Endspurt im Wettbewerb, Schaulaufen der Stars

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Omar Sharif Poster

Spät, aber doch fand Wong Kar-Wais neues Werk den Weg nach Cannes. Dazu gab’s großes Aufsehen um Daniel Brühl, Tom Hanks, Nick Nolte, Milos Forman, Jean-Luc Godard und Billy Bob Thornton.

Nick Nolte überzeugt im Drogendrama "Clean" Bild: Cannes

Nachdem Che Guevaras „Motorcycle Diaries“ zuletzt das Tagesgespräch in Cannes waren, wartete alles gespannt auf die nun doch endlich an der Côte d’Azur eingetroffene Kopie von Wong Kar-Wais2046„. Doch zuvor bot das Festival noch jede Menge Starrummel und zwei bemerkenswerte Wettbewerbsfilme.

So verdichteten sich die Gerüchte, wonach die Jury erwägt, den Darstellerpreis an Daniel Brühl für „Die fetten Jahre sind vorbei“ zu verleihen. Bei den Fans in Cannes ist der deutsche Jungstar ohnehin heiß begehrt: Als Brühl gestern aus dem Hotel kam, rief ein Einzelner in der Menge laut ‚Dahn-jell, Dahn-jell!‘. Der derart Angesprochene drehte sich um und ein Raunen ging durch die Menge: „Wer ist das?“ Jemand brüllte „Guhd Bah, Lennin!“. Sofort rückte dem verdutzten Darsteller eine große Menschentraube zu Leibe und bat um Autogramme.

Brühl zeigte sich mächtig erstaunt über die internationale Aufmerksamkeit an der Croisette: „Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich im Ausland erkannt werde - sogar hier in Frankreich! Ich bin zwar nicht Brad Pitt, aber das gefällt mir schon. Sie wissen ja, dass wir Schauspieler alle ein bisschen eitel sind…“

Für die deutschen Jungs sind die "fetten Jahre" noch lange nicht vorbei Bild: Kurt Krieger

Aus dem Nähkästchen eines Stars

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Das gilt auch für Omar Sharif, der sich zur Vorführung einer aufwändig restaurierten Fassung von „Lawrence von Arabien“ im Rahmen der „Cannes Classics“ an der Croisette zeigte. Der Weltstar erzählte verschmitzt lächelnd, dass ihn die pompösen Zeremonien in Cannes immer an seine ersten „Oscars“ 1963 erinnern:

„Damals war David Lean so sicher, dass ich gewinnen würde, dass er mir sagte: ‚Du kannst schon mal aufstehen, wenn sie den Umschlag öffnen!‘ Das tat ich und ging würdevollen Schrittes Richtung Bühne. Als ich merkte, dass aber Ed Begley für „Süßer Vogel Jugend“ gewonnen hatte, machte ich auf dem Absatz kehrt und ging an meinen Platz zurück - selbstverständlich ebenso würdevoll!“

Nach Sharifs historischer Anekdote ging es anschließend Richtung ferne Zukunft: Mit „Ghost in the Shell 2: Innocence“ hielt das Anime Einzug in Cannes. Neun Jahre nach dem Erfolg des ersten Teils lieferte Mamoru Oshii in der Fortsetzung eine erstaunliche Mischung ab: spektakuläre dreidimensionale Kulissen aus dem Computer, während die Hauptfiguren handgezeichnet daherkommen.

"Ghost in the Shell 2: Innocence" ist wie sein Vorgänger ein ausgezeichnetes Anime Bild: Cannes

Die Hohe Kunst der Philosophie

Handwerklich erstklassig ist der düstere Science Fiction aus der Schmiede, die schon den Game-Hit „Tekken 3“ produzierte. Und an den geradezu surrealistischen Bildern hätte Salvador Dalí wohl seine wahre Freude gehabt. Allein die Geschichte weiß nicht zu überzeugen: Im Jahr 2032 haben die Menschen jede Menge künstliche Körperteile an Bord und ihr Gehirn um sogenannte „E-Brains“ erweitert. Außerdem gibt es Roboter, die menschliches Bewusstsein beherbergen, und sogenannte „Dolls“, reine Maschinenmenschen.

Zwischen diesen drei Gruppen verliert sich das Anime - anlässlich der Aufklärung eines Mordfalls - in philosophischen Fragen wie „Was bedeutet überhaupt Leben?“. Leider war es jedem Nichtphilosophen schlicht unmöglich, den sperrigen Dialogen noch zu folgen, inmitten von Kung-Fu-Kämpfen à la „Matrix„-Trilogie und Computerschlachten zwischen Viren und Firewalls, für die man zugegebenermaßen höchst erstaunliche Bilder fand.

Dafür gab es im Drogen-Drama „Clean“ von Cannes-Dauergast Olivier Assayas exzellent aufspielende Darsteller aus Fleisch und Blut zu sehen und mit Nick Nolte einen Superstar in Hochform. Die klassische Story nach dem Muster „Wie kommt man von der Nadel weg?“ zeigt Maggie Cheung („Hero„) als zweitklassige Alternative-Sängerin, die nur dann ihren kleinen Sohn wiedersehen darf, wenn sie „clean“ wird.

