Seit 1953 arbeitete Preminger als einer der ersten unabhängigen Produzenten-Regisseure des internationalen Films und unterlief erfolgreich die Zensurmechanismen des Studiosystems. So weigerte er sich, Worte wie „Jungfrau“, „schwanger“ und „verführen“ zu schneiden und trug erheblich zur Aufweichung des Production Code bei. Er ignorierte die „Schwarze Liste“ der antikommunistischen Hexenjagd, ließ Autoren wie Dalton Trumbo („Exodus“) für sich arbeiten und stellte als engagierter Anti-Rassist für „Carmen Jones“ (1954) und „Porgy und Bess“ (1958) eine afro-amerikanische Besetzung zusammen. Preminger entdeckte die Schauspielerin Jean Seberg („Bonjour Tristesse“, „Die heilige Johanna„), ließ von dem Vorspann-Künstler Saul Bass hochkarätige Vorspänne für seine Filme entwickeln und plante geschickte Werbestrategien. Sein Sinn für Raumaufteilungen, Tiefenschärfe- Kompositionen wie bei Orson Welles und szenische Auflösungen ist beeindruckend, seine Themen sind kontrovers: Drogensucht, ein Cold Turkey und Prostitution („Der Mann mit dem goldenen Arm„, mit Frank Sinatra und Kim Novak), Homosexualität in „Sturm über Washington„, die Politik der katholischen Kirche in „Der Kardinal“, oder Rassismus in „Morgen ist ein neuer Tag„. Preminger drehte einen der besten Gerichtsfilme („Anatomie eines Mordes„, mit James Stewart) und ließ seine Personen beim Militär („Erster Sieg“), im Geheimdienst („Der menschliche Faktor“, nach Graham Greene) oder in der Politik („Exodus“) zwischen Fanatismus, Wahrheitssuche, Rivalität und bitterer Erkenntnis kreisen. In Billy Wilders Lagerfilm „Stalag 17“ (1953) spielte Preminger den sadistischen Lagerkommandanten. 1999 war ihm die Retrospektive der Filmfestspiele Berlin gewidmet.

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