Heiß erwartet - und doch kam "2046" nicht bei allen gut an Bild: Cannes

Entzug und Nachzügler

Unbeschreiblich gut dabei Nick Nolte als ihr Schwiegervater: mal verständnisvoll, mal hart gegen die Abhängige, aber immer ehrlich und direkt, ist er das Idealbild eines Entziehungshelfers. Und wenn einer weiß, worum es dabei geht, ist es natürlich Nolte. Doch insgesamt berührte „Clean“ zwar, dürfte aber filmisch zu wenig Überraschendes geboten haben, um sich ernsthafte Chancen ausrechnen zu können.

Als sich dann endlich der Vorhang für Wong Kar-Wais „2046“ hob, war man denn um so gespannter, ob das neue Werk des chinesischen Ausnahme-Regisseurs zurecht derart mit Vorschusslorbeeren überhäuft worden war.

Bald war allerdings klar, dass der Film nicht umsonst verspätet in Cannes eingetroffen war. Einige abrupte Schnitte, teils sogar mit sekundenlang schwarzer Leinwand, aber vor allem eine Story, die sich nicht so recht zu einem Ganzen zusammenfügen wollte, verrieten: „2046“ wurde mit heißer Nadel gestrickt - leider nicht ganz fertig.

Bad Boy Thornton macht in "Bad Santa" seinem Image alle Ehre Bild: Buena Vista

Schwache Story, starke Bilder

Das Leitmotiv: In einer fernen Zukunft reist man per Zeitzug ins Jahr 2046 zurück - weil dort keinerlei Veränderung stattfindet und die Menschen also völlig in ihren liebsten Erinnerungen aufgehen können. Diese Geschichte entpuppt sich für den Zuschauer später als Produkt aus der Feder des Journalisten und Romanciers, der im Mittelpunkt von Wongs Film steht. Seine leidenschaftlichen, aber stets unglücklichen Liebschaften verstricken sich in bestechend schönen Bildern zu einem Knäuel von Erzählungen.

Oft wird dabei erst spät klar, was davon noch Rahmenhandlung ist und was nur ein Fantasieprodukt der Figuren. Fazit: Wie gewohnt bei Wong Kar-Wai ein Augenschmaus, aber nicht die starke Geschichte, mit der „In the mood for love“ noch vor vier Jahren in Cannes begeistert hatte. Dementsprechend dominierte beim Publikum die Enttäuschung, vereinzelt erklangen gar Buh-Rufe.

Tom Hanks weiß, wie man feiert - nicht nur in "Ladykillers" Bild: Buena Vista

Party-Hengst Hanks

Davon konnte bei der Party zu „Ladykillers“ keine Rede sein: die Sause anlässlich der Gauner-Komödie mit Tom Hanks war eindeutig die beste des Festivals. Im exklusiven Cape d’Antibes, wo einst die Dietrich residierte, wurde bei Seafood-Büffet und Cocktails unter freiem Himmel Jocelyn Brown gelauscht. Die Gospel-Queen schmetterte Highlights aus dem Soundtrack und Soul-Klassiker in die sternenklare Nacht.

Hollywoods düstere Seite brachte Billy Bob Thornton nach Cannes, im Gepäck die unbedingt sehenswerte Weihnachts-Satire „Bad Santa„. In den USA letztes Jahr ein 65 Mio.-Dollar-Erfolg, lief die respektlose Abrechnung mit dem Fest der Liebe in Deutschland bisher noch nicht im Kino - dafür nun außer Konkurrenz in Cannes. Dabei sorgte Thornton für wahre Lachsalven als saufender, fluchender und genitalgesteuerter Weihnachtsmann, der Heiligabend immer die Kaufhäuser ausraubt, in denen er zuvor Geschenke verteilte.

Seinem Ruf als Bad Boy machte Thornton schon bei der Begrüßung alle Ehre: „Ich freue mich, dass Sie hier sind. Und ich freue mich, dass ich hier bin. Lachen Sie sich den Arsch ab!“

Michael Moore muss sich für "Fahrenheit 911" auch viel Kritik anhören Bild: Kurt Krieger

Alles Ehrensache

Eine große Ehre wurde Milos Forman zuteil, dessen „Hair“ ebenfalls in den „Cannes Classics“ lief. Die Regie-Legende wurde vom französischen Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen - eine der höchsten Auszeichnungen des Landes. Jury-Präsident Quentin Tarantino musste sich da mit der Künstler-Auszeichnung „Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres“ begnügen.

Ein anderer Kult-Regisseur sorgte dagegen für hochgezogene Augenbrauen: Jean-Luc Godard, der außer Konkurrenz sein in drei Episoden geteiltes Antikriegs-Schaustück „Notre Musique“ präsentierte, fand wenig Gefallen an Michael Moore und dessen „Fahrenheit 911„: „Dieser ganze Bohei hilft Bush nur“, schalt der Großmeister.

Hilfe könnte wohl auch Jury-Chef Quentin Tarantino gebrauchen bei der Frage, wer denn nun sein goldenes Palmblatt werden soll? Vielleicht der sympathische Jungrevoluzzer aus Argentinien, der rundliche Lautsprecher Made in USA, lebensfrohe Flüchtlinge aus Algerien - oder gar die Nachwuchs-Anarchos aus deutschen Landen? Quentin, bald musst Du Dich entscheiden…

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